Auf 15 Kinder kommen im EKIZ drei Betreuerinnen. Foto: Ramona Waldner

Auf 15 Kinder kommen im EKIZ drei Betreuerinnen. Foto: Ramona Waldner

25 Jahre Eltern-Kind-Zentrum in Lienz

EKIZ-Leiterin Bärbel Ebner erzählt wie alles begann und was sich geändert hat.

Zum 25. Jubiläum des Eltern-Kind-Zentrum Lienz (EKIZ) sprach dolomitenstadt.at mit der Leiterin Bärbel Ebner über den Sozialverein, seine Entstehung und das veränderte Familienbild der heutigen Zeit.

Hallo Bärbel, vielen Dank, dass du dir für mich Zeit nimmst. Ich bin unten nur ganz knapp einer Schneeballattacke entkommen.
(lacht) Ja, da kannst du von Glück reden. Die Kinder lieben natürlich den Schnee!

Ich hab ein bisschen herumgefragt und recherchiert, bevor ich hergekommen bin und habe den Obmann des Vereins, Robert Kovacic, gefragt, was ich seiner Meinung nach schreiben soll. Er meinte, ganz egal, Hauptsache es wäre erwähnt, dass du das Herz und die Seele vom EKIZ bist.
Achje, den muss ich gleich anrufen um ihn zu schimpfen. (lacht) Das stimmt so sicher nicht, wir haben hier ein wirklich unglaubliches Team, die Stimmung ist so gut und alle arbeiten mit vollem Herzen für die Familien und die Kinder. Ich könnte das alleine niemals, vor allem liegt meine Kernkompetenz in der Arbeit mit den Eltern und nicht in der Arbeit mit den Kleinsten.

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Bärbel Ebner ist die Leiterin und die Seele des Eltern-Kind-Zentrums in Lienz. Foto: Dolomitenstadt/Kofler

Wie ist das EKIZ entstanden und wie bist du dazugekommen?
Anfangs war ich Kundin, ich war schwanger mit meinem ersten Kind und zur Geburtsvorbereitung und nachher in der Stillgruppe im Eltern-Kind-Zentrum. Damals war das noch in Debant, winzige Räumlichkeiten, aber eine tolle Erfahrung für mich als Jungmama. Schon bald fing der damalige Verein an, ein wenig zu bröckeln und plötzlich war kein Raum mehr da, kein Geld und keine Vereinsobfrau. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen kann, die Geburtsvorbereitung zu leiten, weil ich diplomierte Krankenschwester bin. Ich habe dann recht schnell zugesagt und begleitend die Ausbildung zur „Referentin für Geburtsvorbereitung und frühe Elternarbeit“, damals noch in Südtirol, absolviert.

Ihr habt den Verein neu gegründet?
Ja, mein Mann war recht schnell im Vorstand aktiv und ich habe eben zwei bis drei Geburtsvorbereitungskurse pro Woche angeboten. 1994 habe ich dann den Posten der Vereinsobfrau übernommen. Anfangs haben alle ehrenamtlich gearbeitet. Rückblickend war das eigentlich ein wenig verrückt. Bei unseren Vorstandssitzungen hatte immer irgendwer ein Stillkind, größere Kinder tollten durch den Raum, jemand musste immer irgendwie gewickelt, gefüttert oder getröstet werden.

Hört sich für mich ziemlich chaotisch an, war es das?
Ich habe es damals nicht so empfunden. Es war normal, das war eben unser Leben zu der Zeit, wir hatten alle kleine Kinder und wir wollten eben alle, dass es das EKIZ weiterhin gibt, ich glaube, das war einfach gelebte Elternarbeit mit ganz viel Idealismus und einem gemeinsamen Kampf für die Sache. Alles immer noch ehrenamtlich.

