Wird Osttirol vom Zulieferer zum Produzenten?

Heimische Qualität hat mit der Molkerei Lienz eine Chance – aber nicht ohne Risiko.

Die Raiffeisengenossenschaft Osttirol sagt, die Übernahme des Molkereistandortes Lienz berge zu viele Risiken. Man verfüge nicht über „Vermarktungserfahrung, geschweige denn das notwendige Know-How“, um auf einem umkämpften Milchmarkt bestehen zu können. Neben der sicher gewissenhaft durchgeführten Selbsteinschätzung teilt man den Osttiroler Milchbauern mit, sie seien bei der Berglandmilch betriebswirtschaftlich sicher positioniert.

Sicherheit ist ein hohes Gut. Besonders in wirtschaftlich unsteten Zeiten. Die Milchquote ist Geschichte, der Trockenmilchmarkt Russland ausgefallen, der Weltmarkt unberechenbar, der Standort klein. Für unerfahrene Produzenten kann ein solches Szenario ein unkalkulierbares Risiko darstellen.

30holunderhof
Bisher sind die Ansätze zur Vermarktung von Käse aus Osttirol eher schüchtern. Foto: Ramona Waldner

Dennoch wagen immer wieder Bauern dieses Experiment, gründen neue Genossenschaften, organisieren sich abseits alter Strukturen, eröffnen Sennereien und stellen ihre eigenen Produkte her. Vielleicht, weil sie autark sein wollen, wahrscheinlich sogar sein müssen. In jedem Fall aber, weil sie Vertrauen in die hohe Qualität ihres Ausgangsprodukts, Milch aus bergbäuerlicher Produktion, haben. In Milch, die anders schmeckt, als die aus Massentierhaltung. In die Kraft von Alpenmilch, die  je nach Fütterungsart und -periode jedem daraus hergestellten Käse eine andere Geschmacksnuance verleiht.

Ein solches Vertrauen bewiesen die Mitglieder der Sennereigenossenschaft „Drei Zinnen“ mit der Schaukäserei in Toblach, die erst 2004 ihren Betrieb aufnahm. Jetzt, gute 10 Jahre später, sind sie mit ihrer eignen Produktpalette nicht nur im heimischen Lebensmittelhandel sondern auch auf deutschen Wochenmärkten und darüber hinaus präsent. Genau wie die auf Ziegenmilch fokussierte Käserei „Capriz“ in Vintl, 2013 mitbegründet von der Südtiroler Unternehmerfamilie Oberrauch, deren Hauptgeschäftszweig der Sporthandel und nicht Lebensmittelherstellung und -vermarktung ist.

Gerade das letzte Beispiel zeigt, Know-How ist erwerbbar. Um sehr viel leichter sogar mittels eines schon bestehenden, technisch gut ausgestatteten Betriebs, der mit zwei Eigenmarken über einiges Fachwissen verfügt. Mit einem Produktionsstandort im zentral gelegenen Lienz, der in kurzer Zeit in relevanten Vermarktungsgrößen produzieren kann, könnten Osttirols Bauern von Zulieferern zu Marktteilnehmern aus eigener Kraft werden.

Es steht ihnen frei, sich genossenschaftlich zu organisieren, sich damit von vordergründig bequemen Großabnehmern unabhängig zu machen, sich selbstständig um Kunden zu bewerben, und eigene betriebswirtschaftliche Sicherheit zu erreichen. Sie würden dann wahrscheinlich auch auf der Landkarte leichter gefunden werden, und nicht in Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten. So wie beim „Almleben“ 2012.

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5 Postings bisher
fb vor 2 Jahren

@sonnenstadtler: ich she die Ursache darin, dass die Vertreter der RGO eben überall vertreten und hörig sind: Bauernbund, ÖVP, wollen gut Freund zum LH sein, etc. Dakann ich mir vorstellen, dass man mehr beschäftigt ist zu schaun, dass man es all diesen recht macht als Strategien für die eigenen Genossen zu erstellen.

Zudem ist e immer schwierig - grosser Gewinn könnte auch bedeuten, dass man den eigenen Genossen zuviel verrechnet? Gibt es eine von den Genossen abgesegnete Richtlinie für den Unternehmensgewinn?

sonnenstadtler vor 2 Jahren

Der RGO mangelt es an Sicherheit und Erfahrung bei der Verarbeitung der Milch (ihrer Bauern und Mitgliedsbetriebe) und in der Vermarktung von Milchprodukten... :

Wenn die Geschäftsführung das sagt und Bedenken anmeldet, dann könnte ich das noch verstehen, wenngleich "das Eigenkapital schon fast aus den Fenstern quillt" und uns auch tolle Beispiele vor Augen geführt werden, wie es doch geht und sogar sehr erfolgreich! Man weiß auch vom Vordenken für Osttirol, dass einige tolle Ansätze vorhanden wären und auch motivierte Leute dabei waren. Was ist jetzt damit...???

