Mit alten Liedern über die Isle of Skye

Wer die Fahrt über die Insel antritt, wird manches Hollywoodmotiv wiedererkennen.

Das Highland Cattle lässt sich weder vom Wetter noch von den Touristen stören. Fotos: Jörg Schnell
Das Highland Cattle lässt sich weder vom Wetter noch von den Touristen aus der Ruhe bringen. Fotos: Jörg Schnell

Über die Isle of Skye – The Misty Isle – wurde bereits in wunderschönen Liedern und Texten geschwärmt. Das übersteigt mein Können leider bei Weitem, deshalb schreibe ich euch heute in Form eines Reiseberichts über diese größte Insel der Inneren Hebriden. Sie liegt direkt vor der Westküste des schottischen Festlands im Atlantik und wurde schon von den Wikingern „Sküyo“ (Wolkeninsel) genannt. Diesen Namen trägt sie zu Recht, hängen doch an den meisten Tagen des Jahres dichte Nebelwolken bis tief in die steil abfallenden Klippen. Aber alles der Reihe nach.

Fährt man von Ardersier aus nach Skye, sollte man sich vorher den Wetterbericht ansehen. Eine so lange und anstrengende Fahrt lohnt sich nur, wenn die Isle of Skye schönes Wetter verspricht. Wir hatten traumhaftes Wetter, als meine Schwester und meine Mama zu Besuch waren, so machten wir uns erwartungsvoll über die North-Kessock-Bridge der A832 folgend nach Achnasheen auf. Von dort weiter durch die Highlands, vorbei an verschlafenen Lochs, mystischen Glens und ganz vereinzelten Cottages nach Kyle of Lochalsh. Hat man dies geschafft, hat man Schottland einmal durchquert.

Kyle of Lochalsch liegt gegenüber von Skye, direkt an der Skye-Brücke. Diese Route ist sehenswert, auch wenn es über eine andere Route vielleicht schneller geht, solche Landschaften sieht man nicht so häufig. Die Isle of Skye ist seit 1995 durch eine Autobrücke mit dem Festland verbunden, vorher war die Reise nach Skye beschwerlicher, aber vielleicht noch schöner als heute, da man den Fährverkehr nutzen musste. Dies kann man auch heute noch machen: Es gibt eine kleine Autofähre von Glenelg nach Kylerhea, die von Ostern bis Oktober fährt. Diese Verbindung besteht seit 1934. Kosten: 14 Pfund für ein Auto mit bis zu vier Passagieren einfach, mit Rückfahrkarte 20 Pfund. Es ist die letzte manuelle Dreihscheiben-Fähre, die in Großbritannien noch betrieben wird.

Aber auch die Fahrt über die Brücke und das türkisfarbene Wasser des Atlantiks beigeisterte meine Familie. Hat man die Brücke überquert, ist man von weiß gestrichenen Häusern umgeben. Das scheint auf Skye so Sitte zu sein und verleiht der Insel einen ganz besonderen Charme. Die Hauptstadt der Insel Skye ist Portree. Dorthin führte unsere Fahrt zuerst. Portree ist recht klein und überschaubar, aber seinen ebenso kleinen Yachthafen kennt man aus dem ein oder anderen Hollywoodfilm. Die Häuser im Hafen sind alle unterschiedlich bemalt, hier also die Ausnahme zum weißen Kalk der Cottages. Es gibt zwei Theorien dazu, erstens: Die Fischer nahmen einfach die übriggebliebene Schiffsfarbe, um ihr Haus zu streichen. Zweitens: Die Frauen der Fischer bemalten die Häuser in unterschiedlichen Farben, damit der Ehemann nach dem Pub-Besuch die richtige Haustüre finden würde.

In Portree gibt es ein ganz wunderbares, kleines Cafè namens Arriba. Man sollte sich unbedingt Zeit nehmen und einen Kaffee oder noch besser eine heiße Schokolade mit Schlagsahne und Marshmallows trinken (sie ist fantastisch, aus richtiger Schokolade). Das Kaffeehaus hat einen wunderbaren Ausblick auf die Bucht von Portree und man kann dem bunten Treiben im Hafen zusehen. Ein Spaziergang in Portree lohnt sich meines Erachtens nicht wirklich, der Hauptanziehungspunkt ist sicherlich der Hafen.

