SP-Gemeinderätin Kerstein attackiert Schatz und Blanik

Frauenfeindliche Listenerstellung und Postenschacher?

Anita Kerstein befürchtet den "kulturellen Kahlschlag" in Osttirol.
Noch-Gemeinderätin Anita Kerstein erhebt schwere Vorwürfe gegen den SP-Stadtparteivorsitzenden Schatz und Bürgermeisterin Blanik.

Anita Kerstein, noch Gemeinderatsmitglied der SPÖ, attackiert in einer Presseaussendung, die am 23. November spätabends verschickt wurde, sowohl den SPÖ-Stadtparteivorsitzenden Siegfried Schatz als auch Bürgermeisterin Elisabeth Blanik scharf. Kerstein ist auch Bezirksfrauenreferentin der Partei. Als solche könne sie den „frauenfeindlichen und diktatorischen Führungsstil“ von Schatz nicht länger hinnehmen. Sie stehe nach zwölf Jahren Funktionärstätigkeit für weitere Perioden nicht mehr zur Verfügung, erklärt Kerstein und fordert den Rücktritt von Schatz. Der wolle nämlich bei der Erstellung der SPÖ-Gemeinderatsliste gänzlich auf eine Frauenquote verzichten, wer sich dagegen stemme, habe mit Anfeindungen zu rechnen.

Neben Schatz kommt in Kersteins Abrechnung auch Bürgermeisterin Blanik schlecht weg. Sie habe in Sachen Frauenquote zwei Gesichter: „Obwohl sie in der Öffentlichkeit für Frauenquote und Reißverschlusssystem eintritt, schaut es intern anders aus. Anscheinend hat sie schon vergessen, dass genau diese Frauenquotenregelung ihren Start in den Tiroler Landtag ermöglicht hat. Blanik nimmt die frauenfeindliche Politik von Unteroffizier Schatz nicht nur hin, sondern auch noch in Schutz.“

Doch damit nicht genug. Kerstein unterstellt sowohl Schatz als auch Blanik Postenschacher bei der Besetzung von Stellen der Stadtgemeinde Lienz. Dort werde nicht ausnahmslos jede Stelle ausgeschrieben, obwohl dies 2006 unter Bürgermeister Hibler einstimmig beschlossen worden wäre.

Für SPÖ-Gemeinderat Sigi Schatz waren die Forderungen der Alpgenossenschaft Zettersfeld eine "Unverschämtheit". Foto: Martin Lugger
Siegfried Schatz verteidigt die Vorreihung von Männern auf der SP-Gemeinderatsliste und den Wegfall des Reißverschlussprinzips: „Für mich geht Qualität vor Quantität.“ Foto: Martin Lugger

Siegfried Schatz und Elisabeth Blanik sehen in einer ersten Reaktion vor allem Enttäuschung als Grund für Kersteins Attacke. Am Donnerstag tagt die SPÖ-Mitgliederversammlung. Dort wird die Liste für die Gemeinderatswahl vorgelegt werden. „Diese Liste ist im Gremium der Stadtpartei einstimmig, bei einer Enthaltung, beschlossen worden“, erklärt Schatz, „aber erst wenn die Mitgliederversammlung zustimmt, steht die Liste.“ Kerstein wird nicht mehr auf dieser Liste stehen, also mit Sicherheit ihr Gemeinderatsmandat verlieren, das bestätigt auch Bürgermeisterin Blanik, die ebenso wie Schatz darauf hinweist, dass die Frauenquote von 40 Prozent eingehalten werde, wenngleich nicht im Reißverschlusssystem.

Derzeit hält die SPÖ-Lienz bei sieben Gemeinderatssitzen. Auf den ersten sieben Listenplätzen werden vier Männer und drei Frauen stehen, unter die ersten zehn reiht die SPÖ allem Anschein nach fünf Frauen. Allerdings folgen auf Blanik, die Platz 1 einnimmt, vermutlich drei Männer, nämlich Schatz, Siegfried Lackner und – was noch nicht ganz sicher scheint – Andreas Hofer. Hofer gilt als Vertrauter von Anita Kerstein. Würde die SPÖ also Mandate verlieren, könnte auch die Quote kippen. Hier meint Schatz: „Grundsätzlich ist klar, dass wir 1:1 nicht halten, weil wir die Frauen derzeit nicht haben. Es muss die Qualität vor der Quantität stehen. Wir brauchen Leistungsträger.“

