Politiker verteidigen Gym – Lehrer schreiben Resolution

Der Sturm der Entrüstung über angebliche Gesamtschulpläne ebbt nicht ab.

Stephan Tagger und Meinhard Pargger sprechen sich für den Erhalt der Unterstufe des BG/BRRG-Lienz aus. Foto: Brunner Images
Die Lienzer Vizebürgermeister Stephan Tagger und Meinhard Pargger sprechen sich für den Erhalt der Unterstufe des BG/BRG-Lienz aus. Foto: Brunner Images

Obwohl die Diskussion um eine Gesamtschul-Modellregion Osttirol noch auf rein theoretischer Ebene läuft, gehen die Wogen seit Tagen hoch. Nun haben sich auch die beiden Lienzer VP-Vizebürgermeister Meinhard Pargger und Stephan Tagger sehr deutlich gegen eine etwaige Gesamtschule, die das Aus für das Gymnasium Lienz bedeuten könne, ausgesprochen: „Als einzige gymnasiale Unterstufe im Bezirk ist das Gymnasium eine unverzichtbare Infrastruktur unserer Region und als solche auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor,“ stellt Meinhard Pargger fest. Er betont auch, dass neben den Schülern aus Osttirol allein die Schüler aus dem Möll- und Drautal eine gesamte Unterstufenklasse füllen.

Stephan Tagger greift Bürgermeisterin Elisabeth Blanik an: „Wenn sich die Bürgermeisterin fragt, warum nicht jene Regionen zum Zug kommen, die sich angeboten haben, muss ich sie daran erinnern, dass sie es war, die sich noch bis vor kurzem für die Gesamtschule stark gemacht hat und Lienz als Modellstandort ausdrücklich angeboten hat!“ Die beiden ÖVP-Politiker finden, dass „alle Kontakte genützt werden müssen, um den Erhalt des Lienzer Gymnasiums in seiner bisherigen Form mit der Unterstufe zu gewährleisten. In diesem Sinne werden wir Gespräche mit Landeshauptmann Günther Platter und der zuständigen Landesrätin Beate Palfrader führen.“ Kein Verständnis haben sie für die parallel laufenden Pläne, Lienz mit dem Mechatronikstudium einerseits zum Universitätsstandort zu machen und andererseits die Unterstufe im Lienzer Gymnasium abzuschaffen. Abschließend stellen Pargger und Tagger fest: „Während in Innsbruck der Bau eines neuen Gymnasiums beschlossen wird, darf Lienz nicht zur Modell- und Versuchsregion für eine Gesamtschule werden.“

Sepp Schett weist darauf hin, dass in Innsbruck gerade für viel Geld ein neues Gymnasium geplant wird.

impuls-tirol-Abgeordneter Josef Schett schlägt in dieselbe Kerbe: „Während für den Ballungsraum Innsbruck die Errichtung eines neuen Gymnasiums beschlossen wurde, erfahren die Osttiroler wieder einmal aus der Presse, dass das Gymnasium in Lienz über die Köpfe der Eltern, Kinder und Lehrer hinweg abgeschafft werden soll. Durch die geplante Einführung einer Modellregion Osttirol als ‚Testgelände für eine Gesamtschule‘ entscheidet die soziale und geographische Herkunft mehr denn je über die Lebenschancen der Osttiroler Kinder und schmälert diese massiv.“

Elisabeth Blanik wird von der ÖVP angegriffen und kontert mit dem Vorwurf, dass schlecht kommuniziert werde. Foto: Marco Leiter

Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik findet es „extrem schade“, wie die aktuelle Diskussion läuft. Sie zeigt großes Verständnis für den Protest von BG/BRG-Direktorin Ursula Strobl sowie der Eltern und Schüler: „Es gibt keinerlei Informationen über die Pläne. Weder über die Struktur, noch über die Ressourcen oder wie es überhaupt gehen soll“, sagt sie. Kein Wunder also, dass jetzt große Verunsicherung herrsche. „Diese fehlende Information ist ungeschickt und unprofessionell“, findet Blanik und verweist einmal mehr darauf, dass Innsbruck bzw. Ballungszentren wesentlich geeignetere Modellregionen seien als Lienz. Abschließend sagt sie: „Wir diskutieren immer über Begrifflichkeiten. Dabei geht es um die Ressourcen und um das Engagement.“ Letzteres sei in Osttirols Schulen stark vorhanden, die nun ausgelöste Verunsicherung sei aber diesbezüglich nicht hilfreich.

