Frauen & Politik: Nüsse knacken – Früchte ernten

Ein Lehrgang zur Unterstützung von Frauenkarrieren – einige wenige Plätze sind noch frei.

Gabriele Lehner (Bildungshaus Osttirol) und Gina Streit (Regionalmanagement Osttirol) ist der Politiklehrgang zwar Teil ihrer Arbeit, doch sie engagieren sich auch weit darüber hinaus für die Vernetzung von Frauen. Foto: BHO/Bernadette Überbacher
Gabriele Lehner (Bildungshaus Osttirol) und Gina Streit (RegionsManagement Osttirol) ist der Politiklehrgang zwar Teil ihrer Arbeit, doch sie engagieren sich auch weit darüber hinaus für die Vernetzung von Frauen. Foto: BHO/Bernadette Überbacher

Wenn Frauen in der Politik, in Vereinen oder anderen Organisationen tätig werden wollen oder sich auf die berufliche Karriere konzentrieren möchten, stellt sich oft die Frage: „Weiß ich genug? Kann ich genug? Bin ich schon soweit?“ Die Selbstzweifel sind groß und nicht selten findet sich dann die „Ausrede“, dass die Kinder noch zu klein sind, der Haushalt geführt werden muss und frau für so viele Dinge gebraucht wird, dass die Zeit für die eigene Karriere fehlt.

All diese Argumente mögen richtig sein – und doch ist es manchmal einfach Zeit, etwas zu beginnen. In solch einem Fall ist eine Starthilfe praktisch. Der Lehrgang „Nüsse knacken – Früchte ernten“ tut genau dies: Frauen dabei unterstützen, ihren Weg zu finden und ihn dann auch zu gehen. Dafür finden nicht nur Kurse zu relevanten Themen wie Konfliktmanagement, Macht, Soziale Medien, Public Relations oder ein Rhetoriktraining statt, sondern es gibt auch ein kursbegleitendes persönliches Mentoring, bei dem interessante Persönlichkeiten über einen gewissen Zeitraum hinweg Einblick in ihren Karriereweg, ihre Arbeitsmethoden und dementsprechend auch so manchen Karrieretipp geben. Jede Teilnehmerin des aktuellen Lehrgangs konnte sich dazu eine Person aussuchen – und tatsächlich konnten alle Wünsche erfüllt werden außer jenem, ein Mentoring bei Angela Merkel zu erhalten. Die Kanzlerin war jüngst doch eher mit anderen Dingen beschäftigt.

Gina Streit vom RMO, das den Politiklehrgang gemeinsam mit dem Frauenreferat des Landes Tirol veranstaltet, und Gabriele Lehner vom Bildungshaus, wo die Kurse stattfinden, sind sich einig: Es geht darum, Frauen dabei zu unterstützen, zu erfahren, was sie brauchen, um in die Politik oder auch andere Karrierewege zu gehen. Gabriele Lehner drückt es so aus: „Wir schieben die Frauen nicht an, wir ziehen sie auch nicht irgendwohin, wir unterstützen sie bloß bei ihrem Vorhaben.“ Das ist auch das Credo der Vortragenden.

Gina Streit sagt dazu: „Im Bezirk gibt es so viel Potenzial bei den Frauen! Als RMO und über die LEADER-Projekte haben wir den Auftrag, genau diese zu unterstützen.“ Dass Vernetzung dabei ein wichtiges Rahmenthema darstellt, versteht sich von selbst. Hier spielt wiederum auch das Mentoring eine wichtige Rolle – aber es ist auch der Grund, warum die Kurse inzwischen direkt in Osttirol stattfinden, denn im Alltag braucht man ein Netzwerk, das auch direkt vor Ort funktioniert. Beim Aufbau eines solchen will der Lehrgang ebenfalls behilflich sein.

Der Lehrgang wird zu 80 Prozent über ein LEADER-Projekt gefördert, sodass jeder Teilnehmerin lediglich ein Kostenanteil von 290 Euro bleibt. Das Kursangebot lässt sich als Werkzeugkasten sehen. Die Frauen erhalten Möglichkeiten, was sie davon nehmen und wie sie mit diesen Werkzeugen hantieren, bestimmen sie selbst. Aus den vorhergehenden Kursen sind einige Frauen in politische Funktionen verschiedener Parteien gegangen – manche davon auch als Bürgermeisterinnen. Der Auftrag für den neuen Lehrgang, der am 15. Jänner 2016 beginnt, wurde soeben erst beauftragt, doch zwei Drittel der Plätze sind bereits vergeben. Ein paar Plätze sind noch frei. Vorwissen ist für die Teilnahme keines nötig, eher Interesse und der Wille, sich mit neuen Perspektiven zu beschäftigen. Anmelden kann man sich im Bildungshaus Osttirol unter 04852 / 65133-0 oder über office@bildungshaus.info.

Auch ein eigenes Coaching-Programm

Parallel dazu findet derzeit erstmals ein Coaching für aktive Politikerinnen statt. Auch hier kann frau noch einsteigen. Mit 150 Euro können der einführende Workshop und die vier individuellen Coaching-Sessions nur als Schnäppchen bezeichnet werden. Finanziert wird das Coaching vom Land Tirol. Hier geht es vor allem um Fragestellungen, wie man Familie und Karriere vereinbaren kann oder wie man herausfindet, ob man tatsächlich in die Politik einsteigen möchte und was man dafür bräuchte. Jene Politikerinnen, die bisher mitmachen, sind begeistert. Nettes Detail: Die beiden Coaches reisen extra an, sodass man sich danach auch nicht zufällig beim Kaffeeplausch trifft.

„Letztlich geht es in beiden Programmen darum“, sagt Gabriele Lehner, „sich zu beteiligen, anstatt nur darüber zu schimpfen, wie es ist.“ In diesem Sinne werden die Frauen für ihren Weg gestärkt, fügt Gina Streit hinzu – und das nicht nur für die Politik. „Das Wissen“, denkt sie, „etwa der Umgang mit Konflikten oder Manipulationen erweist sich auch im Alltag als äußerst praktisch.“

Das Programm des Lehrgangs 2016: Nüsse knacken – Früchte ernten 2016

Einige der Teilnehmerinnen des letzten Kurses gingen danach in die Politik. Foto: RMO
Einige der Teilnehmerinnen des letzten Kurses gingen danach in die Politik. Foto: RMO
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