„Ich übertreibe natürlich gerne.“

Ein Gespräch mit dem Poetry-Slammer Stefan Abermann, der demnächst in Lienz auftritt.

Am 18. September findet ab 20:00 Uhr der dritte Library-Slam in der Stadtbücherei Lienz statt. Der Autor und Profi-Slammer Stefan Abermann wird anwesend sein und vor dem Slam einen Schreib-Workshop geben.

Stefan Abermann lebt seit einem Jahr als freier Autor. Foto: robertmaybach.com
Stefan Abermann lebt seit einem Jahr als freier Autor. Foto: robertmaybach.com

Soweit ich weiß, hast du Lienzer Wurzeln, oder?

Mein Vater kommt aus Lienz und führt das Damenmodengeschäft in der Rosengasse, in dem mein Großvater bis kurz vor seinem Tod aktiv war. Es ist immer sehr lustig, wenn man irgendwo auf Lienzer trifft: Die kennen zwar nicht mich, aber Damenmoden Abermann.

Warst du als Kind öfter in Lienz?

Wir waren zumindest zu den Geburtstagen der Großeltern jedes Jahr hier, aber auch dazwischen immer wieder. Man muss also sagen: Einige prägende Kindheitserinnerungen spielen in einem Garten in der Alleestraße.

Letztes Jahr hast du einige Poetry Slams in Bibliotheken gemacht. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Sehr vielfältige. Es war eine Rundfahrt durch die Bibliothekslandschaft. Jede Bibliothek ist anders, jede hat eine andere Funktion und Situation innerhalb der jeweiligen Stadt. Manche kämpfen um Leser, andere sind richtiggehend soziale Zentren. Die Resonanz auf die Slams aber war durchwegs sehr positiv. Die Leute hatten einfach Spaß.

Findest du es gut, dass dieses Format der Literaturvermittlung so in die Breite getragen wird, oder wäre es schöner, sich weiterhin in einem kleinen, eingeweihten Kreis zu bewegen?

Man muss mit beiden Extremen vorsichtig sein. Masse mindert manchmal die Qualität und verführt zu Gefälligkeit. Eingeweihte Kreise neigen zu Überheblichkeit. Natürlich geht die Rotzigkeit des Undergrounds ein bisschen verloren, je mehr Leute sich für Slam begeistern. Gleichzeitig ist es großartig, dass so viele Künstler aus dieser Szene mittlerweile wahr- und ernstgenommen werden.

Ist der Poetry Slam vor allem etwas für das jüngere Publikum?

Sicher sind es oft Studenten, die zu solchen Veranstaltungen gehen. Das Publikum ist dennoch sehr durchmischt. Es ist ja auch meist etwas für alle dabei.

Stefan Abermann hat die Erfahrung gemacht, dass es egal ist, wo er slammt, "die Leute haben einfach Spaß". Foto: Thomas Steinlechner.
Stefan Abermann hat die Erfahrung gemacht, dass es egal ist, wo er slammt, „die Leute haben einfach Spaß“. Foto: Thomas Steinlechner.

Du bist seit etwa einem Jahr hauptberuflich Autor. Lebst du deinen Traum?

Ich kämpfe um meinen Traum. Schauen wir mal, wie lange ich noch schlafen kann.

Sind deine Texte oft persönlich geprägt? Gibt es wirklich diese Erfahrungen, die du im Buch beschreibst?

Ich übertreibe natürlich gerne. Aber viele meiner Texte gehen schon auf Alltagsbeobachtungen zurück.

Machen wir ein wenig Werbung: Warum sollten ganz viele Menschen dein Buch „Schatzkästlein des reinlichen Hausfreundes“ kaufen? Besonders dann, wenn du in LIenz bist.

Weil ihr Leben dadurch ungemein schöner und lebenswerter wird! Aber natürlich auch, weil man quasi nebenbei den Slam in der wunderbaren Stadtbücherei Lienz genießen kann.

Gibst du uns abschließend ein paar Tipps, um bei einem Poetry Slam zu bestehen?

Spaß haben! Dann klappt vieles wie von selbst. Oder man holt sich direkt beim Workshop davor noch ein paar Tipps. Da soll ein recht erfahrener Workshopleiter vor Ort sein, habe ich gehört …

Der erwähnte Workshop mit Stefan Abermann findet am Freitag, 18. September, um 17:00 Uhr in der Stadtbücherei Lienz statt. Es wird zudem ein Überraschungsgast erwartet, und nein, es ist nicht Markus Wurzer, der nach seinem Sieg in Lienz im Februar 2015 auch schon einen Slam in Graz gewinnen konnte …

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