Fritz-Bezirkssprecher Markus Sint und Andrea Haselwanter-Schneider fehlt ein klares Konzept, das den Mehrwert der Gesamtschule vermittelt.

Auch die Liste Fritz-Landtagsabgeordnete Andrea Haselwanter-Schneider und Bezirkssprecher Markus Sint werfen der Landesregierung vor, mit schlechter Kommunikationsstrategie für Verunsicherung gesorgt zu haben: „Es braucht ein inhaltlich klares und durchdachtes Konzept, das den Schülern, Eltern und Lehrern den Mehrwert einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen vermitteln kann. Das die Vorteile aufzeigt, wenn Kinder von Lehrern der Neuen Mittelschule wie von Gym-Lehrern gemeinsam unterrichtet werden. Das sicherstellt, dass ein gutes Bildungsniveau erreicht wird, das Kinder mit Schwächen fördert und Kinder mit Starken stärkt. Das alles braucht Vorbereitungszeit, viele Gespräche, Überzeugungsarbeit und viel mehr Geld, ganz sicher ist das alles nicht mit einem politischen Schnellschuss und Ho-Ruck-Aktionen zu erreichen. Davon bleibt, wie Osttirol zeigt, nur verbrannte Erde zurück.“

Für den VP-Abgeordneten Hermann Kuenz ist die Aufregung "völlig unbegründet".
Für den VP-Abgeordneten Hermann Kuenz ist die Aufregung „völlig unbegründet“.

Etwas anders reagiert ÖVP-Landtagsabgeordneter Hermann Kuenz, der sagt: „Die Aufregung über einen angeblichen Gesamtschul-Modellstandort Osttirol ist sachlich völlig unbegründet. Es gibt bis jetzt weder eine bundesgesetzliche Grundlage noch irgendwelche konkreten Überlegungen. Alles in diese Richtung ist reine Spekulation.“ Sowohl Bürgermeisterin Elisabeth Blanik als auch der Liste Fritz wirft er einen Meinungsschwenk vor und spricht von der Hoffnung „auf mehr Ehrlichkeit, denn kein anderes Thema wird für die Zukunftsfähigkeit Osttirols so entscheidend sein, wie die Bildung“.

Weiterhin streitbar gibt sich Direktorin Ursula Strobl, hier flankiert von Roland Roßbacher. Der Dienststellenausschuss der Gymnasiums verabschiedete eine Resolution.
Weiterhin streitbar gibt sich Direktorin Ursula Strobl, hier flankiert von Roland Roßbacher. Der Dienststellenausschuss des Gymnasiums verabschiedete eine Resolution.

Nicht nur die Politiker produzierten zum Thema „Gesamtschule in Osttirol“ in den vergangenen zwei Tagen viel Papier, auch das Gymnasium selbst schießt nach wie vor aus allen Rohren. Nach den Schülern, die heute einen Leserbrief schickten, traf jetzt auch noch eine Resolution der Gymnasiallehrer in der Redaktion ein. Sie hielten am 27. November mittags eine Dienststellenversammlung ab. Wir bieten das Ergebnis unten zum Download an.

Resolution BG/BRG Lienz 27 11 2015

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14 Postings bisher
caum12 vor 2 Jahren

Gratuliere liefax61! Absolut treffende Analyse! Dem ist nichts hinzuzufügen. Vor allem der letzte Absatz gehörte jedem "Bildungspolitiker" in sein Stammbuch geschrieben.

liefax61 vor 2 Jahren

Eintopf oder Vielfalt?

