Land hilft TAP mit 180.000 Euro über die Runden

Zwischenfinanzierung bis neues Interreg-Geld fließt.

Als „visuelles Gedächtnis“, „europäisches Vorzeigeprojekt“, „Wissensspeicher“ und identitätsstiftend für den Großraum von Ost- über Süd- und Nordtirol bis ins Trentino wurde am 26. März einmal mehr im Kreis der Verantwortlichen und Macher das TAP, das Tiroler Archiv für photografische Dokumentation und Kunst gewürdigt. Diesmal war auch Landeshauptmann Günther Platter angereist, weil das Land Tirol „sehr spontan“, wie TAP-Mitbegründer Richard Piock unterstrich, eine Finanzierungslücke auffüllt, die dem TAP die Weiterarbeit ermöglicht, obwohl europäische Fördergelder – vorerst – versiegen.

Ohne ihn gäbe es das TAP nicht: Richard Piock freut sich über die spontane Überbrückungshilfe des Landes. Fotos: Dolomitenstadt
Ohne ihn gäbe es das TAP nicht: Richard Piock freut sich über die spontane Überbrückungshilfe des Landes. Fotos: Dolomitenstadt

Das TAP ist nämlich ein durch Interreg finanziertes Projekt, „eines der besten überhaupt“ für den Landeshauptmann, und Interreg-Förderungen funktionieren nach den Regeln „europäischer Langsamkeit“, wie es Durst-Manager Piock formulierte: „Das TAP wäre, nach der schon genehmigten Verlängerung, ab 1. April Geschichte gewesen, wenn nicht die Landesregierung Tirols für die Periode bis zum 30. Juni 2016 mit 180.000 Euro und die Kulturabteilung der Landesregierung Südtirols mit 120.000 Euro zur Finanzierung beigetragen hätten.“ 80.000 Euro indirektes Sponsoring durch Durst Phototechnik komplettieren das benötigte Budget von 380.000 Euro zur Fortführung des TAP bis zu jenem Zeitpunkt, an dem frische Interreg-Gelder dann von 2016 bis 2021 wieder eine europäische Finanzierung der Kultur- und Wissenschaftsinstitution ermöglichen.

Mit Samthandschuhe werden historische Fotobestände für spätere Generationen gesichert. TAP-Leiter Martin Kofler und Landeshauptmann Günther Platter.
Mit Samthandschuhen werden historische Fotobestände für spätere Generationen gesichert. TAP-Leiter Martin Kofler und Landeshauptmann Günther Platter.

Historiker Martin Kofler leitet das TAP und unterstrich den steigenden Stellenwert des Archivs im Bewusstsein der Bevölkerung. „Fast täglich kommen Menschen vorbei, die etwas bringen oder suchen“, erzählt Kofler. Er werde sogar zu Wohnungsauflösungen eingeladen. Hunderttausende Bilder haben die digitalen Archivare bereits gescannt und codiert, Millionen werden in den nächsten Jahren dazukommen, wobei das TAP künftig viel mehr als ein Bildarchiv sein möchte. Zum einen sind Know-how und Expertise bei der Umsetzung von historischen Fotoausstellungen zunehmend gefragt, weshalb das TAP auch die Kuratierung eines Bergfotografie-Museums auf dem Kronplatz übernehmen soll und mit Reinhold Messners Bergmuseumsprojekt zusammenarbeitet.

Zum anderen wird – einmal mehr mit fachlicher Unterstützung von Durst – das Kompetenzfeld „Bildarchivierung“ weiter aus- und aufgebaut, weit über die digitale Welt der Gegenwart hinaus. Piock: „Auch digitale Speicher funktionieren nicht ewig. Wenn es keine Sticks und Festplatten mehr gibt, könnten spezielle Laserfilme das wertvolle Bildmaterial für weitere Jahrhunderte sichern.“ Hier sehen die Initiatoren des Projekts den Hebel für eine weitere Skalierung der bislang noch regionalen Einrichtung zu einer Wissensinstitution mit internationaler Bedeutung.

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Hintergrundinfo zum TAP:

Das Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst, kurz TAP, wurde im Jänner 2011 als grenzüberschreitendes EU-Interreg-Projekt mit der Zielsetzung der Sammlung, Digitalisierung und Archivierung von Photobeständen historischer Provenienz vorerst auf den Bereich Osttirol und das Südtiroler Pustertal begrenzt, gegründet. Mittlerweile sind an den Standorten des Tiroler Archivs in Lienz und Bruneck über 415.000 Bildbestände digital oder im Original archiviert und über Ausstellungen, Publikationen, Vorträge und die eigene Projektwebsite öffentlich zugänglich gemacht worden. Zahlreiche Bilddokumente wurden überhaupt erst im Rahmen des Projekts erstmalig der Bevölkerung erschlossen und präsentiert. In den vier Jahren der bisherigen Projektlaufzeit sind die Bestände sowohl qualitativ als auch quantitativ exponentiell angewachsen, und zugleich haben Öffentlichkeitsarbeit und Bezugsraum des Photoarchivs den ganzen Raum der Europaregion Tirol/Südtirol/Trentino erfasst.

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