Bürgermeisterin Elisabeth Blanik begrüßt die Runde als Gastgeberin des SPÖ-Treffens.
Bürgermeisterin Elisabeth Blanik sieht in Anita Kersteins Attacke vor allem einen „verständlichen Ausdruck von Enttäuschung“. Foto: Expa/Groder

Sowohl Schatz als auch Blanik deuten in ihrer Replik auf die Vorwürfe von Kerstein an, dass die Mandatarin auch deshalb verbittert sei, weil ihr langjähriger Wunsch nach einer Anstellung bei der Stadtgemeinde Lienz nicht erfüllt wurde. Blanik: „Ich habe immer ausgeschlossen, dass SPÖ-GemeinderätInnen eine Anstellung bei der Stadt bekommen. Das gilt auch für Anita.“ Kerstein sei seit langem arbeitslos gemeldet, die Enttäuschung sei also verständlich, ändere aber nichts an ihrer Grundhaltung, erklärt Blanik. Auch der Vorwurf, es werde nicht ausgeschrieben, gehe ins Leere: „Wir schreiben alle Posten aus, sogar Praktikanten. Aber bei einer Ausschreibung für einen Sekretariatsposten bewerben sich natürlich sehr viele KandidatInnen und aus diesem Pool kann es dann zu Nachbesetzungen kommen.“

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4 Postings bisher
MrBurns vor 2 Jahren

Ich frage mich wie groß die Probleme in der SPÖ wirklich sind, wenn sich eine Gemeinderätin mit solchen Aussagen an die Öffentlichkeit traut? Kann diese Geschichte nur die Spitze des Eisberges sein??

Hoffentlich schaut sich jemand die Sache mit der Postenvergabe an - wäre spannend hier eine Antwort zu bekommen die nicht nur von den beiden Beschuldigten kommt!!!

Blanik ist ja gewählt worden weil sie alles transparent und anders und besser machen wollte - ich habe langsam den Eindruck dass die Dame an ihren eigenen Ansprüchen grandios gescheitert ist und gar nichts besser geworden ist.

neugierig. vor 2 Jahren

Scheint ein wenig dem oberösterreichischem Landtag zu ähneln, wenn man auf eine gerechte Frauenquote pfeift. Bünde sind da wichtiger gewesen, was ist in Lienz das Wichtigere? Bei den Schwarzen ist das eh klar, da gibts fast nur Männer, aber bei den Roten? Und was machen LSL und der einsame Herr Blasisker in dieser Sache? Werden spannende Wahlen werden, mal schauen, ob Fr. Blanik danach überhaupt noch Bürgermeisterin ist und wenn nicht, ob sie sich dann nicht aus dem Gemeinderat zurück zieht. Sie ist ja gut versorgt, mit ihrem Landtagssitz, braucht sich also keine finanziellen Sorgen machen.

Und was den nicht vorhandenen Postenschacher bei der Stadt Lienz betrifft...nun ja, es wundert mich hin und wieder schon, wen man bei verschiedensten Projekten als Architekten heran zieht oder wer wieder mal eine Stelle bei der Stadtgemeinde bekommen hat. Sind das wirklich die Besten, oder gibt es da doch persönliche und politische Verbindungen? In der Bevölkerung geistert eher die zweite Variante herum, wo kommt diese Annahme nur her?

Instinktivist vor 2 Jahren

Nachdem Frau Kerstein jetzt ja nicht mehrim Gemeinderat ist könnte sie ja jetzt für die Stadtgemeinde arbeiten... Nein jetzt mal im Ernst. Wofür gibt es eine Frauenquote wenn man sich nicht daran halten muss?

Hot doc vor 2 Jahren

Meint Frau Kerstein beim "Postenschacher bei der Besetzung von Stellen der Stadtgemeinde Lienz" vielleicht die Juristen, wo die Gemeinde nun eine Vielzahl hat und trotzdem mußten wir Herrn Brunner 100.000,00 Euro bezahlen und niemand sagt die Wahrheit warum genau wir dies zahlen mußten.