Kritische Anmerkungen zum Straßentheater OLALA

Offensichtlich können manche zwischen Theater und Realität nicht unterscheiden.

Zu diesem euphorisch gefeierten Straßentheaterspektakel eine kritische Anmerkung:

Szene: Stau in der Muchargasse Richtung Johannesplatz. Geduldig wartend, erreicht man schließlich den Johannesplatz und befindet sich letzten Endes ungewollt eingekreist in einer Menschenmenge, die von einem Clown beherrscht wird.

Hampelnd den Weg versperrend, schickt er sich irgendwann an, linkisch einen Verkehrspolizisten unter dem Gelächter der Menge zu imitieren. Schließlich gibt er den Weg gestikulierend frei. Fährt man dann vorsichtig los, plumpst er, einen Verkehrsunfall simulierend, auf das Auto und bleibt eine Weile „verletzt“ vor dem Auto auf der Straße liegen. Irgendwann springt er auf und wendet sich erbost an den Fahrer. Vermeint man, er würde einen nun fahren lassen, springt er wieder vor das anfahrende Auto und setzt sich auf die Kühlerhaube. Es folgt Provokation auf Provokation, begleitet vom schallenden Gelächter der Kinder.

Wiederholt springt er vor das anfahrende Auto und man muss effektiv aufpassen, dass man ihn nicht doch noch anfährt. Irgendwann gibt er den Weg endlich frei und das Publikum macht, in Erwartung des nächsten Opfers, bereitwillig und diszipliniert Platz. Eine exzellente Verkehrserziehung für Kinder. Wenn man bedenkt, dass Undiszipliniertheiten, manchmal auch in Verbindung mit Provokationen, im Straßenverkehr allgegenwärtig sind, eine naive Anschauung, das Ganze lustig zu finden.

Szenenwechsel. Auch in diesen Tagen geschehen: Ein spielender Bub setzt sich nieder, zieht zum Zurechtrücken des Sockens einen Schuh aus. Sein Spielkamerad packt den Schuh und schleudert ihn weg. Er wird ersucht, den Schuh zurückzubringen. Nachdem dies den Angesprochenen nicht kümmert, steht er selbst auf, um den Schuh zu holen. Sein Kontrahent ist jedoch schneller, packt den Schuh und schleudert ihn noch weiter weg. Dies wiederholt er noch einige Male. Eine Anleitung dazu gab es, wie zu lesen war, auch beim Straßentheater (siehe „Der grüne Rattenfänger von Lienz“).

Nahtlos reiht sich in dieses fröhliche Treiben das Anzünden eines Papiercontainers im Schutz der Dunkelheit ein (siehe Bericht vom 3.6.). Ist ja auch lustig, meterhohe Flammen zu sehen. Offensichtlich können auch Erwachsene zwischen Theater und Realität nicht unterscheiden.

Nikolaus Ladinig

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8 Postings bisher
Klaus_Ladinig vor 2 Jahren

Zu dem Begriff unverschämt: Mein Hinweis bezieht sich auf Folgeerscheinungen und ist ausschließlich als solcher gedacht. Das war von vornherein klar, denn die Brandstiftung fand außerhalb der Veranstaltung statt und konnte daher nicht Gegenstand derselben gewesen sein.

Meine Kritik bezieht sich auf die beiden von mir geschilderten Fälle. Ich bin überzeugt, dass die Verniedlichung von Straftaten in manchen Köpfen die Bereitschaft erhöht, die sogenannte „Hemmschwelle“ zu solchem Handeln zu überspringen. Die in Lienz jährlich begangenen Vandalenakte – einige werden ja nicht publik – sprechen in ihrer Vielzahl und Art eine deutliche Sprache.

Ich halte nichts davon, wenn andere bestimmen, was ich oder du unter Humor zu verstehen haben und man verhalten wird, an einem Tun wider Willen teilzunehmen.

Der Sinn kluger Sprüche, die oft Zeit bezogen sind, ist nicht immer klar erkennbar. Ich bevorzuge klare Aussagen. Hinweis: Die klügste Henne holt am Ende doch der Fuchs (Carl Orff: Die Kluge). Kam in diesem Stück jedoch anders.

