Campingausflug zur Sonnenwende

Inzwischen wissen wir auch, wie wir mit Schottlands Mücken umgehen müssen.

Der erst am späten Abend stattfindende Sonnenuntergang bei Durness war spektakulär. Fotos: Jörg Schnell
Der erst am späten Abend stattfindende Sonnenuntergang bei Durness war spektakulär. Fotos: Jörg Schnell

Am vorletzten Wochenende unseres Abenteuers beschlossen wir, einen Camper zu mieten und noch einmal so richtig Outdoor zu sein. Vor allem, weil der 21. Juni näher rückte – der längste Tag im Jahr. Wir hatten vorher schon festgestellt, dass es nicht mehr so richtig finster werden will, und uns faszinierte der Gedanke, wie es derzeit wohl noch weiter nördlich am schottischen Festland aussieht. Gesagt – getan. Bei Highland Campervans kann man sich mieten, was man braucht. Eines kann ich euch versichern, die Camper sind wirklich gut ausgestattet und die Vermieter haben viel Erfahrung damit, was man so vergessen könnte auf einem Trip durch Schottland. Also keine Sorge, ihr seid versorgt.

Unsere Tour startete – wie immer von Ardersier aus – Richtung Gairloch. Über die North-Kessock-Bridge auf die A9 Richtung Dingwall. Bei erster Gelegenheit sind wir abgebogen auf die A835, durch wunderschöne Landschaften Richtung Loch Maree. Dieses recht unbekannte Loch ist, einem Bekannten zufolge, jener schottische Ort, wo es am meisten spukt. Wir sind tagsüber daran vorbeigefahren und konnten daher nur seine Schönheit bewundern. An einer Abzweigung kann man die – eher unspektakulären – Victoria Falls erwandern.

Wir Festland-Europäer, speziell in Osttirol, unterschätzen sie ja gerne: die Mücken – midges auf Englisch. Die in Schottland sind nahezu winzig und überhaupt nicht vergleichbar mit jenen, die wir aus Italien kennen. Sie sind viel kleiner, eher wie Fruchtfliegen, aber wenn sie stechen, juckt es wie bei den Großen! Also, ein Tipp von uns: Wenn man irgendwo stehen bleibt, nicht sofort aussteigen! Zuerst einmal eine Minute warten, wenn sich an den Scheiben eures Autos schon Midges sammeln, weiterfahren!!! Sie kommen nämlich insbesondere gerne an Lochs oder ruhigen Buchten in Massen vor. Es gibt hier sogar eigene Hüte mit Netzen, die die Einheimischen an gewissen Orten zur Grundausstattung zählen. Regnet es oder geht ein klein wenig der Wind, sinkt das Mückenaufkommen quasi gegen Null.

Das war einer unserer Lieblingsstrände auf dieser Reise.
Das war einer unserer Lieblingsstrände auf dieser Reise.

In Gairloch angekommen, haben uns schon die ersten Sandstrände begeistert. Es gibt im Ort einen recht guten Supermarkt, wo man sich noch Brennholz und „Spanlen“ fürs Lagerfeuer besorgen kann. An Gairloch fährt man allerdings letztlich vorbei und biegt auf die B8021 ab, bis man an dem unglaublich wunderbaren Campingplatz „Big Sands“ ankommt. Eine Übernachtung für vier Personen mit Campervan kostet hier 15 Pfund. Schnäppchen. Dafür steht man mitten in den Sanddünen und genießt all die Vorteile, die ein Campingplatz so bietet, angefangen vom Pub, Shop, Spielplatz, Gemeinschaftsraum, Duschen (sehr sauber!). Wir suchten uns einen Platz ganz in den Dünen, etwas windgeschützt und doch nahe am Meer und am Spielplatz. Kommt man nach 18 Uhr an, gilt das in Schottland übliche Vertrauensprinzip, denn die Rezeption ist geschlossen. Man kann bleiben und zahlt einfach am nächsten Morgen, ehe man weiterfährt.

Big Sands ist eine absolute Empfehlung von uns, wir haben bisher – egal wo – wenige, wenn nicht gar keinen, Campingplatz gesehen, der so gut war in allem, was sich Menschen mit Zelt oder Campingbus erhoffen. Wir haben übrigens an diesem Abend noch bis 23.30 Uhr gegrillt, weil es nicht mehr richtig dunkel wurde.

Das Campen übertraf all unsere Erwartungen, traumhafte Landschaft, genug Platz und Grillen fast bis Mitternacht.
Das Campen übertraf all unsere Erwartungen, traumhafte Landschaft, genug Platz und Grillen fast bis Mitternacht.

Am nächsten Tag sind wir zu einem Strand weitergefahren, der uns von den Einheimischen wärmstens empfohlen wurde, Sandwood Bay. Wir hatten gehört, es sei einer der zehn schönsten Strände weltweit. Naja, als wir ankamen, stellte sich heraus, dass wir vom Parkplatz aus sieben Meilen wandern hätten müssten, was unserer Rechnung nach etwa zwei Stunden entsprach. Wir wollten grillen und chillen. Das stand irgendwie nicht dafür, zumal das Wetter wechselhaft war. Wir entschlossen uns daher, weiter zu fahren bis nach Durness und dort zu übernachten. Wir wurden nicht enttäuscht und erlebten einen unvergesslichen Abend mit Sonnenuntergang. Wir haben übrigens wild gecampt wie noch viele andere, das wird hier nicht so eng gesehen, solange man nicht den Straßenverkehr behindert.

In Durness haben wir noch den Smoo Cave besichtigt, mit Bootsfahrt (4 Pfund für Erwachsene und 2 für Kinder – lohnt sich!) und sind dann weitergefahren, an der Küstenlinie vorbei an weiteren wunderschönen Stränden bis Hope und von dort abgebogen bis Altnaharra. Das war die wohl schrägste Single Track Road, die ich hier bisher gesehen habe, aber sehenswert, sie hat nicht einmal eine Nummer, die ich euch als Anhaltspunkt geben könnte. Hinterher braucht man allerdings einen Schnaps oder Whisky! Sehr eng, sehr beeindruckend, Gott sei Dank kein Gegenverkehr.

Von Altnaharra ging unsere Route bis nach Dornoch und dort auf den Campingplatz. Unser Plan lautete, am 21. Juni so lange aufzubleiben, bis es dunkel wird und am Morgen den Sonnenaufgang zu fotografieren, weil der Platz ostseitig liegt. Der Campingplatz ist okay, wenn auch auf keinen Fall so schön, wie der in Gairloch, auch nicht von den Serviceeinrichtungen. Leider aber können wir euch keine Fotos liefern, weil es uns derart eingeregnet hat, dass wir unser Foto von der längsten Nacht im Jahr nicht machen konnten. Sehr schade. Wir hoffen aber, dass euch einige andere Fotos von unserem Campingtrip gefallen.

Mit einem Boot kann man die Smoo Cave besichtigen. Durchaus empfehlenswert!
Mit einem Boot kann man die Smoo Cave besichtigen. Durchaus empfehlenswert!
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