Natura 2000: Wenn zwei sich streiten …

Erstellung des regionalen Förderprogramms wird von externen Consultern geleitet.

Seit bekannt ist, dass mit der Nominierung der Isel als Natura 2000 Gebiet ein regionalwirtschaftliches Förderprogramm in Millionenhöhe einhergeht, gibt es zwei Gruppen, die für sich die „Planungshoheit“ vor Ort beanspruchen. Zum einen wird der Matreier Bürgermeister Andreas Köll nicht müde, sich ins Zentrum der Geldverteilung zu rücken, flankiert von weiteren Bürgermeistern des Iseltales, allen voran Karl Poppeller, der als Vorstand der Felbertauern AG und der Osttirol Investment GmbH bei vielen Millionenprojekten an Kölls Seite mitmischt. Drehscheibe sollte der Verein „Naturpark Isel“ sein, den die Bürgermeister im vorigen Sommer gründeten und mittlerweile – nach einem Einspruch der BH-Lienz – in Verein „Naturraum Isel“ umbenannten.

Dieser Gruppierung steht die gesamte „Vordenker-Runde“ gegenüber, zu der sich auch prominente ÖVPler des Bezirkes zählen, wie die Abgeordneten Hermann Kuenz und Martin Mayerl oder Wirtschaftsbund-Obfrau Silke Steiner. Vor allem Kuenz betont, dass nur die Landesregierung über die Zusammensetzung jenes Gremiums bestimmen könne, das am Ende die förderfähigen und -würdigen Projekte auswählt.

Paradox ist an dieser Pattstellung, dass beide Gruppierungen die Bürgermeister, die Kammern, den Planungsverband und sämtliche Parteien an Bord haben wollen, also weitgehend identische Protagonisten. Bei genauerem Hinsehen geht es aber vor allem darum, ob Köll an der Spitze die Ansagen macht, oder Kuenz und es geht um die Einbindung der Vordenker – dominiert von Wirtschaftskammer, Regionsmanagement und Durst-Manager Richard Piock – die Köll & Co. kategorisch ausschließen.

Präzise, detailliert und in verständlichen Worten schilderte Günter Salchner, Geschäftsführer Regionalentwicklung Außerfern, wie am Lech durch Natura 2000 fast 100 Millionen Euro in die Wirtschaft gepumpt wurden.
Im Herbst 2014 schilderte Günter Salchner in Lienz, wie am Lech durch Natura 2000 fast 100 Millionen Euro in die Wirtschaft gepumpt wurden. Jetzt ist sein Know-how für Osttirol gefragt. Foto: Brunner Images

In der Regierungssitzung vom 7. Juli wurde dieses Hickhack dem Landeshauptmann offenbar zu bunt. Bereits vor einem Jahr verwies Günther Platter in einem Dolomitenstadt-Videointerview darauf, wen er für zuständig in Sachen Iselförderung hält (im Video ab Minute 11.45): „Das Geld verwalte ich und niemand anderer. So wie das auch im Lechtal der Fall ist.“ Jetzt will Platter offenbar auch die Verhandlungsführung aus Osttirol nach Nordtirol verlagern, offenbar um eine lähmende Streiterei zwischen Köll und Kuenz salomonisch zu vermeiden. Kurz und knapp hieß es in einem Statement nach der Regierungssitzung:

„Für das Regionalwirtschaftliche Programm ‚Natura 2000 Isel‘ wird die Begleitung der dafür erforderlichen Sitzungen und Abstimmungsgespräche samt der Erstellung der regionalen Teile des Programms an eine externe Firma vergeben.“ Auf Antrag von Günther Platter werden der Unternehmensberater Jochl Grießer, Ötz, sowie der Außerferner Regionalmanager Günter Salchner damit betraut. „Diese Experten besitzen allen voran einschlägige Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Regionalwirtschaftlichen Programm Lechtal, das eine Erfolgsgeschichte ist“, begründet der Landeshauptmann die Entscheidung: „Die Situation vor Ort in Osttirol ist ihnen ebenso bekannt, wie die Funktionsweise eines solchen Programms.“

Man könnte auch sagen: Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte, wobei vor allem Salchner bei den NGOs und Umweltschützern in Osttirol einen ausgezeichneten Ruf genießt und als jener Mann gilt, der am Lech alle Kräfte bündelte und zum Erfolg führte. DOLOMITENSTADT stellte ihn und seine Arbeit bereits ausführlich in einer Reportage im Wintermagazin 2014 vor. Lesen Sie hier die Reportage: „Wege am Fluss“.

