Alexander Köll gibt Gas auf der Saslong in Gröden

Ein Osttiroler ist Schwedens bester Abfahrer. Wir haben mit ihm gesprochen.

Alexander Köll aus Matrei in Osttirol ist ein professioneller Ski-Rennläufer und trainiert derzeit in Gröden, wo er am Wochenende sein Debüt beim Ski-Weltcup geben wird – im Team der Schweden. Alexander wird auf der berühmten Saslong-Piste zum ersten Mal gegen die Besten der Welt antreten. Vorher hatten wir noch die Chance auf ein exklusives Gespräch mit dem österreichischen, aber auch schwedischen Skistar.

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Alexander Köll ist in Osttirol geboren, hat aber auch schwedische Wurzeln. Bei einem Rennen in Matrei hat ihn der schwedische Trainer entdeckt.

Alex, erzähl uns etwas von dir:
Aufgewachsen bin ich in Matrei und seit ich denken kann, bin ich sportlich unterwegs. Ich war schon immer aktiv, habe in meiner Kindheit verschiedene Sportarten ausprobiert, doch hängen geblieben bin ich beim Skifahren, da mir das einfach am meisten Spaß gemacht hat. Nach der Hauptschule in Matrei bin ich nach Bad Hofgastein gezogen und habe dort die Hotelfachschule gemacht und anschließend, mit 19 Jahren, verfolgte ich meinen Traum und wurde professioneller Skirennläufer.

Was war dein erster großer Erfolg?
In meiner Kindheit feierte ich schon kleine Erfolge und gewann meine ersten Vereinsmeistertitel. Das steigerte sich später mit Bezirksmeistertitel und Landesmeistertitel.

Einen deiner größten Erfolge hast du im März 2015 gefeiert, mit einer Goldmedaille in der Abfahrt bist du schwedischer Meister geworden. Du bist aber auch schon Rennen in Südafrika gefahren.

Das ging auch etwas in die Skigeschichte ein. Wir, ein paar erfolgreiche Europäer, wurden zum ersten Rennen auf dem afrikanischen Kontinent eingeladen, wo ich gleich einen Sieg feiern konnte. Jetzt bin ich der erste afrikanische Meister im Skifahren!

Was war dein schönster „Sportmoment“? Was hat dich geprägt?
Ein großer Erfolg für mich war auch der 9. Platz beim Europacup in Val d’Isere und auch bei FIS-Rennen konnte ich mich schon zu den Top 3 zählen. Doch das Schönste beim Rennenfahren ist der Moment, wo du durch das Ziel fährst, auf die Tafel schaust, mit dem Wissen, dass du alles gegeben hast und alles riskiert hast und dann eine super Zeit aufblinkt! Da bekomme ich Gänsehaut pur! Vor ein paar Tagen war ich noch in Canada und habe die FIS-Abfahrt gewonnen. Das Schönste war aber der Anruf danach: „Alex, du musst gleich die Heimreise antreten, du darfst in Gröden dein Weltcupdebüt geben!“ – DAS war wohl mein allerschönster Moment bis jetzt!

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Der amtierende schwedische Meister geht mit viel Selbstvertrauen in seine erste Weltcup-Abfahrt.

Es ist ungewöhnlich, dass man als Österreicher für den schwedischen Skiverband startet, wie kam es dazu, dass du als Schwede startest?
Meine Mutter ist gebürtige Schwedin und somit hatte ich schon immer eine Verbindung zu diesem Land. Meine Großeltern leben dort und ich besuche sie auch mehrmals im Jahr. Bei einem meiner ersten FIS-Rennen in Matrei hatte ich einen Anzug des schwedischen Nationalteams an. Zeitgleich war auch gerade der schwedische Nachwuchskader dort und der Trainer wurde so auf mich aufmerksam. Als er erfuhr, dass ich schwedische Wurzeln habe, war er total begeistert und machte mir das Angebot, für Schweden zu fahren. Ich bin ihm sehr dankbar, denn er hat das Ganze in die Wege geleitet und mir damals sehr weiter geholfen.