Gestärkt geht es von Portree aus auf der A855 zu einer Rundfahrt über die nördliche Halbinsel Trotternish. Man kommt dabei direkt am „Old Man of Storr“ vorbei, einem 50m hohen, freistehenden Basaltmonolith, dem weitere, kleinere Felsnadeln wie die „Old Man’s Wife“ Gesellschaft leisten. Weiter nördlich kann man den „Kilt Rock“ bewundern. Man biegt von der A855 rechts auf einen eigens dafür vorgesehenen und beschilderten Parkplatz ab und bestaunt den Felsen, der seinen Namen seinem tartanähnlichen Gesteinsmuster verdankt. Außerdem wurden an dieser Stelle Dinosaurierabdrücke gefunden und man kann gut seine eigene Schuhgröße mit der eines großen Sauriers vergleichen, da die Spuren nachgebildet wurden. Bei Sonnenschein, wie wir ihn hatten, lädt der Parkplatz mit Picknicktischen zum Verweilen ein.

Kurze Zeit später erreicht man, schon nachdem man die Nordspitze passiert hat, das „Skye Museum of Island Life“. Sieben reetgedeckte Cottages ermöglichen einen guten Einblick in das ursprüngliche Leben auf der Insel im 19. Jahrhundert. Sehr sehenswert, aber leider nur von Ostern bis Oktober geöffnet, da sich das Museum in Privatbesitz befindet.

Fährt man weiter, erreicht man bald den Fährhafen Uig. Der Ort liegt malerisch in einer geschützten Bucht, gibt aber für Besichtigungen nicht viel her. Entweder man fährt quer durch die Insel zurück nach Portree oder steuert den Ort Dunvegan an. Ich würde empfehlen, eine Übernachtung auf der Isle of Skye einzuplanen, wenn man weiterfahren will. Wir sind über die Insel zurückgefahren, teils Single-Track-Road, von Portree wieder auf die Skye Bridge und von Kyle of Lochalsh noch zum einzigartigen „Eilean Donnan Castle“, das wir alle schon gesehen haben, entweder in einer der Highlander-Verfilmungen, einem James Bond oder bei Verliebt in die Braut. Es ist eines der meistfotografierten Motive Schottlands und liegt günstig, direkt nach Kyle of Lochalsh an der A67. Die Führungen sind enorm liebevoll gemacht. Ein Steindamm führt vom Besucherzentrum hinüber zur mittelalterlichen Festung, die auf das Jahr 1220 zurück datiert. 1718 wurde Eilean Donnan komplett zerstört und erst 1912–1932 originalgetreu wieder aufgebaut.

Wenn man das alles gesehen hat, sind so viele Eindrücke zu verarbeiten, dass man froh ist, gemütlich der A896 folgend über Torridon mit seiner traumhaften Bergkulisse wieder nach Hause zu fahren. Ein besonderer Tipp ist das direkt an der Strecke liegende „The Torridon“ Hotel. Der preisgekrönte Koch des Hauses bietet fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte sowie Spezialitäten vom Hochlandwild. Außerdem kann man in der Bar des Hauses aus 350 verschiedenen Single Malts aus aller Welt (auch Japan) wählen. Die preisgünstigere Alternative ist das angeschlossene „The Torridon Inn“. Am Ende der Reise fährt man wieder die Ufer des Loch Ness entlang und man weiss, es ist nicht mehr weit. Vor kurzem waren übrigens Bekannte von uns zu Besuch, die in Ardersier in „The Dolphin Bay Suites“ übernachtet haben. Sollte sich jemand entschließen, nach Ardersier zu kommen, diese Wohnungen sind klasse!

Zum Schluss: Unser Sohn, Aaron, hat mich gebeten, Euch folgendes Video mitzuschicken. Danny McAskill ist sein großes Idol, geboren auf der Isle of Skye und einer der besten Trial-Profis weltweit. Und Aaron hat recht, es zeigt die Misty Isle wirklich von einer schönen Seite. Viel Spaß beim Zusehen und bis zum nächsten Mal, wenn ich Euch wieder etwas von unseren Kindern berichte!

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