WKO: „Sparen, Streichen, Spielräume schaffen!“

Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol sprach in Lienz über die Zukunft.

WK-Tirol-Präsident Jürgen Bodenseer betonte besonders die Naturlandschaft als großes Potenzial Osttirols. Fotos: Brunner Images
WK-Tirol-Präsident Jürgen Bodenseer betonte besonders die Naturlandschaft als großes Potenzial Osttirols. Fotos: Brunner Images

Unter dem Motto „Jetzt erst recht! Die Politik braucht mehr Unternehmergeist denn je“ lud die Wirtschaftskammer Lienz am 19. Jänner zu einer Pressekonferenz und anschließend zu ihrem Neujahrsempfang. Angereist dafür war Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, der zunächst feststellte: „2015 hat hoffnungsvoll begonnen.“ Doch dann, so setzte er fort, hätte sich die freudig erwartete Steuerreform als „ein Steuerbelastungspaket mit angedeuteter Entlastung“ herausgestellt. Die Wirtschaftskammer habe zwar versucht, der Reform „die Giftzähne zu ziehen“, doch sei vor allem die Tourismusbranche alles andere als erfreut und viele Klein- und Mittelbetriebe hätten das Vertrauen in die Zukunft verloren, weil sich aufgrund ständig neuer Gesetze die Rahmenbedingungen für Unternehmen viel zu oft änderten.

Als Auftrag für die Bundesregierung rief Bodenseer daher folgendes Motto aus: „Die drei S – Sparen, Streichen, Spielräume schaffen!“ Damit meinte er nicht nur das finanzielle Sparen, sondern auch das Streichen oder Einsparen neuer Gesetze und Regulierungen. Vor allem solle die Situation für Unternehmer entbürokratisiert werden. Direktor Horst Wallner, Michael Aichner (Obmann der WK-Bezirksstelle Lienz) und Bezirksstellenleiter Reinhard Lobenwein gaben ihm recht und betonten, dass es „endlich echte“ Reformen brauche – etwa eine „echte Verwaltungsreform und eine Pensionsreform“, wie Bodenseer sagte, denn jeder wisse, dass die Pensionen der jetzt Arbeitenden in Zukunft nicht mehr bezahlt werden könnten.

Als großes Problem betrachteten alle anwesenden WK-Vertreter die hohe Bürokratie für Unternehmer, an der vor allem die Bundesregierung, aber auch die Gewerkschaften und die Arbeiterkammer schuld seien. Oft seien die Angestellten wesentlich unternehmensfreundlicher und kompromissbereiter als ihre Interessensvertretungen.

WK-Bezirksstellenobmann Michael Aichner legt großen Wert auf maßgeschneiderte Bildungsoffensiven in Osttirol.
WK-Bezirksstellenobmann Michael Aichner legt großen Wert auf maßgeschneiderte Bildungsoffensiven in Osttirol.

In Tirol sehe die Situation erfreulicherweise besser aus als in Ostösterreich. Präsident Bodenseer zeigte dies mit einem Zahlenvergleich: Betrug das Wirtschaftswachstum im Österreich im Jahr 2015 lediglich 0,8%, waren es in Tirol immerhin 1,3%. Prognostiziert für 2016 seien für Gesamtösterreich 1,8% und für Tirol 2,1%. Bei den Insolvenzen habe sich die Situation beruhigt: Waren es im Jahr 2014 in Tirol noch 388 Insolvenzen, sank die Zahl im letzten Jahr auf 283 und gerade bei Unternehmensneugründungen gebe es immer mehr Betriebe, die die ersten fünf Jahre durchhalten.

Auch die Arbeitslosenzahlen sehen für Tirol besser aus als für ganz Österreich. Angesprochen auf die hohe Arbeitslosigkeit im Bezirk, stellte Bezirksstellenleiter Reinhard Lobenwein fest, dass es leider in den letzten 15 Jahren nicht gelungen sei, die Arbeitslosenrate unter neun Prozent zu bekommen, wobei er betonte, dass die Situation im Raum Lienz wesentlich besser als im Iseltal sei, wo die Arbeitslosigkeit besonders für Frauen dramatisch sei. Andererseits betonte er, dass die Arbeitslosigkeit durchaus auch „importiert“ sei, da es an die 3.000 Osttiroler Pendler gebe, die zwar außerhalb von Ostirol arbeiteten, aber im Falle der Arbeitslosigkeit  – auch der saisonell begründeteten – in Osttirol gezählt würden.

Bezogen auf die Situation in Osttirol betonte Jürgen Bodenseer den ganz besonderen „Schatz“, den der Bezirk habe: die Naturlandschaft. Diese gelte es zu schützen, zu bewahren aber auch zu nützen. Die richtigen Programme dafür gebe es bereits. Die Naturparks sollten „nicht nur Museen“ sein, sondern auch sinnvoll genutzt werden.

Nach dem Pressegespräch sangen beim Neujahrsempfang einmal mehr die Wiltener Sängerknaben.
Nach dem Pressegespräch sangen beim Neujahrsempfang einmal mehr die Wiltener Sängerknaben.

Obmann Michael Aichner betonte als eine der wichtigsten Aufgaben, „die Region für die Zukunft möglichst gut in Wert zu setzen“. Im Zuge dessen stellte er einige Projekte vor, die in diese Richtung gehen: Einerseits das viel besprochene Osttirol-Frühstück, die Diskussionen und Projekte der Vordenker, andererseits das Veranstalten zukunftsweisender Tagungen wie im Februar „Holz verbindet“ und schließlich das neue Mechatronikstudium und generell Bildungsinitiativen für den und im Bezirk.

Abschließend verwies Reinhard Lobenwein noch auf ein Projekt, das ihm besonders am Herzen liegt. Network Osttirol, ein Projekt, bei dem „aus Ressourcen Produkte gemacht und aus den Produkten Wertschöpfung gezogen wird“.

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