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14 Postings bisher
fb vor 2 Jahren

@Leonhard: Soweit ich das sehe, geht es hier um Begleitung, Koordination, Abstimmung. Für mich heißt das nicht, dass die Osttiroler nicht eingeschlossen sind oder werden.

In der langdauernden, polarisierend geführten Diskussion über "Natura2000 Isel" sind die meisten in Frage kommenden Personen kaum mehr unparteiisch, wie Gerhard Pirkner ja treffend bemerkt..

Also lieber Argumente und Projekte ausbrüten statt über diese Entscheidung zu lamentieren.

Leonhard vor 2 Jahren

Das Geld wird von Innsbruck aus verteilt, ist mir klar. Die Entwicklung der Projekte muss aus der Region heraus geschehen, sagt Platter. Auch klar und wünschenswert. Dass aber eine Zllertaler Firma und der Lechtaler Regionalmanager das Programm begleiten, ist für mich nicht nachvollziehbar. Als ob es in Osttirol nicht genügend gute Leute gäbe, die hier mitarbeiten könnten. Aber mitarbeiten kann man hier wohl maximal ehrenamtlich. Die Honorarnoten stellen Consulting-Firmen von auswärts. Und die Spitzengehälter kassieren einige wenige bezahlte Politiker, die sich selbst in der gleichen Partei nicht vertragen. Aber solange alles Eigene schlecht gemacht und alles, was von auswärts kommt, glorifiziert wird, ändert sich wohl nix. Beispiel: http://www.matreierliste.at/2015/06/09/informationsfahrt-ins-lechtal/#more-2217

Isel921 vor 2 Jahren

Ob Platter das „von den Wienern“ auch so akzeptieren würde, wenn diese - z.B. Faymann, Klug, Heinisch-Hosek, Mitterlehner, Schelling oder Mikl-Leitner & Co - in Angelegenheiten das Land Tirol betreffend, nicht mit ihm als gewähltem Landeshauptmann reden würden, sondern mit anderen, nicht gewählten Strukturen oder Personen? Das würde er sich nie und nimmer gefallen lassen und wie ein Rohrspatz „gegen Wien“ loslegen und schimpfen, so schaugs aus und die Bevölkerung würde ihm dabei volle recht geben…….

Platter würde sofort auf den, demokratisch gewählten Bevölkerungs- und Organisationsvertretern während der Dauer ihres Amtes gebührenden Respekt pochen und „den Wienern“ eins pfeifen... Da wäre „null Toleranz und null Spielraum“ für „Vordenker, Nachdenker“ oder gar „Nichttiroler“:

Mitdenken und gute Vorschläge einbringen, das ist die eine Seite, das sollte jede und jeder dürfen, auch von außerhalb der Iselregion und außerhalb unseres Bezirkes. Aber in Beratungs-und Entscheidungsgremien für das Sonderprogramm ala Lechttal mitreden? Osttirol hat vom Tiroler Landtag als höchstem Souverän exakt dieselbe Vorgangsweise eingeräumt bekommen, wie im Lechtal: Das wird eingefordert werden und auch Platter wird als Demokrat seine dafür gewählten und gesetzlich zuständigen Gegenüber in Osttirol akzeptieren müssen!

Alles andere wäre in höchstem Maße politisch unklug und kontraproduktiv, das gilt vor allem für die immer weniger werdenden Schulterklopfer und Claqueure in Osttirol, die Platter eh nie gewählt haben und ihn auch zukünftig nie wählen werden……..

fb vor 2 Jahren

@Erli: so verrückt ist das ja nicht, weil zu der Anfangsidee und Abwicklung des ersten Förderungsprogramms kommen ja Erfahrungen dazu, die unsere Osttiroler Helden (leider muss man das so formulieren) nicht haben oder in Ihren Denkprozeß einfließen lassen, weil Partei- und andere Verstrickungen vorhanden sind

@ ichfragemich: Süß, wie Frau Steiner zu der Ehre kommt, weiß ich nicht, aber - am besten alle drei Genannten zusammmen und Andreas Köll als Aussitzrat, .-)

Unsere betroffenen Osttiroler Damen und Herren, Institutionen sollten ja bei Abstimmungsgesprächen Möglichkeit finden, sich zu äussern.

