Der Gletscherfluss Isel und vor allem seine Zubringer sind aus der Sicht der EU-Kommission durch die derzeitige Natura 2000-Zonierung noch immer nicht ausreichend geschützt. Foto: Wolfgang C. Retter

Der Gletscherfluss Isel und vor allem seine Zubringer sind aus der Sicht der EU-Kommission durch die derzeitige Natura 2000-Zonierung noch immer nicht ausreichend geschützt. Foto: Wolfgang C. Retter

EU-Kommission sagt Natura 2000 Meeting ab

Ausweisungsvorschläge seien unzureichend. Eine Klage steht im Raum.

Während die Natura-2000-Widerstandskämpfer an der Oberen Isel in Sachen Ausweisung konkreter Schutzgebietszonen noch immer mit den Säbeln rasseln, weht aus Brüssel ein schärferer Wind in die Gegenrichtung. Laut Umweltdachverband ist das für 5. und 6. April geplante Bewertungsseminar mit Vertretern der EU-Kommission in Wien abgesagt. Dort wollte man konkret über die 80 Ausweisungsvorschläge Österreichs diskutieren. Begründet wird die Absage mit nach wie vor unzureichenden Nominierungen und mangelnder Datenqualität. Damit rückt eine Klage der EU gegen Österreich in greifbare Nähe.

„Wenngleich dieser Schritt der Kommission für uns überraschend kommt, so scheint er nicht unbegründet. Aufgrund der vorliegenden Daten bleiben Lücken im Schutzgebietsnetzwerk, die trotz besseren Wissens nicht geschlossen wurden. Insbesondere betrifft das Gebiete in Tirol und der Steiermark“, erklärt Franz Maier, Präsident des Verbandes. Laut TT soll es ein geharnischtes Schreiben von EU-Umwelt-Generaldirektor Franz Vassen geben. Tirol sei demnach zwar nicht Auslöser der Kritik, aber doch mit Versäumnissen konfrontiert, darunter Mängel bei der Abgrenzung der Natura 2000-Zonen entlang der Isel und ihrer Zubringer.

Damit ist fast schon vorprogrammiert, dass es zu einem Aufflammen der Diskussion rund um den Kalserbach, die Schwarzach und den Tauernbach kommen dürfte. An diesen Bächen sind nach wie vor Kraftwerksprojekte geplant, die bei einer Ausweitung der Zonen nur schwer realisiert werden könnten. Die Verschärfung der Natura-2000-Fronten kommt zu einer Zeit, in der bereits konkrete Pläne und Maßnahmen zur naturnahen Belebung der künftig geschützten Isel auf dem Tisch liegen und die Stimmung vor allem im Unterlauf des Flusses von Abwehr in Aufbruch umschwenkt. Erst im Februar hatten vier Bürgermeister an der „Vorderen Isel“ sehr plakativ eine Deklaration zum Schutz des Flusses unterzeichnet.

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7 Postings bisher
weissbrot

Muss ein Leben mit so viel Mißgunst schwierig sein! Daher ist es gut für die Matreier Liste, 6 weitere lange Jahre auf der harten Oppositionsbank Platz nehmen zu müssen.

Ornithologe

Jetzt weiß ich endlich, warum sich der „Kuenzsche Waldkauz“ ( Strix aluco kuenzis) so für Natura 2000-Nominierungen in anderen Osttiroler Regionen außerhalb Dölsachs - ganz im Sinne des „Floriani-Prinzips“, am liebsten in Prägraten, Virgen oder Matrei engagiert.

Bin im Netz fündig geworden und habe mir dazu das Kurzprotokoll vom 5.9. 2001 „einer Rettungsaktion des Eremitenkäfer-Vorkommens in der Historischen Eiche bei Baiersdorf“ (Report of the leather beetle“s rescue from a broken oak) angeschaut. Dort wird pathetisch berichtet: „The safe handling of the broken leather beetle oak is reported. What was found within the rotten wood is listed.... Ein Begang des zuständigen Revierbeamten mit einem Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde bereitete die Verkehrssicherungs- und Käferrettungsaktion vor... Beim Abtragen der Krone wurden bereits im Starkastbereich große Faulstellen gefunden. Im Arbeitskorb konnte der Biologe Udo Pankratius bereits einen alten Brutplatz eines Waldkauzes (!) mit drei Eiresten aus verschiedenen Jahren sowie die ersten Eremitenkäferlarven finden, fotografieren und bergen...Die Baumpflege-Arbeiten verzögerten sich zunehmend, da beim Stammabtragen aus jedem zu Boden fallenden Stück erst die Käferlarven geborgen werden mussten, bevor am Baum weitergearbeitet werden konnte. Außerdem wurden sämtliche gefundenen Chitinteile eingesammelt, um später eine Artbestimmung zu ermöglichen...Die 230 geborgenen Käferlarven sind mit Mulm in einem abgesägten Stammstück zwischengelagert und sollen zu Populationsstützungsmaßnahmen eingesetzt werden... “Jetzt wissen wir“s endlich, um was es hier wirklich geht: Der „Kuenzsche Waldkauz“ (Strix aluco kuenzis) steht an der Spitze der Nahrungskette (das ist bekanntlich die Geschichte vom Fressen und Gefressenwerden...) im Dölsacher Streuobstwiesen-Mikrokosmos-Biotop und würde wohl seine wichtigste Futtergrundlage verlieren, wenn das nach wie vor von der EU vermutete bzw. noch vor wenigen Jahren dort nachgewiesene Vorkommen von „Osmoderma eremita“ (als prioritäre FFH-Art !) unter Natura 2000-Schutz gestellt würde: Mit dem reichlichen Speiseplan für „Strix aluco kuenzis“ wäre es dann wohl vorbei...Eine abenteuerliche Geschichte?

