Wie Eggers Bauer unter den Hammer kam …

… und jetzt aus dem Dorotheum zurückkehrt in den Lienzer Wahlkampf. 

Wer kennt ihn nicht, den Totentanz von Albin Egger-Lienz, den der Künstler mehrfach gemalt hat, was im Stadtmuseum Schloss Bruck bereits ausgiebig zelebriert wurde. Fünf der sechs Versionen waren in einer eigenen Ausstellung 2014 zu sehen, außerdem 150 Studien, Teilwiederholungen einzelner Figuren oder Figurenpaare.

Er blickt zurück in die Heimat und ahnt noch nicht, dass er auch noch wahlkämpfen mus. Eggers "zurückschauender Bauer". Foto: Wikimedia Commons
Er blickt zurück in die Heimat und ahnt noch nicht, dass er auch noch wahlkämpfen muss. Eggers „zurückschauender Bauer“. Foto: Wikimedia Commons

Und wer den Totentanz kennt, kennt auch den „zurückschauenden Bauer“, den Mann, der als letzter hinter den Kameraden marschiert und auf dem Weg in den tödlichen Kampf zurückschaut, in Richtung Heimat. Falls diese Heimat Osttirol war, kehrt der letzte Bauer jetzt zurück, allerdings nicht ganz kampflos, wie man bei der Sitzung des Lienzer Gemeinderates am 21. Dezember erleben konnte.

Albin Egger hat diese Figur selbst aus der ersten, in Öl gemalten Fassung des Totentanzes von 1908 herausgeschnitten. Das Fragment gelangte – wie viele seiner Werke – am Ende ins Wiener Dorotheum und wurde dort vor kurzem ersteigert.

Von wem, war bei der Gemeinderatssitzung nicht ganz klar zu eruieren, entweder war es der VP-Mandatar Christian Steininger, oder die Leiterin des Lienzer Stadtmuseums Schloss Bruck, Silvia Ebner. Beide waren bei der Sitzung nicht anwesend. Jedenfalls erhielten die Lienzer Bieter in Wien den Zuschlag, zu einem Kaufpreis von 90.000 Euro plus 22.500 Euro Käufergebühr.

Die Gebühr übernimmt Lienz zur Gänze, vom Kaufpreis zahlt die Stadt ein Drittel, macht in Summe 52.500 Euro. Das Land Tirol und die Landesgedächtnisstiftung teilen sich die verbleibenden 60.000 Euro. Soweit so gut? Nicht für Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und Teile ihrer SP-Fraktion. Blanik stimmte bereits im Stadtrat und am 21. Dezember auch im Gemeinderat gegen den Kauf: „Wir brauchen das Geld für wichtigere Dinge und außerdem lagern wir in einem Depot in der Peggetz eine Menge Kunstwerke, darunter auch Werke von Egger, die wir aus Platzgründen nicht ausstellen können“, argumentiert sie.

Die ÖVP plus FP-Mann Sepp Blasisker und die mittlerweile abtrünnigen SP-Mandatare Andreas Hofer und Anita Kerstein verwiesen darauf, dass man Kunst nicht mit Dachsanierungen oder Ähnlichem aufwiegen könne und ein echter Egger außerdem eine Investition sei.

Einen grundsätzlichen – und spannenden – Einwand gegen den Kauf hatte LSL-Mandatar Uwe Ladstädter. Er hinterfragt, ob Steininger oder Ebner überhaupt die Berechtigung hatten, das Werk im Namen der Stadt zu ersteigern. Der Stadtrat darf nämlich ohne Zustimmung des Gemeinderates nur über Summen bis 10.000 Euro disponieren. Die Transaktion im Dorotheum umfasste aber 112.000 Euro. Sie wurde zwar nachträglich mit Mehrheit (14:7) abgesegnet, was den Kauf aber dennoch in etwas schrägem Licht erscheinen lässt.

Was wäre gewesen, wenn nicht alle der ÖVP-Mandatare auf Linie geblieben wären? Dann hätte man das Bild eben retourniert, argumentierten die ÖVP und Stadtjurist Alban Ymeri. Zahlt ein Käufer nicht, dann sei eine Rückgabe ohnehin logisch. Ob das die anderen Bieter einer Auktion auch so sehen, ist für Ladstädter fraglich. So blieb der Deal im Gemeinderat umstritten, was nichts daran ändert, dass sich die Schlossverwaltung auf der Website von Schloss Bruck bereits bei der Landespolitik für ihre Großzügigkeit bedankt und auch die Modalitäten der feierlichen Übergabe des Werkes durch Stiftungspräsident Herwig van Staa bereits fixiert sind. Eggers Bauer zieht jetzt also in einen anderen Kampf: den Wahlkampf.

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