Die Söhne überraschen auf Englisch

Auf den Hebriden wird deutlich, wie viel die Kinder gelernt haben.

Unser Sohn Aaron durfte einem Torfschürfer bei der Arbeit zuschauen und das Schürfen auch selbst ausprobieren. Fotos: Jörg Schnell
Unser Sohn Aaron durfte einem Torfstecher bei der Arbeit zuschauen und das Schürfen auch selbst ausprobieren. Fotos: Jörg Schnell

Ich habe ein bisschen den Eindruck, ihr habt genug von langen Reiseberichten und möchtet vielleicht wieder einmal etwas über uns und unsere Kinder lesen. Nun, was hier kommt, ist eine Kombination aus beidem, Reise- und Familienbericht.

Anfang April, als in Osttirol Osterferien waren, hatten wir Besuch von unseren Freunden mit ihren beiden Söhnen. Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine beste Freundin die Mama von Aarons bestem Freund ist. Das mag auch der Grund dafür sein, dass wir gut eine Woche sehr entspannt zu acht in unserem kleinen Haus in Ardersier zusammengelebt haben. Leider war der Besuch viel zu schnell vorüber und unsere Freunde sind wieder abgereist. Anschließend hatten unsere Kinder weitere zwei Wochen Ferien. Diese haben wir als Gelegenheit genommen, einmal etwas weiter wegzufahren. Wir haben uns die Isle of Harris ausgesucht. Die Kinder waren schon recht aufgeregt, denn um überhaupt auf die Äußeren Hebriden zu gelangen, muss man schon eine ziemlich lange Fahrt mit der Fähre wagen. Wir sind also ganz früh losgefahren, auf die Isle of Skye, nach Uig.

Unterwegs haben wir das Skye Serpentarium besucht, denn die Kinder sind ganz fanatisch nach allen Reptilien. Zum ersten Mal konnten die Kinder den Erklärungen, die uns der freundliche Mitarbeiter gab, auch auf Englisch folgen. Aaron konnte sogar einige Fragen stellen, wir waren sehr beeindruckt. Überhaupt sind wir Erwachsenen überrascht, wie schnell sich die neue Sprache bei den Kindern „eingenistet“ hat. Beide erleben momentan etwas, das wohl selbstverständlich ist, wenn man eine neue Sprache richtig zu beherrschen anfängt, sie mischen englische und deutsche Wörter und können sich hinterher nicht mehr erinnern, ob sie Englisch oder Deutsch gesprochen haben. Das bedeutet nicht, dass sie ihre Muttersprache verlieren, sondern vielmehr, dass die neu erworbene Sprache an Substanz gewinnt und ähnlich stark wird. Diesen Prozess zu beobachten, empfinde ich als faszinierend. Auf einmal sprechen meine kleinen Jungs nicht mehr nur Dialekt, sondern da kommt richtiges, verständliches Englisch aus ihnen heraus. Einfach so. An mir selbst kann ich das leider nicht wirklich feststellen, ich meine eher, dass mein Englisch stagniert. Sehr schade, aber wichtig sind vorrangig die Kinder und die kommen sehr gut zurecht.

Jedenfalls sind wir mit der Fähre von Uig nach Tabert auf der Isle of Harris gefahren, das dauert fast zwei Stunden. Wir durften sogar auf die Schiffsbrücke und uns alle Geräte und Instrumente erklären lassen. Es war so spannend, dass wir leider vergaßen, Bilder zu machen. In Tabert angekommen, fuhren wir Richtung Leverburgh, dort hatten wir ein Bed & Breakfast gemietet. Nach wenigen Kilometern fiel mir auf, dass ich bisher noch nicht einen einzigen Baum gesehen hatte. Meine Männer bestätigten dies. Die Landschaft war wie eine einzige große Wüste aus Steinen, Moosen und Flechten. Sehr beeindruckend. Ein paar Kurven weiter stießen wir auf einen echten Torfstecher. Wir mussten unbedingt anhalten und uns dieses alte Handwerk erklären lassen, Aaron durfte es sogar selbst probieren. Es sah viel leichter aus, als es letztendlich war.

Die Isle of Harris ist bekannt für ihren Tweed, wichtigster Exportartikel der Insel. Das Rohmaterial kommt von den Inselschafen und darf laut einer Gesetzesverordnung aus dem Jahr 1909 nur aus schottischer Wolle gesponnen, gefärbt und hergestellt werden, und zwar hier, auf den Äußeren Hebriden, von den Inselbewohnern handgewoben in Heimarbeit, was immer noch ausschließlich so gehandhabt wird. Vergleichbar ist der Stoff gefühlsmäßig am ehesten mit unserem Loden. Früher sangen die Frauen beim Walken, um im Takt zu bleiben, gälische „Waulking Songs“, ich hab euch einen mitgeschickt. Ihr braucht nicht denken, dass wir auch nur ein Wort davon verstünden.

Wir waren schon zu diesem Zeitpunkt fasziniert von dieser rauen Insel, aber als wir an die wunderschönen, goldenen Sandstrände kamen, war es restlos um uns geschehen. Es waren wohl die schönsten Strände, die wir bisher gesehen hatten und die Kinder scheuten sich auch nicht, ihre Füße in die eiskalten Wellen des Atlantiks zu strecken. Es war geradezu kitschig, als die Kinder in den großen Wellen spielten, die Sonne zu versinken begann und die Strände so unwahrscheinlich schön waren. Da waren wir einfach nur glücklich. Geht es uns gut! – darin waren wir uns alle einig.

Auch die gebuchte Unterkunft passte perfekt, ein kleines, typisches Cottage, und zum Frühstück „Full Scottish Breakfast“ mit Haggis, Black Pudding, Eiern, Bohnen, Kartoffeln, Tomaten und Champignons. Danach braucht auch der wildeste Schotte den dreiviertel Tag nichts mehr.

Wir haben auf unserer Rundreise auch weiterhin keinerlei Baumbestand finden können, vereinzelt an den Cottages gab es zwar windschiefe, dürre Bäumchen, weiter aber nichts. Am Tag unserer Abreise besuchten wir noch die St. Clement Church an der südlichsten Spitze von Harris, gönnten uns ein Eis in einem Bus-Café und schon war unser Abenteuer auf den Äußeren Hebriden zu Ende. Viel zu schnell, wie überhaupt die Zeit hier verfliegt, wir haben schon mehr als die Hälfte unseres Aufenthalts in Schottland hinter uns und noch immer gibt es soviel zu entdecken, einiges wird wohl unentdeckt bleiben müssen. Es ist einfach viel zu schön hier, als dass man sich sattsehen würde.

Am Freitag sind wir in der Schule der Kinder zum Tee eingeladen und wir bekommen eine Einführung in das schottische Teeritual. Ich bin schon sehr gespannt und werde Euch ganz bestimmt nächstes Mal davon berichten!

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