Weltkulturerbe: Der Carneval von Oruro

In Bolivien wird mit „Challas“ und „Entradas“ gefeiert.

Die Bolivianer nehmen den Karneval ernst und in diesen Festtagen wird der Synkretismus aus andiner Tradition und kolonialer Kultur besonders deutlich. Am Faschingsdienstag wird eine „Challa“, ein Ritual zu Ehren der Pachamama – der Mutter des Kosmos – organisiert. Am Samstag davor findet der traditionelle „Carnaval de Oruro“, ein Festumzug in der auf 3.700 Metern gelegenen Bergbaustadt Oruro, statt.

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Der Carneval in der 3700 Meter hoch gelegenen Bergbaustadt Oruro wurde 2008 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt.

Dort formieren sich tausende Menschen zu einer „Entrada“, einem Festumzug zu Ehren der Jungfrau vom Socavón, die von den Bergarbeitern verehrt wird. Die Feier des Karnevals stammt aus der Kolonialzeit, aber schon vorher wurden zu dieser Zeit des Jahres „Kraftplätze“ rund um Oruro, die in versteinerter Form einen Frosch, eine Schlange und Ameisen darstellen, besucht. Auch heute noch besuchen die Pilger der „Entrada“ diese Plätze, auch wenn die Bitten, die sie an die versteinerten Wesen richten, sich verändert haben.

Die „Entrada“ besteht aus einem Umzug über eine Strecke von vier Kilometern, von der Plaza bis zur Kirche der Jungfrau vom Socavón. Die Menschen legen diese Strecke tanzend zurück. Die Tänze sind symbolträchtig. In der „Diablada“ tanzen Teufel und Engel, den Kampf zwischen Gut und Böse darstellend. Es wird vermutet, dass der Tanz eine Adaptierung vorkolonialer Rituale an christliches Gedankengut darstellt.

Die "Entrada" wird mit symbolträchtigen Tänzen zurückgelegt, manche sind indigenen Ursprungs, andere adaptieren vorkoloniale Rituale an christliches Gedankengut.
Die „Entrada“ wird mit symbolträchtigen Tänzen zurückgelegt, manche sind indigenen Ursprungs, andere adaptieren vorkoloniale Rituale an christliches Gedankengut.

Manche Tänze sind eine Stilisierung indigener Kultur, wie zum Beispiel der „Tinku“, der ein andines Kampfesritual darstellt. Neueren Datums sind Tänze wie der „Caporal“ oder die „Saya“, die die Unterdrückung der indigenen und afrobolivianischen Bevölkerung durch die Kolonialherren und die lokalen Handlanger der Kolonialherren darstellen. Der Karneval von Oruro wurde 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Am Faschingsdienstag wird in einer „Challa“ der Pachamama gedankt und es werden Bitten vorgebracht. In diesem Ritual werden in den Häusern, um das Gutdünken der Pachamama zu erbitten, alle Ecken mit Bier und Konfetti bedacht. Es wird gemeinsam gegessen, oftmals der traditionelle „Puchero“, und in einem tönernen Teller wird eine Portion für die Pachamama in der Erde vergraben. Viele Menschen bringen auch ein Feueropfer dar: Cocablätter und Zuckerfiguren, die die Wünsche für das kommende Jahr darstellen, werden verbrannt. Und das Element Wasser darf nicht fehlen: Mit Spritzpistolen und Wasserballons lauern vor allem Kinder an jeder Straßenecke.

Die "Challa" ist ein Ritual zu Ehern de "Pachamama" – der Mutter des Kosmos.
Die „Challa“ ist ein Ritual zu Ehren der „Pachamama“ – der Mutter des Kosmos.

Ohne Zweifel wird im Carneval auch besonders viel Alkohol getrunken. Die Feierlichkeiten beginnen eigentlich schon zwei Wochen vor dem Faschingswochenende, mit einer Fiesta für die „Compadres“, und eine Woche später einer Feier für die „Comadres“. Compadre oder Comadre ist, wer Taufpate eines Kindes ist – er oder sie ist wörtlich übersetzt der „Mit-Vater“ oder die „Mit-Mutter“. Diese erweiterten Familienbande sind in Bolivien noch immer sehr wichtig und bestimmen nicht nur das Familien- sondern auch das Geschäftsleben.

Also: Es lebe der bolivianische Karneval! Und wenn nicht gerade die Zufahrtsstraßen nach Oruro von wütenden Bürgern blockiert werden – wie dieses Jahr geschehen – macht Oruro mit seiner „Entrada“ das Geschäft des Jahres.

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