In diesem Sinne Ladinig Nikolaus

fb vor 2 Jahren

@ Lichtenberg: weitere Aphorismen - naja!

Bedenkzeit sind die Tage, die man verstreichen läßt, bevor man bei seiner Meinung bleibt.

Feuilleton ist das, worin man in sechs Zeitungsspalten sagt, was man mit einem einzigen Satz für sich behalten sollte.

Es gibt Frauen, die nichts anderes sein wollen als Augenweiden. Sie ziehen die meisten Ochsen an.

Den Himmel stelle ich mir schrecklich langweilig vor. Gar keine Bekannten!

Die Liebe ist eine Krankheit, die nur durch die Ehe kuriert werden kann.

Die Frauen von heute erröten nur mehr an den Haaren.

kaheisport vor 2 Jahren

Kultur ist die Widerstandsbewegung gegen die Tyrannei der Zivilisation.

© Wilhelm Lichtenberg

bergfex vor 2 Jahren

@kaheisport: Humor ist, wenn ein Fremder auf dein Auto springt, du aber weiterfahren WILLST / MUSST ?????

Kinder pausen sich aber viel (eigentlich alles) von den Erwachsenen ab und wiederholen es irgendwann. Dann wundert es einen, wenn sie Realität mit Aktion vermischen und sich denken: der hat das auch gemacht. Ich denke "Unterhaltung" hat auch seine Grenzen. Mir wurde auch vor Jahren von solchen Clowns die Geldtasche aus der Hose "geklaut" um dann 20 € heraus zu nehmen und an irgendwelchem Fremden zu "verschenken" und die Geldtasche einem anderen zu geben. Da hört für mich der Spass auf und ich meide seitdem Olala. Ich gehe in der grölenden Menge aber sicher nicht ab, auch meine Familie nicht. Danke Herr Mutschlechner , aber vielleicht kann man sich überlegen, was man den Menschen wirklich zumuten kann . Ansonsten stimme ich Herrn Ladinig voll bei.

chiller336 vor 2 Jahren

ganz meine meinung fb .... wäre interessant zu wissen, wie die kommentarschreiber da drunter reagieren würden, wenn ein olala clown sich - wenn auch spaßeshalber - auf die motorhaube ihrer fahrzeuge wirft. wer haftet im schadensfall wirklich? ohlala?

fb vor 2 Jahren

Zustimmung zu Kaheisport - diese Verbindung ist unfair.

aber - man versetze sich mal in einen Zusteller, der sich langsam vom Kloster runter kämpft, dem dann der Laderaum geöffnet wird und ,man ein Paket rausnimmt, welches von einem Helfer wieder nachgetragen werden muß - na ja, ich wäre da nicht so gut drauf.

skeptiker vor 2 Jahren

@kaheisport ... volle Zustimmung

Beispiele ohne jeglichen Zusammenhang nenne ich das. Ein brenender Container oder "Hänselei" unter Kindern hat mit einem Straßenclown genau nix zu tun. Wenn man diesen Humor nicht mag - OK - aber diese Verbindung hat sich sowohl OLALA mit seinen freiwilligen Helfern als auch das Publikum nicht verdient. Wie kaheisport schon richtig schrieb, gibt es seilten eine Veranstaltung mit so wenigen negativen Begleiterscheinungen wie OLALA.

Nur so nebenbei, Kinder haben sich schon immer "gepflanzt", unbhängig von einem Festival, Handy, Fernsehen usw. - hat wahrscheinlich jeder in seiner Kindheit mal erlebt. Und gestörte Chaoten mit Zerstörungswut gab es auch immer wieder, und wird es auch immer wieder gegeben (da sind die Gründe woanders zu suchen)

kaheisport vor 2 Jahren

Den Brandanschlag auf einen Papiercontainer mit OLALA in Verbindung zu bringen, erachte ich für unverschämt. Der "negative Erzeihnungeffekt" des Strassentheaters scheint sich in Grenzen zu halten. Im Gegensatz zu anderen Großveranstaltungen im Bezirk verschont uns OLALA vor Alkoholexzessen, Sachbeschädigungen und körperlichen Übergriffen. Humor ist offensichtlich nicht jedermanns Sache...