In der Klasse ist es so ähnlich wie beim Fußballtraining. Hat man eine Mannschaft wo alle Spieler ein ähnliches Leistungsniveau haben, kann der Trainer ein für alle passendes Training zusammenstellen. Dieses wird für alle kurzweilig und unterhaltsam sein und der Fortschritt wird für alle sehr gut ausfallen. Für den Trainer ist dabei zweitrangig ob er ein Spitzenteam oder eine Durchschnittstruppe betreut.

Ist die Trainingsgruppe aber sehr heterogen, langweilen sich die Guten weil die Trainingsanforderungen weit unter ihren Möglichkeiten liegen, und die Schwachen sind frustriert weil selbst die einfachen Übungen nicht gelingen. Es hilft auch nicht 3 Trainer zu dieser Gruppe zu stellen und alle gemeinsam zu trainieren. Besser geht es wenn man die Gruppe nach Leistungsfähigkeit sortiert und jeder Trainer mit einer möglichst homogenen Gruppe arbeitet.

Auf die Schule umgelegt: In der "alten" Hauptschule haben genau diese Leistungsgruppen (z.B: in den "Gesamtschulen" Sillian, Matrei,...) hervorragende Abgänger hervorgebracht, die in weiterführenden Schulen geglänzt haben und den Gymnasiasten gleichwertig waren oder in der dualen Ausbildung Kariere gemacht haben. Ob die Pflichtschullehrer Osttirols das neue System der NMS besser finden wäre interessant. Gehört hat man deren Meinung bislang nicht.

Alle Kinder unabhängig von deren kognitiver Leistungsfähigkeit in eine Klasse zu stecken bringt m.E. nur Verlierer! Die langsamen Lerner sind ständig überfordert und werden durch schlechte Beurteilungen dauerfrustriert, die Hochbegabten werden ihr Potential bei weitem nicht ausschöpfen.

Die Lehrer sollen als "Wunderwuzzies" gleichzeitig mehrere Leistungsniveaus in einem Raum intern differenziert unterrichten, dabei gleichzeitig die Kinder mit "sonderpädagogischen Förderbedarf" "includieren" und ganz nebenbei noch die Erziehungsdefizite beheben, die die Kinder (unverschuldet) aus ihrem Elternhaus mitbringen, das gnadenlos dem Konsumdiktat zum Opfer gefallen ist. Dieser Versuch kann nur misslingen und wird den Pädagogen ihre Begeisterung nehmen, die Voraussetzung ist, um als Lehrer bei den Schülern anzukommen.

Es gibt so viel mehr als die kognitive Seite der Kinder. Wir müssen zurück zur Vielfalt. Die handwerklich Geschickten werden im späteren Berufsleben als Facharbeiter glücklich und wertvoll sein. Die mit besonderem sozialen Gespür finden hoffentlich in jene Berufe, die in unserer Zukunft mit vielen Alten und Kranken unverzichtbar sind. Und die ganz Schlauen werden vielleicht die Antworten finden, wie unsere kranke Gesellschaft und unsere Welt in Zukunft besser funktionieren könnte. Die Wertschätzung der Gesellschaft muss für alle gleichermaßen gelten und die Schullandschaft muss dieser Vielfalt gerecht werden und den Eltern verschiedene für das jeweilige Talent passende Ausbildungsstätten anbieten. Die zwangsverordnete gemeinsame Schule der 6 bis 14-Jährigen bedeutet eher das Gegenteil.

Traurig finde ich, dass diejenigen, die seit Jahrzehnten als Lehrer egal ob in der Hauptschule, der NMS oder im Gym mitten im Geschehen stehen, von den sogenannten Bildungsexperten und politischen Entscheidungsträgern in Schulfragen ignoriert und von allen Entscheidungen zur "Bildungsreform" ausgeklammert werden.