Ich glaube eher nicht, da die EU-Kommission auch den potentiellen Lebensraum des Eremitenkäfers in Dölsach eingemahnt hat und auch bei dieser prioritären Art nach der FFH-Richtlinie nicht locker lassen wird...Und übrigens, Waldkauz: Der Lebensraumtyp 3230, mit der deutschen Tamariske als Schutzgut, ist kein prioritärer...

MeineMeinung

Wo ist denn der in der Fachwelt berühmte Dölsacher Eremiten-Käfer aus den Streuobstwiesen hin verschwunden? Vor wenigen Jahren konnte er doch noch nachgewiesen werden. Hams den vielleicht „weggespritzt“ und mit was oder was?

Ornithologe

Der Kuenz soll mal besser schauen, dass der gleichfalls von der EU eingemahnte Eremiten-oder Juchten-Käfer („Osmoderma eremita“) in den Dölsacher Obstgärten nachnominiert wird: Das ist nämlich auch einer der rund 35, nach der FFH-Richtlinie „steckbrieflich“ gesuchten Arten und Lebensraumtypen, bei deren Nominierung Tirol säumig ist! Dafür genügt im Europäischen Netzwerk „Natura 2000“ schon ein vermutetes Vorkommen: Brüssel fragt auch hier nach wissenschaftlichen Nachweisen, dass es diesen berühmten Käfer in Osttirol nicht mehr gibt!

    Osttiroler..

    Eremitenkäfer? Da schau her, wieder so ein Fall für CSI „Tamariske“ oder vielleicht besser die PI Dölsach?

Waldkauz

Wieder einmal eine schwere Niederlage für A. Köll. Er läuft Gefahr sein so sehr herbeigesehntes Tauernbachkraftwerk entgültig ad acta legen zu müssen. Ich bin schon gespannt ,wann die Erlöse aus den Grundverkäufen der Gemeindegutsagrargemeinschaft Gschildalm an die Tiwag endlich ins Gemeindebudget fließen werden. Eine erhebliche Summe die dazu dienen sollte ,die Gemeindeabteilung des Landes zu besänftigen . Unter diesen Umständen wird sich das Landesunternehmen Tiwag eine Investition in ein Tauernbachkraftwerk gründlich überlegen .Damit ist auch der asphaltierte Radweg fast bis auf die St. Pöltener Hütte, die Zufahrt nach Gruben- Berg , das Umspannwerk Gruben und vorallem das Matreier Gemeindebudget in Gefahr. Spielt aber wahrscheinlich auch keine Rolle. Ein paar Milliönchen Schulden mehr oder weniger haben AK noch nie Kopfzerbrechen bereitet und alle Behörden schauen diesem Spiel machtlos zu!

    Iseltaler

    Kauziger Kautz aus dem nächtlichen „Kuenz-Tamarisken-Wald!“ Habe noch keine „schwere Niederlage von A. Köll“ erkennen können, schon gar nicht „wieder einmal“, was sich bei H. Kuenz genau gegenläufig verhält: Wenn jemand wissenschaftlich-fachliche Probleme mit der Generaldirektion Umwelt bei Natura 2000 haben wird, so wird dies das zweite, von Kuenz und Felipe so forcierte Gemeinde-Kraftwerk am Kalserbach sein, welches mitten im größten „Tamarisken-Wald“ geplant worden ist! Fast die Hälfte aller festgestellten Osttiroler Tamarisken-Bestände befinden sich dort, rund 14 Hektar oder 140.000 Quadratmeter! Nur ein Teil davon wurde von der Tiroler Landesregierung - völlig EU-rechtswidrig - nach Brüssel gemeldet, das wissen die Experten in Brüssel und alle österreichischen NGOs genau.

    Am Tauernbach - im Einzugsbereich des geplanten TIWAG-Kraftwerkes und für ganz Osttirol so wichtigen APG-Umspannwerkes - befinden sich hingegen exakt 0,0 Quadratmeter an wissenschaftlich festgestellten Flächen des eingemahnten Lebensraumtyps 3230 „Alpine Ufergehölze mit Deutscher Tamariske“: Die einzigen erfassten Bestände dieses Schutzgutes im gesamten Tauerntal liegen nicht am Tauernbach, sondern am Froßnitzbach und betragen nicht einmal ein Promille (nicht Prozent!) aller Tamarisken-Flächen am Kalserbach! Wenige hundert Quadratmeter im Matreier Talkessel - am Ausgang der Proßegg-Klamm - sind in diesem Zusammenhang überhaupt nicht relevant, da die Dynamik einer Schluchtstrecke Tamarisken-Ansiedelungen nicht berücksichtigt: Im Übrigen gibt es im Osttiroler Villgratental, aber auch im Nordtiroler Ötztal oder Zillertal weit mehr Tamarisken, als im gesamten Matreier Tauerntal!

    Wenn also jemand Probleme mit dieser jüngsten „Mitteilung“ von Dr. Frank Vassen aus der Generaldirektion Umwelt in Brüssel hat, dann wird das mit Sicherheit nicht der Matreier Bürgermeister Dr. Andreas Köll sein: Dessen stets unmissverständlich vertretene Rechtsmeinung, dass Natura 2000 ausschließlich wissenschaftlich-fachlich, aber nicht aus wirtschaftlichen oder sozialen und schon gar nicht aus politischen Perspektiven beurteilt werden darf, hat sich einmal mehr eindrucksvoll bestätigt: „Niederlagen“ sehen anders aus und das ist mit Sicherheit nicht der Stoff, aus dem die Träume im Kuenzschen Umfeld sind...