WARUM nun der Obmann und damit der Eigentümervertreter keinen Funken einer Idee erkennen lässt, wie man aus der ruinösen Abwärtsspirale entkommen könnte, so ist das schon bemerkenswert. Als regional orientierter Konsument und auch unternehmerisch Tätiger macht mir das Kopfzerbrechen!

Wenngleich man als unbeteiligter Beobachter auch sagen könnte, es sind bis auf ein paar wenige Bauern, alle auf Linie (so wurde es soger laut berichtet?!)

Milch produzieren und aus! Irgendwer wird schon einen Tankwagen schicken und wenn keiner mehr kommt, dann springen wir auf ... .

Vielleicht gibt es diese Sicherheit noch immer in der Landwirtschaft. Vielleicht ist diese Sicherheit noch auf Jahrzehnte garantiert, ich weiß es nicht. Anders ist mir die Gelassenheit der RGO-Eigentümer und Bauern nicht zu erklären.

Lieber investieren die Mitglieder in einen neuen HG-Markt, ...

Aber vielleicht bekommen die RGO-Mitglieder so viel Rendite aus der Vermarktung von Baumaterialien, Pflastereibetrieb, Tankstelle, HG-Markt, ..., dass es eh egal ist, ob sich ihre Organisation um eine bessere Milchvermarktung anzustrengen beginnt oder nicht.

Mir sollts "Wurscht" sein, wenns nit soooo verrückt wäre...

c 716 vor 2 Jahren

Interessanter Artikel in der ZEIT zum Erfolgsmodell Heumilch und Verarbeitung in Oberbayern: http://www.zeit.de/2015/14/landwirtschaft-produktion-milchquote

alpensepp vor 2 Jahren

Richtig! Selbstverständlich ist es möglich eine regional Marke mit speziellen Produkten erfolgreich zu platzieren, z.B. Die Zillertaler Sennerei hat sich auf Heumilch spezialisiert. Ich war selbst Kunde der Tirolmilch. Seit dem Zusammenschluss mit Schärdinger gibt es nur mehr einfallslose Produkte. Selbst die von mir geschätzten Heumilchkäse wurden stillschweigend durch normale Milch ersetzt. Bei der Tirolmilch gab es keinen Willen für ein kreatives regionales Produkt. Der Standort Lienz wurde schon vor langer Zeit aufgegeben. Für eine regionale Marke " Osttirol " brauch es mutige Menschen mit Visionen und keine Jammerer. Es gibt keine Wirtschaftsschwäche, im Gegenteil, es gibt Unmengen von Kapital am Markt. Wir haben jedoch eine falsche Politik, ein desolates Rentensystem und ein viel zu teures Sozialsystem.

Jo vor 2 Jahren

Sicherheit ......... wer hat wo Sicherheit? Wo würden Unternehmen heute stehen, wenn der Gründer als erstes an Sicherheit gedacht hätte (sicher ein Extrembeispiel Rene Benkö.....oder auch regional Herr Piok .....Holzbau Unterrainer....Mikado). Eine Gründung birgt immer Risiken! Gerade in wirtschaftlich harten Zeiten wie wir sie aktuell erleben, kann man sich mit innovativen Ideen und Produkten am Markt stark präsentieren und positionieren. Wie man an der Fam. Oberrauch sieht, gibt es für tolle Ideen mit Potential auch immer Investoren. Das Geld ist nicht vom Markt verschwunden! Marketing kann man sich aneignen oder zukaufen .... Mut ist aber nicht kaufbar! Das Risiko zu scheitern ist sicher gleich gross wie die Chance auf Erfolg. Mit einer idealen Rechtsform des Unternehmens aber kalkulierbar. Warum stehen wir denn in Osttirol so da wie wir dastehen (anm. Hochstein und Zettersfeld)? Weil wir ein "Suderndes und jammerndes Bergvolk sind" .... immer in Erwartung das man uns Geldpakete und damit Sicherheit zuwirft. Wo wäre denn Südtirol wenn man hier nicht aus "privater Hand" investiert hätte? Meiner Meinung brauchen wir unsere tollen Bauernprodukte nicht einem Riesen unterzuordnen. Wir sind selbst 50.000 ....wenn wir selbst die Produkte kaufen würden wäre das eine Sicherheit die wir selber anbieten können. Denkt an Zotter ...... das ist NUR 1 Produkt ..... er hat es nun auch geschafft .... und Schokolade gäbe es nun wirklich genug. Osttirol ..... trau Dich was.... G1