Aspasia vor 2 Jahren

@ beobachter52: Genau das meinte ich ja. Es sollten die geeigneten Schüler in der AHS-Unterstufe sitzen. Darüber sollte man sich Gedanken machen. Denn es ist totaler Blödsinn, dass man erst mit 14 Jahren herausfinden kann, ob ein Schüler eher praktisch oder intellektuell begabt ist. Das kann man mit 9 oder 10 Jahren auch schon sehr gut sehen. Und was die Unterschiedlichkeit der NMS betrifft, da haben Sie sicherlich recht. Dennoch wird es jetzt auch den Lehrerinnen in NMS am Land verunmöglicht die einzelnen Schüler gut zu fördern, da ja alle in einer Klasse sitzen. So muss man beispielsweise exakt die gleichen Schularbeit für alle geben, was totaler Unsinn ist: Die Guten sind dann unterfordert, die ganz Schwachen immer noch überfordert, denn auf das allerniedrigste Niveau kann man auch nicht gehen. Das war früher anders, da gab es an die Leistungsgruppen angepasste Schularbeiten. Die NMS-Ideologie ist leistungsfeindlich. Und das nützen die Schüler beinhart aus. Warum sollten Pubertierende sich anstrengen, wenn man eh irgendwie durchkommt? Super, wenn die dann im Leben nach der Schule landen. In der Privatwirtschaft weht dann ein ganz anderer Wind ...

beobachter52 vor 2 Jahren

@Aspasia: Ich bin kein Anhänger der Gesamtschule, finde das System mit den Leistungsgruppen durchaus besser und kindgerechter! Einige Punkte muss ich zu Ihrer "Disqualifikation der NMS" schon anführen: Seit vielen Jahren nehmen die Gymnasien, soweit sie Platz haben (daher Ausnahme Innsbruck) auch praktisch alle angemeldeten Schüler in die Unterstufe auf! Es kommt praktisch nicht vor, dass Kinder mit 3 in D und/oder M die Aufnahmeprüfung an der AHS nicht bestehen! In den ersten 4 Jahren der Unterstufe gibt es an den AHS auch kaum mehr Nicht-genügend und daher kaum Repetenten! Erst nach der 4. Klasse wird "ausgesiebt" .... Ebenso wechseln aber viele Schüler der AHS-Unterstufe in andere weiterführende Schulen und treffen dort auf Absolventen der HS bzw. NMS. Es scheint also die Langform 8 Jahre AHS auch nicht das Optimale für alle (Begabten) zu sein! Außerdem scheint es sehr unterschiedliche Arten von NMS zu geben: jene in Wien, jene in den Ballungszentren - und jene "auf dem Land", also zB. in Osttirol .....

30055 vor 2 Jahren

@aspasia... sehr treffend geschrieben, well done!