Wie wurde das heutige Eltern-Kind-Zentrum daraus?
Uns ist der sehr schwierige Übergang vom Ehrenamt zum professionellen Betrieb gottseidank geglückt. Wir wollten Anstellungsverhältnisse für die Frauen mit sozialer und arbeitsrechtlicher Absicherung erreichen. Ich bin fest davon überzeugt, dass man für eine Sache besser brennen kann, wenn man dafür Wertschätzung erfährt. Inzwischen haben wir extrem frauenfreundliche – und damit auch familienfreundliche – Arbeitsplätze geschaffen. 30 Insgesamt. Aber wir sind auch aus einem Grund froh, dass wir nicht mehr ehrenamtlich arbeiten müssen, die Subventionslandschaft ist in Österreich derart komplex geworden, dass es für ehrenamtliche Mitarbeiter beinahe unmöglich wird, das Richtige zu beantragen.

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Foto: Ramona Waldner

Aus welchen Bereichen kommen eure MitarbeiterInnen?
Eigentlich aus drei großen Bereichen. Dem pädagogischen, das sind dann Erzieherinnen und Kindergartenpädagoginnen etwa. Aus dem medizinischen, Hebammen, Stillberaterinnen usw. Aber auch aus dem sozialen Bereich, diese Kolleginnen sind hauptsächlich beratend tätig. Nicht zu vergessen, die Tagesmütter, die seit 2012 auch bei uns im Haus sind und vom EKIZ sowohl vermittelt als auch geschult und verwaltet werden.

Seit vier Jahren betreibt das EKIZ auch einen privaten Inklusionskindergarten. Erklär uns doch bitte, was das ist.
Es gab in Lienz schon einen integrativen Kindergarten und der Vorstand dieser Einrichtung bat uns um Übernahme. Wir hatten aber weder Platz noch das nötige Know-How für den Betrieb eines Kindergartens. Es war uns aber so wichtig, dass für Lienz diese Integrativplätze erhalten bleiben, dass wir es geschafft haben, unseren Platz zu erweitern. Das EKIZ geht jetzt genaugenommen baulich über zwei Häuser. Inzwischen können wir 200 m² Kindergartenfläche und einen Betreuungsschlüssel von eins zu fünf anbieten, sprich auf 15 Kinder die wir aufnehmen können, kommen drei Betreuerinnen. So etwas geht im öffentlichen Kindergarten einfach nicht, das kann die öffentliche Hand nicht finanzieren. Auch unsere Kinderkrippe ist übrigens eine Integrationskrippe.

Generell ist die Finanzierung doch schwierig, oder? Gibt es sowas wie Mitgliedsbeitrag?
Ja, der ist 25 Euro für Familien pro Jahr. Es empfiehlt sich schon, Mitglied zu werden, da alles, was wir anbieten, für Mitglieder einfach günstiger wird. Es macht sich recht schnell bezahlt. Dann kosten eben die einzelnen Kurse, die man besuchen möchte weniger.

Was hat sich verändert in den Jahren, seit du dabei bist?
Ich glaube, es gab eine große gesellschaftliche Veränderung der Familie. Heute sind viele Formen von Familie akzeptiert, alleinerziehende Frauen, alleinerziehende Männer, Patchwork-Familien, und und und. Es gibt ganz viele Formen, die funktionieren können. Aber Familien brauchen Unterstützung. Ich glaube, Kindern geht es gut, wenn es ihren Eltern gut geht, das hat auch was mit Wertschätzung zu tun. Wenn Frauen früher arbeiten gingen, wurden sie komisch angesehen, heute ist das normal und auch gut so. Wir müssen Familien unterstützen, wie sie sind, wir müssen sie begleiten, stärken und entlasten.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Mein Traum wäre, dass das EKIZ für alle zugänglich wird und wir preisgünstige Betreuung mit hoher Qualität anbieten können. Ich hoffe auch, ich schaffe irgendwann diesen Spagat zwischen meinem hohen Qualitätsanspruch und der Möglichkeit, diesen für alle anzubieten. (lacht) Unsere Hauptzielgruppe geht vom noch ungeborenen Kind bis zum Schulanfänger und jede Familie sollte die Möglichkeit haben, zu uns zu kommen. Das wäre mein Wunsch.

Danke Bärbel, für deine Arbeit für die Familien und auch für das tolle Gespräch!

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