27 Cent erhalten Bauern derzeit für einen Liter Milch. Ein Preis, der existenzbedrohend ist. Foto: Ramona Waldner

27 Cent erhalten Bauern derzeit für einen Liter Milch. Ein Preis, der existenzbedrohend ist. Foto: Ramona Waldner

Milchkrise – Land übernimmt Zinsen der Bauern

Milchpreis von 27 Cent sei „schlicht und ergreifend zu wenig“.

Mit einem heute beschlossenen Hilfspaket will die Tiroler Landesregierung den Bauern unter die Arme greifen, weil der Milchpreis auf 27 Cent pro Liter Milch abgesunken ist. Das sei „schlicht und ergreifend zu wenig“, meinte Landeshauptmann Günther Platter nach der Regierungssitzung.

Die Lage sei nicht so dramatisch wie in Deutschland, wo nur noch 20 Cent pro Liter bezahlt werden, doch könne sich die dortige Entwicklung auch auf Österreich ausweiten. Im März 2014 erhielten Milchbauern noch 46 Cent brutto. Jeder dritte in der Tiroler Landwirtschaft erarbeitete Euro stammt laut dem zuständigen Landesrat Josef Geisler aus der Milchwirtschaft: „Die Lage ist ernst. Wir brauchen in Tirol aber auch in Zukunft Viehhaltung, sonst können wir die Almen zusperren.“

Um den Milchviehbetrieben kurzfristig zu helfen, übernehmen der Landeskulturfonds und das Land Tirol im Jahr 2016 die Zinsen für laufende Agrarinvestitionskredite. Rund 80 Prozent der laufenden Agrarinvestitionskredite in Tirol hat der Landeskulturfonds vergeben, der Rest wird von den Banken abgewickelt. Der Landeskulturfonds greift den Bäuerinnen und Bauern damit heuer mit rund 640.000 Euro unter die Arme, das Land Tirol übernimmt Zinszahlungen in der Höhe von 130.000 Euro.

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

10 Postings bisher
Hot doc vor 1 Jahr

Interessant ist, dass ich jetzt bei allen Postings zustimmen kann, es liegt wirklich das Problem am System. Durch fehlende Verarbeitungsbetriebe in Osttirol wird das Urprodukt, hier die Milch, nach Wörgl bei anderen Bauern die Äpfel nach Haiming geliefert und dort verarbeitet. Damit wird jegliche Herkunft verwischt, die Waren wird mit langen Transportwegen nach Osttirol geliefert und der Konsument kennt sich nicht mehr aus, was zum Teil ja so gewollt ist.

Ich als Konsument greife immer zu heimischen Produkten, erwarte es aber auch von den Bauern selbst, dass Sie nicht beim Hofer oder Liedl einkaufen und uns dazu animieren heimisch einzukaufen zu gehen.

Ich würde auch versuchen die Bauern in der Hinsicht zu fördern, dass Sie Heumilch oder Biomilch produzieren, dort gibt es ja noch einen Markt., hier sollen Förderungen fließen.

Bergan vor 1 Jahr

Seit dem EU-Beitritt müsste eigentlich jedem klar sein, dass das mit der Milchproduktion so nicht weiter gehen kann. Was lernen eigentlich die angehenden Bauern in den Landwirtschaftlichen Schulen von der Wirtschaft: von einem Produkt immer mehr zu erzeugen, das nicht genug abwirft? Aber so lange unsere Bauern teure Maschinen ankaufen können, die 350 Tage im Jahr irgendwo stehen und vor sich hin rosten, geht es ihnen nicht schlecht. Wie lange sich das noch ausgeht, dass man Überproduktion mit Steuermitteln unter dem Deckmantel der Landschaftspflege stützt, weiß niemand. Noch regiert der Bauernbund.

