Ein seltener Kauz zu Gast in Osttirol

Förster Thomas Gradnig gelang eine besondere Naturdoku.

Eine auffallend aufgeregte Schar von Krähen ließ am vergangenen Sonntag einige Bewohner der Einfamilienhäuser oberhalb des Brennerleweges an der Zettersfeldstraße stutzig werden und lenkte ihre Aufmerksamkeit an den Waldrand. Was war der Grund für das lärmende Spektakel der 30 bis 40 Rabenvögel? Mit freiem Auge war zunächst nicht viel auszumachen, aber Bezirksförster Thomas Gradnig, der ebenfalls hier wohnt, brachte mit einem starken Fernrohr schnell Licht ins Dunkel der Bäume. Ein sehr seltener Besucher hatte sich am Waldrand niedergelassen: Ein Habichtskauz. Gradnig brachte sofort die Kamera in Position. Hier seine Bilder, unten das Video dazu.

„Das ist tatsächlich etwas sehr Besonderes“, erklärt Matthias Gattermayr, Ornithologe, NAGO-Mitglied und Dolomitenstadt-Autor: „Der Habichtskauz ist ein in Österreich sehr seltener Brutvogel. Wir gehen von fünf bis zehn Brutpaaren im gesamten Bundesgebiet aus.“ Der Habichtskauz ist nach dem Uhu die zweitgrößte heimische Eule. Gattermayr: „Er bewohnt vor allem den borealen Nadelwaldgürtel von Skandinavien bis nach Japan. In den Karpaten gibt es Vorkommen und zudem laufen Wiederansiedelungsprojekte in Niederösterreich, in Bayern und Tschechien. Mittlerweile hat sich eine kleine Population in Kärnten etabliert, die jedoch nur wenige Brutpaare umfasst.“ Wie fast alle heimischen Eulen ernährt sich auch der Habichtskauz vornehmlich von Mäusen. In „guten Mäusejahren“ wächst die Population.

Gattermayr vermutet, dass der seltene gefiederte Gast ein umherstreifender Vogel aus einer im Dreiländereck Kärnten-Slowenien-Italien angesiedelten Population ist. 2013 gelang Hotelier Pepi Kreuzer ein Foto von einem Habichtskauz nahe dem Tristacher See. „Es ist durchaus möglich, dass diese Art zumindest fallweise auch in Osttirol brütet“, erklärt der Fachmann, er ist begeistert, wie gut Förster Thomas Gradnig den seltenen, nachtaktiven Vogel fotografiert und gefilmt hat: „Eine derart gute Dokumentation wie jene von Thomas gelingt in Österreich abseits der Gegenden um die Wiederansiedelungen nur äußerst selten!“

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