Insidertipps für einen Trip nach Inverness

Seit Februar leben wir nun in der Hauptstadt der Highlands und fühlen uns bereits als „Locals“.

Die "Skyline" von Inverness (Fotos: Jörg Schnell)
Die „Skyline“ von Inverness (Fotos: Jörg Schnell)

Ende 2000 wurde Inverness von der Queen zur Stadt erhoben, als erste in Schottland nach mehr als 100 Jahren. Allerdings wird der Standort der Stadt schon bei den Pikten erstmals erwähnt. Die Meinungen darüber, wie viele Menschen wirklich in Inverness wohnen, klaffen ziemlich auseinander. Seit der letzten Volkszählung im Jahr 2006 wird die Einwohnerzahl offiziell mit ca. 46.000 angegeben. Aber in den Jahren seither kann man fast monatlich zusehen wie die Stadt wächst. Inzwischen gehen Schätzungen davon aus, dass mehr als 65.000 Menschen in Inverness wohnen. Ganz genau weiss man darüber deshalb nicht Bescheid, da es für die Stadt keine klaren Stadtgrenzen gibt.

Auch wenn man die Hauptstadt der Highlands unbedingt besuchen sollte, gibt Inverness ehrlich gesagt für Besichtigungen nicht viel her, es sei denn, man kennt den ein oder anderen Geheimtipp. Und einige solcher Tipps möchte ich euch in meinem Blog verraten.

Das Inverness Castle gibt es in seiner jetzigen Form seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Unweit der heutigen Burg regierte einst der berühmte Macbeth. Steht man direkt vor dem Schloss, muss man leider feststellen, dass man es nicht besichtigen kann, da es heute als Verwaltungszentrum und auch als Gerichtsgebäude dient. Vor dem Schloss trifft man allerdings auf eine Statue der hier hoch verehrten Flora McDonald, die „Bonnie Prince Charlie“ auf seiner Flucht vor den Engländern durch die feindlichen Linien schleuste. Sie zeigt direkt nach Loch Ness, so hat man auch gleich einen guten Orientierungshelfer. Vom Schloss aus blickt man direkt auf den River Ness, Teil des kaledonischen Kanals sowie einige sehr gut erhaltene Gebäude aus viktorianischer Zeit. Für Kinder interessant: An den Hängen des Schlosses leben Wildhasen-Familien, die man sehr gut beobachten kann!

Im Victorian Market lässt es sich wunderbar shoppen.
Im Victorian Market lässt es sich wunderbar shoppen.

Von Inverness Castle aus führt unser Weg direkt in die „Old Town“. Auch hier sind viele Gebäude aus viktorianischer Zeit sehr gut erhalten, es haben sich enge Gassen und breitere Innenhöfe gebildet, teils mit modernen Skulpturen. In der Church Street gibt es einen kleinen, versteckten Eingang zum Victorian Market, einem überdachten Markt mit mehr als 40 Shops auf kleiner Fläche – ähnlich einem Basar. Er entstand Ende des 19. Jahrhunderts und ist auf alle Fälle einen Besuch wert. In den letzten Jahren mussten leider einige Shops schließen, da die Stadt die Mieten enorm angehoben hat. Sehr schade, aber durchschlendern lohnt sich immer noch. Beim Eingang an der Church Street kann man gut die Kerben im Sandstein sehen, die von den Fischermessern stammen, aus einer Zeit als der Victorian Market noch ein Fischmarkt war.

Wenn man wieder auf die Churchstreet hinaustritt, sollte der nächste Weg unbedingt zu „Leakey’s Book Shop“ führen. In einer ehemaligen Kirche betreibt ein liebenswertes, älteres Ehepaar den größten Secondhand-Buchladen Schottlands und vermutlich den einzigen weltweit mit einem Holzofen, der täglich in Betrieb ist. Wir haben in Lienz auch einen tollen Buchflohmarkt, um den wir weitum beneidet werden, aber der in Inverness ist einfach nur fantastisch und ein ganz anderes Kaliber. Wir haben hier schon die ein oder andere Rarität entdeckt.

Nach dem Buchladen sollte man vielleicht wieder etwas Zeit in der frischen Luft verbringen und die Fußgängerbrücke über den River Ness betreten. Man hat einen schönen Blick auf das Schloss, wird aber recht schnell feststellen, dass die Brücke zwar sehr stabil aussieht, aber eigentlich wackelt wie eine Hängebrücke. Von hier aus kann man ganz gemütlich noch einmal den Blick über die schönen Gebäudefassaden schweifen lassen, in das torfig-dunkelbraune Wasser, das direkt aus dem Loch Ness herausfließt (River Ness), schauen oder einfach nur ein bisschen vom geschäftigen Treiben in der Stadt inhalieren. Wieder in der Old Town darf man sich auf keinen Fall den Besuch eines schottischen Friedhofs entgehen lassen. Ich bin keineswegs morbide, aber die alten Steine erzählen – jeder für sich – eine eigene Geschichte. Wir haben es uns zu einem kleinen Hobby gemacht, versteckte Friedhofsmythologie zu erkunden und suchen immer ganz aufgeregt nach Freimaurergräbern oder Pestgruben. Und ich kann euch verraten, beides gibt es hier in Inverness.

Die Grabsteine auf dem Friedhof  – jeder für sich – erzählen eine eigene Geschichte.
Die Grabsteine auf dem Friedhof – jeder für sich – erzählen eine eigene Geschichte.

Freilich bietet Inverness noch viel mehr, aber eine richtige Städtereise ist meines Erachtens nicht drin. Shoppen und Kaffeetrinken kann man allerdings hier sehr gut. Ich möchte euch ein Cafe empfehlen, das nicht nur wunderbare Torten und Snacks anbietet, sondern auch sehr guten Kakao und Kaffee. Es heißt So Coco und bietet auch spanische Churros mit den verschiedensten Schokoladen zum Dippen an. Einkaufen kann man gut im Eastgate Shoppingcenter. Hier findet man eigentlich alles, auch viele kleine Läden mit besonderen Angeboten.

Inverness hat ein gutes Kulturangebot und natürlich jede Menge hervorragender Pubs. Das vielleicht Beste ist das preisgekrönte Hootanannys  mit  Live Music – fast täglich – und sehr gutem Essen. Die schottische Teezeremonie unserer Kinder war übrigens keine wirkliche. Es war Teetrinken im Turnsaal, während alle Kinder verschiedene Musikstücke aufgeführt haben. Ich bin also, was das angeht, immer noch nicht schlauer, vielleicht wird’s noch!

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