Erli vor 2 Jahren

Das erste, von der Tiroler Landesregierung überhaupt verordnete Entwicklungsprogramm als Ausgleich für den Nationalpark Hohe Tauern fand in der Iselregion statt: Es wurden damals im besten Einvernehmen mit den gewählten Vertretern aus Landwirtschaft, Tourismus, Wirtschaft und Politik erarbeitet und trägt noch heute Früchte, ebenso wie das Nachfolgeprogramm für Natura 2000 im Nationalpark. Damals waren aber noch andere Menschen mit Handschlagqualität am Werk! Diese beiden Osttiroler Entwicklungsprogramme waren dann Vorbild für den Naturpark Tiroler Lech, obwohl man dort ausdrücklich keinen Nationalpark haben wollte! Dieses Osttiroler know-how soll jetzt offenbar wieder vom Außerfern nach Osttirol zurück transferiert werden, einfach verrückt…

Stein vor 2 Jahren

Eine Zwangsbeglückung aus Nordtirol folgt der nächsten Zwangsbeglückung: Manche Nordtiroler werden die Osttiroler Seele wohl nie verstehen… An den Ergebnissen der TVB-Fusionsstudie von Jochl Grießer aus dem Jahre 2007 kaut der Bezirk noch heute und leiden manche Regionen noch immer unter nicht gelösten Problemen des alten Fusionsvertrages, siehe nur Schwimmbad Virgen! Das kann ja heiter werden…

senf vor 2 Jahren

@ ich frage mich: wenn nun die isel tatsächlich als natura 2000-gebiet durch die EU nominiert wird, dann wird man wohl nicht umhin kommen, ein entsprehendes management zu installieren. allerdings von offizieller stelle und nicht über einen verein nach den wunschvorstellungen bestimmter bürgermeister, denn die eingebrachte isel ist immer noch öffentliches gut, also staatsbesitz und die förderungen für die begleitmaßnahmen kommen ja zum überwiegenden teil aus der öffentlichen hand. . dieses mamagement braucht ziele und spielregeln. lokalen akteuren sind einzubeziehen, aber ohne mehrheiten, denn entscheidungen für eine langfristige entwicklung, projekte und der mitteleinsatz generell sind übergeordnet zu treffen und nicht nach politischer willkür auf gemeindeebene! das hat im bezirk lienz noch nie funktioniert. . der kolportierte "iselverein" darf oder soll dann - wie jeder andere staatsbürger - ebenfalls aktiv werden und förderkonforme, also zweckentsprechnde projekte umsetzen. falls er überhaupt welche hat oder aus den stauden zaubert! . ps: um geld für komunen zu lukrieren, sollten diese sich endlich talschaftsverträge mit privatkraftwerkbetreibern überlegen - so nach muster der tiwagverträge (zillertlal, kaunertal, pustertal ...). wär das was?

Iselschreck vor 2 Jahren

Ich hoffe nur LH Günther Platter hat hier die richtige Entscheidung getroffen. Die altgedienten Bürgermeister sind nähmlich nicht mehr in der Lage ihre Politik auf die neuen ,modernen Entwicklungen abzustimmen. Die grosse Gefahr besteht darin , dass destruktiv alles was irgendwie mit Naturschutz zu tun hat ,aus Prinzip verhindert wird. Man mag vom "Vordenker Prozess " halten was man will, es war aber erstmals der ehrliche Versuch , Bürger an Entscheidungsprozessen zu beteiligen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Innovation , Entwicklung und Produktion im Bereich Umwelttechnologie wäre prädestiniert für unsere Region. Viele Betriebe haben das schon erkannt und arbeiten erfolgreich in dieser Branche. Daneben spielt die intakte Natur eine ganz wesentliche Rolle für den Tourismus ,hier liegt das Geld wirklich auf den Wanderwegen. Wir haben ein riesiges ungenütztes Potential um auch in Zukunft wirtschaftlich konkurrenzfähig zu sein und damit auch Perspektiven für unsere Jugend zu haben. Man muss nur die Augen öffnen und man darf sie nicht vor der Realität verschliessen. Eines steht jedenfalls fest. Dr. Köll hat schon einmal ein Nationalparkförderprogramm sinnlos in den Sand gesetzt und das Image des Nationalparks auf Jahrzehnte beschädigt. Nocheinmal darf man ihm diese Chance nicht geben.

MelissaM vor 2 Jahren

Platter hat die einzig richtige Entscheidung getroffen. Nur so kann man (hoffentlich) strukturiert und ruhig auf ein gutes Eregebnis hinsteuern, ohne dass Köll jede einzelne Sitzung als Bühne für seinen Wahlkampf und zur Spendensammlung für die Gemeindekasse missbraucht. Es können ja alle mitmachen, aber eben mit einem externen Moderatorenteam. Das gibt´s auch bei Unternehmen immer wieder.

Cato vor 2 Jahren

@ich frage mich: nicht nur die Iseltaler Bgms. wurden gewählt (außer Ruggenthaler. Da wollte es einfach kein anderer machen), sondern auch die "bösen Nordtiroler Politiker".