Aspasia vor 2 Jahren

Ich würde alle bitten, einmal die zu fragen, die es tagtäglich betrifft. Schüler, Eltern und Lehrer. Ich kann aus meiner Sicht einer AHS-Lehrerin, die derzeit in Innsbruck an einem Gymnasium unterrichtet und vorher drei Jahre an einer NMS in Innsbruck unterrichtet hat, Folgendes sagen: Zuerst hat die Politik die Hauptschulen zerstört, jetzt zerstört sie auch noch die Gymnasien. Die NMS hat nur ein Ziel: Schüler sollen unterhalten, nicht gebildet werden. Mir wurden drei Jahre nur Steine in den Weg gelegt habe, wenn ich versucht habe, den Kindern etwas beizubringen. Weder fachliches Wissen noch wirkliche Erziehung war gefragt, ich musste die Noten herschenken, die NMS-Abschlusszeugnisse haben nichts mit der tatsächlichen Leistung zu tun. Schwache Schüler waren arm dran, war doch ein 4er oder 3er in der so genannten "grundlegenden Bildung" für sie vorgesehen, da war vorher ein "Gut" in der dritten Leistungsgruppe wesentlich motivierender. Gute Schüler haben die NMS mit viel zu wenig Bildung verlassen, da man zu den Themen, die man im Gymnasium immer durchnimmt, weil man dort durch viele gute Schüler im Stoff schneller fortschreiten kann, in der NMS nie kommt. Das mit dem Differenzieren und Individualisieren funktioniert nicht, da können auch zwei Lehrer in der Klasse nicht zaubern. Absolventen der alten Hauptschulen mit den Leistungsgruppen hatten viel größere Chancen, in den weiterführenden Schulen mitzuhalten. Die SPÖ hat mit dieser Bildungspolitik die Chancen der eigenen Klientel verschlechtert! Im Gymnasium funktioniert derzeit hingegen das meiste sehr gut, ein Problem sind nur die Schüler, die nicht ins Gymnasium gehören würden und wo einfach zu viel Druck auf die VS-Lehrerinnen gemacht wurde, damit sie nur ja geschenkte Noten bekommen. Man müsste sich überlegen, wie man das objektiver macht. Denn es ist Kindern nicht geholfen, wenn sie in eine Schulform gesteckt werden, die vor allem intellektuelle Begabung erfordert, wenn sie dafür aber nicht geeignet sind. Es bräuchte gute, attraktive Schule für sie und nicht den NMS-Wahnsinn. Den wir brauchen ja auch qualifizierte Facharbeiter. Und NMS-Absolventen, die weder vernünftig Schreiben noch Rechnen können, braucht unsere Wirtschaft als Lehrlinge ganz sicher nicht. Das Gymnasium hingegen würde ich erhalten, denn es fördert Begabte optimal und auch dann, wenn die Eltern nicht wohlhabend sind. Ich bin selbst das beste Beispiel dafür, ich stamme aus einer so genannten Arbeiterfamilie und kein einziger Stein wurde mir in meiner ganzen Gymnasialkarriere am Lienzer Gym deshalb in den Weg gelegt. Es zählte nur die Leistung und was das Finanzielle bedarf wurde man unterstützt, trotz kleinen Familien-Budgets konnte ich z.B. an jeder Sprachreise teilnehmen, weil die Professoren einen immer auf Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht haben. Ich wünsche den Kollegen in Lienz alles Gute - hoffentlich begreift auch bald die Öffentlichkeit, dass es uns AHS-Lehrern nicht um Standesdünkel, sondern um das Wohl der Schüler und die Zukunft unseres Landes geht.

30055 vor 2 Jahren

Wenn man die Oberstufe des BG/ BRG Lienz in die NMS Egger Lienz aussiedeln würde, wären mehrere Probleme gelöst. Der längste fällige Schulumbau/ Schulneubau wäre vom Tisch, alle Kinder wären "gleich". Leistungsgruppen gibt es ja eh keine mehr. Ob man eine gemeinsame Schule der 10-14 jährigen anstrebt oder nicht könnte man sich überlegen. Die Gym-Lehrer könnten von den NMS-Lehrern lernen und umgekehrt. Das alles an einem Standort. Ein sogenanntes Schulzentrum wo Kinder und Eltern wählen können ob NMS, BG/BRG Unterstufe oder gemeinsame Schule der 10-14 Jährigen. Jedes Jahr könnte man wechseln, alle Systeme bei Bedarf ausprobieren. Sollte nicht ein Wechsel in alle Richtungen machbar sein??? Wenn ja: wozu differenzieren? Wenn nein: warum nicht beim Bewährten bleiben? Mir fällt auf, dass sich die Lehrer des Gymnasiums wehren, kein NMS Direktor sich zu Wort meldet... Sicherlich wegen der vorweihnachtlichen Zeit... grins

cambridge vor 2 Jahren

@) Angerer Großartige Analyse! Der Inhalt hat mich an den Terminus "Fluchtgymnasiast" erinnert, der schon vor 30 Jahren in der HAK und HBLA gängig war. Was käme wohl bei einer Umfrage heraus, wenn die NMS Osttirols eine solche Kampagne wie Frau HR Dr. Strobl starten würden? Warum zieht man immer als Beleg den Worst Case heran?

peak vor 2 Jahren

Warum funktioniert die Gesamtschule in Südtirol? Keine 30km entfernt funktioniert dieses Konzepteinwandfrei, warum sollte dies bei uns nicht funktionieren? Kann mir jemand darauf eine Antwort geben? ;)