Was machst du, wenn du nicht gerade auf den Skiern stehst?
Auch wenn ich gerade nicht auf der Piste bin, so bin ich doch meistens sportlich unterwegs. Die meiste Zeit verbringt man einfach beim Training, sei es Mountainbiken, Laufen oder Krafttraining. Ein großes Hobby von mir, das ich sehr gerne auch ohne einen gewissen ‚Trainingszwang‘ mache, ist das Bergsteigen. Meine Leidenschaft für die Berge ist einfach riesig!

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Vollgas auf der Saslong. Wir sind gespannt, wie sich Alexander beim Abfahrtsklassiker schlagen wird. Foto: Expa/Groder

Deine größte Stärke liegt in der Abfahrt …
Ich sehe es als die Formel 1 des Skifahrens. Ich habe einen starken Kopf, bin ein disziplinierter Trainierer, bin aber auch sehr stur. Die Sturheit kam als Vorteil, aber auch schon als Nachteil zum Vorschein.“

Gab es in deiner Karriere auch Verletzungen?
In meiner Jugend hatte ich einmal eine schwere Schulterverletzung und konnte den gesamten Winter über nicht Skifahren. Damals bin ich auch sehr schnell gewachsen, was auch immer wieder zu Schmerzen führte. Mittlerweile sind alle Schmerzen weg, ich bin gesund und stark und sehr dankbar dafür! Beim Skifahren gibt es immer ein gewisses Risiko, speziell bei der Abfahrt. Genau deshalb ist es so wichtig, dass man auf den Körper hört und auch immer wieder pausiert. Es gibt immer wieder Rückschläge und schwierige Situationen, doch genau dann ist es wichtig, dass man eine Familie und Freunde hat, die einen unterstützen. Ich habe einen tollen Trainer, der mich aus meinen schwierigen Phasen wieder rauspusht und weiter bringt. Darüber hinaus bin ich auch total dankbar für meine Sponsoren, denn auch auf deren Unterstützung kann ich zählen, wenn mal nicht alles zu 100 Prozent klappt.

Was motiviert dich am meisten?
Ich liebe das Skifahren von ganzem Herzen! Dazu setze ich mir auch immer wieder große Ziele, welche ein guter Ansporn sind, um meine Motivation aufrecht zu erhalten.

Gibt es etwas, was du nicht gerne trainierst?
Balletttänzer werde ich wohl keiner werden (lacht). Es gibt immer wieder „zache“ Einheiten, wo man den inneren Schweinehund überwinden muss und es so hart und anstrengend ist, dass man das Gefühl hat, man müsse gleich sterben. Man muss sich quälen können, denn das Gefühl danach ist ein herrliches und lohnendes Gefühl, wenn man es doch geschafft hat, den Schweinehund zu überwinden. Wenn man weiß, warum man es macht, gibt es kein Training, das keinen Spaß macht!

Wo trainierst du am liebsten?
Am liebsten trainiere ich natürlich in meinem Heimatgebiet Goldried, doch auch in Kartitsch bin ich sehr gerne unterwegs, da uns die Liftgesellschaft mit Heinz Bodner sehr unterstützt. Da mein Trainer aus Heiligenblut kommt, bin ich auch dort viel unterwegs, die Strecke dort ist wirklich super!

So werden wir den jungen Matreier in diesem Winter noch öfter sehen – im Sprung an die Weltspitze.
So werden wir den jungen Matreier in diesem Winter hoffentlich noch öfter sehen – im Sprung an die Weltspitze.

Was sind deine nächsten Ziele?
Am Samstag starte ich bei meinem ersten Weltcup in Gröden. Ich werde mich mit den Besten der Welt messen können und habe mir damit schon einen Kindheitstraum erfüllt. 2016 möchte ich meinen schwedischen Meistertitel verteidigen und im Europacup vorne mitmischen. Ein längerfristiges Ziel ist die Heim-WM 2019 in Schweden, da ich dort auch in einem speziellen Förderkader bin und wir uns alle gemeinsam gezielt darauf vorbereiten.

Alex trainiert derzeit in Gröden. Am Samstag ist sein erster Weltcup-Start. Wir drücken die Daumen und werden natürlich den Fernseher einschalten und mitfiebern!

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