Und NEIN: Das Iseltal und Osttirol haben NIE Förderungen erhalten. Niemals nie. Naja, vielleicht doch, immerhin wurde bei jeder Wahlbroschüre aufgezählt, welche Unsummen King K. & Co lukrieren konnte.

Aber seien wir ehrlich: es war aber doch immer soooo wenig.

Nein, es stimmt schon: die Bürgermeister der so finanziell rosig gebetteten Iseltaler Gemeinden haben durchwegs bewiesen, dass sie - und nur sie - als einzige Allwissend sind. Burschen: Danke dafür! Danke, dass es euch gibt :-) (Ironie Aus)

c 716 vor 2 Jahren

Die Entscheidung kann interessante neue Ansätze bringen. Nur werden einige "Dauerfunktionäre" die seit tlw. Jahrzehnten am Zug sind beleidigt spielen und das keine leichte Aufgabe werdne. Aber nachdem sie ja Jahrzehnte die Chance hatten, können nun ja vielleicht andere etwas einleiten unter Einbindung der Bevölkerung. Sollte ein ähnlich positiver Impuls wie im Lechtal ausgelöst werden, dann solls uns in Osttirol freuen.

blubla vor 2 Jahren

@ich frage mich

ich finde eine sehr gute Entscheidung, dass alles von einem Außenstehenden mit viel Erfahrung gemacht wird! In Matrei würden die Förderungen sowieso nur Budgetlöcher stopfen und dies ist sicherlich nicht der Zweck solcher Förderungen! und wie schon im Artikel steht, wäre der Kleinkrieg in Osttirol schon vorprogrammiert, ... also wird dies bewusst umgangen! In Nordtirol hat man begriffen, welche Leute man ans Steuer lassen darf und welche offensichtlich nicht... sollten die Bürger in Matrei vielleicht auch endlich mal begreifen!

Ich frage mich.... vor 2 Jahren

Sensibilität ohne Grenzen: Die Nordtiroler Landesregierung zeichnet sich wieder einmal durch besondere Sensibilität gegenüber der Bevölkerung und den von dieser gewählten Vertretern der unmittelbar betroffenen Iselregion aus, eine „Sensibilität ohne Grenzen“ sozusagen. Nicht Hermann Kuenz aus Dölsach, Silke Steiner aus Amlach oder Richard Piock aus Südtirol sollen dieses Programm für das Iseltal ausarbeiten, sondern ein Ötztaler Unternehmensberater (ehemaliger Bürgermeister) und ein „Außerferner“ Regionalmanager. Schon gar nicht eingebunden werden sollen offensichtlich die Bürgermeister der von Natura 2000 betroffenen Gemeinden Prägraten am Großvenediger, Virgen, Matrei in Osttirol, St. Johann im Walde, Ainet, Schlaiten und Oberlienz (Isel), sowie Kals am Großglockner (Kalserbach) und St. Jakob in Defereggen (Schwarzach)? Offenbar nicht eingebunden werden sollen auch die beiden Planungsverbände 34 und 35? Nachdem beim Verein „Naturraum Isel“ auch eine Mitgliedschaft von Martin Mayerl (Landwirtschaftskammer) und Mag. Reinhard Lobenwein (Wirtschaftskammer) ebenso avisiert wurde, wie eine Einbindung von Mag. Wilfried Kollreider (Arbeiterkammer), des Tourismusverbandes Osttirol, des Regionsmanagements Osttirol, des WWF, des Baubezirksamtes Lienz (Flussbau), usw., usw., ist hier wohl klar ersichtlich, dass man den Osttirolern – im krassen Unterschied zur eingeschlagenen Vorgangsweise im Lechtal – überhaupt nichts zutraut.

Diese Vorgangsweise widerspricht auch klar der einstimmigen Landtagsentschließung vom 03.10.2014, die entsprechende Vorgaben an die Landesregierung gemacht hat (so z.B. Einbindung auch aller anderen politischen Parteien, also nicht nur von ÖVP oder Grünen). Die Iseltaler Bevölkerung wird diese Vorgangsweise sicherlich bei den nächsten Gelegenheiten entsprechend sensibel zu würdigen wissen…

skeptiker vor 2 Jahren

Hätte nie geglaubt dass ich einmal einer Meinung mit Hr. Platter bin. Volle Zustimmung zu dieser Entscheidung. Nur so kann dieses "Lokalkaisertum" zumindest etwas in die Schranken gewiesen werden.

Mein Mitgefühl gilt den Beauftragten - ob die wissen auf was sie sich da eingelassen haben? Mit vermutlich beleidigten Politikern ala Koell, Kuenz usw. Projekte umzusetzen wird eine Herausforderung werden ... (nur als Beispiel das Projekt Hochstoan bei Seblas)