Insider vor 2 Jahren

@beobachter52: Ich kann bzw. muss mich vollinhaltlich LiWe anschließen. Leider haben das auch die Medien noch nicht ganz mitbekommen, weil die immer von einer gemeinsamen Schule der 10-14jährigen schreiben, was aber nicht so ist, sondern genau so vorgestellt wurde, wie LiWe es hier anführt. Dass man außer der Überschrift "Modellregion Osttirol" noch nicht mehr weiß, stimmt so auch nicht. Es gibt ein Papier der Bildungsreformkommission, das den Ministerrat schon passiert hat und jetzt bis Juni 2016 für den Nationalratsbeschluss gesetzlich ausgearbeitet werden soll. Dieses Papier kann jeder unter https://www.bmbf.gv.at/ministerium/vp/2015/20151117.pdf?55kaz6 genau unter die Lupe nehmen. Details dazu gibt es wahrlich noch keine - trotzdem sind darin alle Schultypen erwähnt, die in eine gemeinsame Schule "umgewandelt" werden könnten: Volksschule, NMS, Gymnasium-Unterstufe und Sonderschule. Das heißt, wir könnten auch wieder zur guten alten 8jährigen Volksschule mit Integration und Inklusion zurückkehren - das nennt sich dann Bildungsreform.

Ein bisher wirtschaftlicher Weg funktioniert doch bei uns in Osttirol ausgezeichnet: Die freie Wahlmöglichkeit des mündigen Bürgers gepaart mit ein wenig Konkurrenzdenken der beiden Schultypen NMS und Gym-Unterstufe lässt die Osttiroler Schülerinnen und Schüler in allen möglichen nationalen und internationalen Vergleichtests wie PISA oder auch der Bildungsstandardstestung nach meinen Recherchen vergleichsweise ausgezeichnet abschneiden - warum also ein gut funktionierendes System wie in Osttirol grundlos ändern?

Angerer vor 2 Jahren

Warum funktioniert eigentlich die Gesamtschule in den nördl. Staaten Europas, wo sich Kinder erst mit 14 entscheiden müssen, in welche Richtung es gehen soll? Zudem mit einem viel kostengünstigerem Schulsystem?

Mit 10 Jahren wissen wohl wenige Jugendliche, was sie tatsächlich mal werden wollen und müssen sich aber trotzdem entscheiden, welcher Schultyp der Richtige wäre.

Ich finde diese ganze Diskussion ja wieder mal typisch österreichisch und provinzial, jeder schaut nur auf sich und will keinen Millimeter nachgeben. Wenn man sich die Ergebnisse nach neun Jahren Schule so ansieht, wäre es wohl längst notwendig, das Schulsystem zu verbessern, vorallem für die Schüler und nicht alles zu belassen, da es bei diesem politischem Aufschrei in erster Linie nur wieder um die Dienstposten der Lehrer geht und nicht um das Wohl der Schüler.

Das System Gymnasium "Oberstufe" funktioniert ja als Borg (wie der Name schon sagt) auch bestens, ebenfalls kann man ab 14 z.B. die BHAK besuchen, um dort später mal zu maturieren.

Ich finde somit, dass man diese Variante als Modelgebiet sogar begrüßen sollte, denn mit 14 ist es wahrlich noch früh genug, sich für den weiteren Lebensweg zu entscheiden. Und wenn man die NMS in Leistungsgruppen unterteilen will, soll das auch nicht der schlechteste Weg sein, sodass bessere und schwächere Schüler jeweils auf ihrem Niveau positiv gefördert werden können. Ich war auch mal ein Gymnasialunterstufenschüler, für den späteren Lebensweg war dies aber überhaupt nicht ausschlaggebend, denn so viel mehr hat man dort sicher nicht gelernt, das einem im Leben wirklich etwas genützt hätte. Das Gegenteil beweist zudem die große Anzahl von damaligen Hauptschülern, die heute in gehobenen Positionen der Wirtschaft arbeiten, da sie z.B. nach der Lehre eine Meisterprüfung oder eine HTL absolviert haben. Oder überhaupt erst ab der 9. Schulstufe das Gym, Borg oder BHAK bzw. eine HBLA besucht haben um später studieren zu gehen und heute als Arzt, Rechtsanwalt, Architekt oder als Leiter einer Behörde u.ä. sehr gute Arbeit leisten.

