Politik der Industriestaaten zwingt Menschen zur Flucht

Keine Angst vor Flüchtlingen, aber vor Hetzern. Leserbrief von Chriselda Kandler.

Seit Monaten ist das Thema Flüchtlinge täglich in den Medien und allen anderen gesellschaftlichen Bereichen präsent. 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, entweder vor Kriegen, an denen viele westliche Industrieländer durch Waffenlieferungen gut verdienen, oder vor Umwelt- und Hungerkatastrophen. Freiwillig verlässt kaum jemand seine Heimat, um sich auf die gefährlichen Wege nach Europa zu wagen.

Die Menschen, die bei uns Schutz suchen, machen mir weniger Angst, als die vielen Hetzkampagnen, die immer lauter werden. Es ist mir unbegreiflich, warum sich junge Menschen, aber vor allem viele ältere, die bereits Kriege erlebten und vielleicht auch flüchten mussten, für Politiker begeistern können, die gegen Fremde hetzen.

Warum werden nicht die Waffenlieferanten kritisiert? Zwischen 2008 und 2013 wurden österreichische Militärgüter im Wert von 18 Millionen Euro allein nach Saudi-Arabien exportiert (Standard, 18.1.2016). Würden statt der Waffen landwirtschaftliche Geräte, Bewässerungssysteme u.a. geliefert, gäbe es für viele Afrikaner vor Ort Überlebenschancen. Nicht gegen die 60 reichsten Personen, die mehr Eigentum besitzen, als die restliche Weltbevölkerung (TT letzter Woche) sprechen sie sich aus. Aber gegen arme, ausgehungerte, schutzsuchende Menschen und all jene, die sich für sie einsetzen, wird lauthals gehetzt.

Es sind die großen Ungerechtigkeiten westlicher Industriestaaten, die vielen Menschen in ihren Ländern keine Überlebenschancen lassen. Verarmte Bauern und arbeitslose Menschen erhoffen sich in den hochentwickelten Ländern eine bessere Zukunft. Warum fördert die EU Unternehmen, die in Afrika oder Osteuropa, Ländereien „kaufen“, um billige Rohstoffe, wie Getreide für Agrosprit in Europa zu produzieren? Gewinne dürften nicht in Steueroasen geparkt werden sondern müssten im Land Verwendung finden. Nur die wirkungsvolle Behandlung der Ursachen von Flucht führt zu einer dauerhaften Lösung.

Was Hetzkampagnen bringen, haben die Kriege des vergangenen Jahrhunderts gezeigt. Wohin werden wir flüchten, wenn wir uns nicht rechtzeitig vor solchen Politikern schützen, die keine brauchbaren Vorschläge einbringen, aber ihre Hetztiraden verbreiten?

„Was du nicht willst das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!“

Chriselda Kandler, Bannberg

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4 Postings bisher
solo11 vor 2 Jahren

Die Politiker,die von uns gewählt wurden haben ja nix zu sagen.Das große sagen haben jene die von niemanden gewählt wurden.Und die sitzen in den obersten Etagen der grössten Firmen und Unternehmen.Die bestimmen schon seit langer Zeit was mit uns geschieht.Die Politiker sind nur Marionetten,die die Befehle von oben ausführen.So werden wir alle schon seit Jahren gesteuert.Wird Zeit sich zu wehren.

Blitz Donner vor 2 Jahren

RECHT haben´s, Frau Kandler!

Aber leider wird´s wohl vorher die große Katastrophe brauchen, bevor die Politik und die Menschen umdenken, die in erster Linie die Möglichkeiten dazu hätten. Machtpolitisch oder finanziell, ansonsten kann eh jeder nur selbst schauen, dass man seinen Beitrag leistet, auch wenn viele meinen, was soll das helfen. Aber wenn sich das Millionen denken würden, dann wird man etwas merken, hoffentlich ist es dann nicht viel zu spät. Irgendwie bekomme ich in letzter Zeit nämlich immer mehr das Gefühl, dass die Apokalypse naht, politisch und umwelttechnisch. Vielleicht braucht der Mensch einen solchen Schock, ansonsten wird wohl einfach weiter gewurschtelt, in der Hoffnung, dass es sich noch irgendwie ausgehen kann!

nanny vor 2 Jahren

Selbstverständlich ist alles ungerecht, Waffen- und sonstige Gewinner und die USA, die politischen Mist gebaut hat mit ihren Anzetteleien in den jetzt zerfallenden Staaten. Aber: können wir in Europa - und da auch wieder nur einige Staaten - wirklich die Abermillionen Menschen, die auf der Flucht sind, verkraften? Das obere Luxussegment der Menschen in Wirtschaft, Politik usw. wird ja nicht behelligt. Aber der Normalbürger bekommt schon langsam Angst, nicht unberechtigt. Unsere Systeme von Bildung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, Wohnungsmarkt usw. sind nicht unbegrenzt dehnbar. So schön viele Initiativen zur Integration von Flüchtlingen sind - es werden davon nur ein Bruchteil aller Flüchtlinge erfasst, der Rest sammelt sich in Massenquartieren. Und noch immer mehr und mehr dazu??? So sieht es aus.

F_Z vor 2 Jahren

Sehr geehrte Frau Chriselda Kandler, ich stimme ihnen grundsätzlich zu, aber bitte übertreiben sie nicht zu sehr.

hier nur die Unstimmigkeiten die mir beim 1. Lesen aufgefallen sind:

Saudi Arabien gehört geografisch nicht zu Afrika

Der Export von landwirtschaftliche Geräte um 18 Mio. nach Saudi Arabien würde vor Ort wohl nicht viel ändern. Österreich hat 2014 Waren im Wert von 716,7 Mio. nach Saudi Arabien geliefert - die bedeutendsten Warengruppen dabei waren: mechanische und elektrische Industriemaschinen, Beleuchtungskörper, Spezialfahrzeuge, Pharmazeutika, Waren aus Eisen und Stahl, … Und was die Saudis mit Bewässerungssystemen machen ist auch nicht immer sehr sinnvoll - ich rate in dem Zusammenhang nach der " Al Safi Farm" zu googelen - in der übrigens Bewässerungstechnologie aus Osttirol zum Einsatz kommt.

Den 62 reichsten Menschen gehört so viel wie der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung.