Von links: Johannes Angermann, Frieda Kleinlercher, Sebastian Huber und Mario Tomic, der der alten Dame den Spendentopf als Siegespreis überreichte: "Damit kann ich mein karges Taschengeld aufbessern", meinte dazu gut gelaunt die Altenheim-Poetin.

Von links: Johannes Angermann, Frieda Kleinlercher, Sebastian Huber und Mario Tomic, der der alten Dame den Spendentopf als Siegespreis überreichte: "Damit kann ich mein karges Taschengeld aufbessern", meinte dazu gut gelaunt die Altenheim-Poetin.

Poetry Slam: Und wieder ein Sieg der alten Dame

Frieda Kleinlerchers Altenheim-Stories ließen ihre Mitstreiter alt aussehen.

Beim inzwischen 6. Poetry Slam in der Stadtbücherei Lienz konnte sich bereits zum zweiten Mal die Lienzer Seniorin Frieda Kleinlercher durchsetzen und den Slam gewinnen. Moderator dieses Abends war der Grazer Text-Profi Mario Tomic, der zum ersten Mal in Lienz slammte. Obwohl die Bücherei bis zum letzten Platz mit Zuhörern gefüllt war, konnten sich letztlich nur drei Poeten entscheiden, beim eigentlichen Slam mitzumachen: Frieda Kleinlercher, Sebastian Huber sowie Johannes Angermann.

Kleinlercher war als Erste an der Reihe und holte gleich mehrere Lacher mit einem heiteren Text zu ihrem Alltag im Altersheim – Männer mit Haaren? Gibt’s da nicht. Sebastian Huber, der ganz spontan mitmachte, schrieb schnell noch vor seinem Vortrag einen kurzen Text zum Thema Freiheit, der beim Publikum auch gut ankam. Johannes Angermann entschied sich dazu, komplett frei zu improvisieren. Er hatte mit Frieda Kleinlercher auch am vorangegangenen Workshop teilgenommen. Angermann war der erste Poet in der Stadtbücherei Lienz, der es schaffte, die drei einzigen Regeln, die es für Poetry Slams gibt (keine Requisiten, nicht singen und nicht verkleiden) auszuhebeln und zu brechen. Sowas gab es noch nie, sorgte im Publikum für viel Gelächter, wurde aber letztlich bei der Punktevergabe bestraft.

In der zweiten Runde überzeugte Frieda Kleinlercher neuerlich mit einem Text aus ihrem Alltag, es ging um ihr monatliches Taschengeld und eine kaputte Hose des Briefträgers, die sie bezahlen musste. Sebastian Huber konterte mit einem weiteren spontanen Kurztext und Angermann improvisierte wieder. Letztendlich entschied das Publikum sich für Frieda und sie bekam den prall gefüllten Gabentopf. „Das kann ich gut brauchen!“ lautete ihr Kommentar, könne sie doch mit diesem Gewinn ihr mageres Taschengeld gut aufbessern.

Voller Saal und viel Applaus, doch leider nur drei heimische Poeten beim Karfreitagsslam in der Stadtbücherei. Fotos: Brunner Images

Mario Tomic gab anschließend noch einige seiner eigenen Texte zum Besten und so war es für die Zuhörer ein lustiger und unterhaltsamer Abend, auch wenn sich die Veranstalter mehr Poeten im Ring gewünscht hätten. Vielleicht ist der Andrang nächstes Mal größer, wenn im Juni Mieze Medusa einen Poetry Slam und Workshop in der Stadtbücherei moderiert.

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