Instinktivist vor 1 Jahr

Bleiben wir mal nur bei der Milch... Jetzt nehmen hier ja irgendwie alle die Bauern so nett in Schutz, aber ich frage mich ob diese denn gezwunmgen werden an Berglandmilch zu verkaufen? Nein? Also warum machen sie es dann? Ist es nicht so, dass es ihnen lieber war ihre gesamte Milch loszuwerden und dafür auch einen geringeren Preis in Kauf genommen haben!? Sie waren damals wahrscheienlich auch der Meinung, dass der nette Herr von der damaligen Osttirol-Milch derjenige ist der den Preis bestimmt... leider weit gefehlt. Das war dann wohl doch etwas kurzsichtig, denn in Wahrheit ist es heute egal mit wem ich verhandle, denn die Preise geben die ganz großen Fische vor (Nestlé und Co.) und somit stützt das Land mit diesen Krediten ja indirekt auch wieder diese großen Fische. Diese können mit ihrer Preispolitik weitermachen wie bisher und bekommen die Milch auch noch zu den von ihnen diktierten Konditionen. Stellt euch vor ihr habt eine Molkerei und keiner bringt was hin. Jeder verkauft direkt - was würde sich ändern? Der Erzeuger verdient besser und einige Manager braucht es nicht mehr - ganz blauäugig überlegt!! Die Frage für mich ist nur: gibt es in Osttirol überhaubt noch genug Milch? Wie viel wird produziert und wie viel wird konsumiert? Meine bescheidene Meinung ist halt, wenn ich lieber liefere als selbst zu vermarkten (weil zu aufwendig), dann muss ich mit dem Preis leben der gezahlt wird...

karli8 vor 1 Jahr

Die Lösung ist ganz einfach: Milch direkt beim Bauer holen, dort kanst einen akzeptablen Preis zahlen und er bekommt ihn auch. In Osttirol ist das noch ganz einfach eigentlich. Einfach nur gegen Konzerne und die schlimme Krise jammern hilft recht wenig.

holzwurm vor 1 Jahr

Die Bankenkrise lässt grüßen. Wir übernehmen die Kosten, damit die Konzerne ihre guten Gewinne weiterhin einstreifen können. Und den Bauernvertretern im Land ist ein Schulterklopfer von zwei Seiten garantiert. Von den Bauern und von den Weiterverarbeitern. Herz, was willst du mehr?

boarium vor 1 Jahr

Hm, fragen wir mal ganz naiv, aner dennoch ehrlich wissbegierig: vor zwei Jahren gab es 47 Cent, jetzt 27 für die Bauern. Am Literpreis im Laden hat sich (gefühlt) nichts geändert, € 0,95-1,10 für Produkte aus Tirol oder Kärnten. Wohin gingen die 20 Cent? War es früher nicht kostendeckend für Abfüller?

chiller336 vor 1 Jahr

solange die konsumenten immer zum billigsten produkt kaufen, wird sich beim milchpreis nur was nach unten ändern .... deshalb sollten eigentlich alle auf qualität schauen und damit auch mit etwas höheren preisen unsere milchbauern unterstützen

    ManD vor 1 Jahr

    Hallo Chiller - dann müsste jetzt aber die Milch aus Tirol 20 Cent billiger sein, oder die 20 Cent werden von der Tirol Milch extra abkassiert ? Wo ist dann der Sinn wenn ich mehr bezahle, aber der Bauer doch nicht mehr bekommt ? Oder liege ich da falsch ?

      chiller336 vor 1 Jahr

      naja bevorzugt wird zb milch beim discounter eingekauft - lidl, hofer usw - wo der liter milch ja wesentlich weniger kostet. nun muss man aber dazusagen, dass diese milch auch in österreich produziert und abgefüllt wird, siehe zb milbona. und wenn beim lidl 1 liter milch nur mehr 79 cent kostet oder wie in deutshcland bei lidl sogar nur mehr 59 cent, dann weiss man, wen die hunde beissen - und es werden sicher nicht die molkereien bzw abfüller sein. die milchkontigente hätte man nicht auflösen sollen und im endeffekt beisst sich so die katz in den schwanz ..... um dann mit der menge kostendeckend zu wirtschaften - vor allem große landwirtschaften - entsteht dann ein überangebot, welches den milchpreis dann wieder drückt - ein teufelskreis

    tauernwind vor 1 Jahr

    Tirol Milch (= Bergland Milch) produziert für zig andere Marken von billig bis teuer, wie soll man da vertrauen haben das wirklich Qualität drinnen steckt ? - kommt doch letztendlich alles aus dem gleichen Tank.

    Wer wirklich Qualität will kann bei uns jederzeit direkt bei div. Bauern die Milch holen, da findet man auch genügend die z.B. komplett auf Silage verzichten.

    Existenzbedrohend ? Natürlich wenn ich mir einen Riesenstall für eine unmenge Kühe baue und die Rückzahlung teils mit dem Milchgeld als quasi Selbstläufer betrachte wird´s jetzt eng.