Kinderdorf unterstützt minderjährige Flüchtlinge

Das SOS-Kinderdorf Nußdorf-Debant nahm drei Buben aus Syrien und Somalia auf.

Schüler bauten ein Boot, das ab 21. Juni in Innsbruck auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen soll. Fotos: SOS-Kinderdorf
Schüler bauten ein Boot, das ab 21. Juni in Innsbruck auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen soll. Fotos: SOS-Kinderdorf

Anlässlich des bevorstehenden Weltflüchtlingstages am 20. Juni richtet SOS-Kinderdorf einmal mehr einen Appell an die Politik, rasch Lösungen für die unbefriedigende Situation von mehr als 1.000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Österreich zu finden. „Es ist untragbar, dass junge Flüchtlinge, oft Kinder unter 14 Jahren, in Massenquartieren oder Erwachseneneinrichtungen untergebracht und ‚grundversorgt‘ werden“, sagt SOS-Kinderdorf-Pressesprecher Viktor Trager, der fortfährt: „Es kann nicht sein, dass schwer traumatisierte junge Flüchtlinge wegen ungeklärter Finanzierungs- und Zuständigkeitsfragen zwischen Bund und Ländern sowie mangelnder Kommunikation mit den Gemeinden auf der Strecke bleiben!“

Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention und der Österreichischen Verfassung hat jedes Kind, das nicht bei den Eltern aufwachsen kann – egal wo es geboren ist – das Recht auf Unterstützung, auf altersgerechte Betreuung, auf Bildung, kurz: das Recht auf’s Kind sein. Angesichts der prekären aktuellen Lage – und gewiss im Sinne von Gründer Hermann Gmeiner („Red’s nit, tuat’s was!“) wird SOS-Kinderdorf das Engagement für junge Flüchtlinge ausweiten. „Wir wollen österreichweit 100 neue Plätze schaffen und sind dazu in allen Bundesländern mit den Behörden im Gespräch“, sagt Viktor Trager und ergänzt: „Nicht irgendwelche Plätze, sondern die Richtigen!“

Im Jugendwohnen von SOS-Kinderdorf in Nußdorf-Debant wurde bereits gehandelt: Zwei Buben (12 und 14 Jahre) aus Syrien und ein 14-Jähriger aus Somalia haben hier ein neues Heim gefunden. In Imst ebenfalls, und weitere Orte folgen im Sommer.

Eine große Hürde bei der altersgerechten Betreuung junger Flüchtlinge liegt laut SOS-Kinderdorf in der Finanzierung. In der Regel gewährt die öffentliche Hand für ein Flüchtlingskind nur rund die Hälfte des im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe üblichen Tagsatzes. Eine Ungleichbehandlung, die SOS-Kinderdorf seit Jahren anprangert. Denn es gibt keine halben Kinder und Kinderrechte sind auch nicht teilbar. Für die Finanzierung von 100 neuen Betreuungsplätzen ist SOS-Kinderdorf daher auf zusätzliche Spendengelder angewiesen.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge brauchen „einen sicheren Hafen zum Ankommen und ein kindgerechtes Zuhause auf Zeit“, sagt man bei SOS. Als Symbol für dieses aktuelle Thema wird am Sonntag, 21. Juni 2015, in der Innsbrucker Maria Theresien Straße für zwei Wochen ein Holzboot aufgestellt. Schüler haben dazu hölzerne Schiffsplanken mit Botschaften gestaltet. Mit begleitenden Aktionen will man die Öffentlichkeit sensibilisieren und um Unterstützung bitten. Anschließend wird das Boot im Herbst auch durch andere Bundesländer touren.

Die Schüler schrieben solidarische Botschaften auf die Holzplanken des Bootes.
Die Schüler schrieben solidarische Botschaften auf die Holzplanken des Bootes.
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