Es ist schon interessant, wie hier sofort losgeschrien wird, was das alles für negative Konsequenzen haben soll. Dass dies auch Vorteile für eine bessere Schulausbildung für unsere Kinder bedeuten kann, sollte man sich auch mal überlegen! Denn unser Schulsystem ist längst überholt, nur wollen das die Verantwortlichen noch immer nicht begreifen, da jeder Angst hat, dass ihm seine Felle (sprich Privilegien) davonschwimmen könnten, egal ob dabei die Schüler auf der Strecke bleiben.

manchmalgottseidankexilosttiroler vor 2 Jahren

Als Schüler durfte ich den wirklich hervorragenden und differenzierten Unterricht von Frau Direktor Strobl genießen , umso erstaunter las ich deswegen ihre Polemik diese Woche .Damit hat sie die immer so maschierwilligen Osttiroler wieder mal zu den Schützengräben gerufen,vereint mit dem sehr merkwürdigen Lienzer (Bildungs-)Bürgertum samt dazugehörender stark zerzauster Partei,der gesamtem(!!) Oberstufe inklusive eigenem Dienstellenausschuss und natürlich dem gesamten Oberkärnter Raum bis Klagenfurt .Man kann für die ganzen armen Menschen die sich hier hoch verzweifelt zusammengefunden haben nur hoffen, dass nicht eines Tages plötzlich ein zuständiges (selbstverständlich stark osttirolfeindliches) Wiener Ministerium über die so geliebte Unterstufe einfach drüberbügelt und die (scheinbar nur für einige wenige ,mich eingeschlossen sinnvolle) Gesamtschule einführt und nicht nur einen Schulversuch veranstaltet.

beobachter52 vor 2 Jahren

"Modellregion Osttirol" - mehr weiß noch niemand! Weder gibt es einen Palralmentsbeschluss, noch Erlässe aus dem Ministerium, keine konkreten Überlegungen und schon gar keine sachliche Diskussion! Es kann also eine bildungspolitische Katastrophe oder die große Chance für Osttirols Schüler sein! Nur eines ist klar, sollte die Gesamtschulregion kommen: Proffesorinnen und Professoren aus dem Gymnasium müssten auch in Sillian, Virgen, Matrei, St. Jakob ... unterrichten. Wenn ich die Reaktion der Frau Direktorin, der Lehrer, der (mobilisierten) Schüler und Eltern betrachte, wird eines immer klarer: Um das "Wohl der Kinder" - wie immer wieder so schön gesagt wird - geht es sicherlich nicht zuerst ....

LiWe vor 2 Jahren

Auch an dieser Stelle möchte ich noch einmal daran erinnern:

Es geht um weit mehr als "Gym oder NMS":

„Schulmodellregion“ heißt gemeinsame Schule für alle im Alter von 6 bis 14 Jahren (ob stufenweise eingeführt oder sofort gültig für alle 8 Schulstufen ist noch nicht entschieden).

Ziel ist es, Kinder mit möglichst unterschiedlichen Lernbedürfnissen in einer Klasse zusammenzuführen: überdurchschnittlich begabte Kinder neben solchen mit pädagogischem Sonderbedarf, Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse neben Kindern mit besonders schneller Auffassungsgabe, usw. – also wirklich EINE Schule für ALLE.

Wer von diesem Bildungskonzept nicht überzeugt ist und sein Kind nicht für eine 10-jährige Testphase zur Verfügung stellen will, fände im Bezirk Lienz keine Alternative mehr. Dass Osttirol gerade wegen seiner Randlage als Modellregion herhalten soll, empfinde ich als Nötigung der betroffenen Bevölkerung.

Auch die Osttiroler haben ein Recht darauf, dass die schulische Vielfalt in ihrem Bezirk erhalten bleibt!