Früher hatte Johanna Klinar Angst vor Wasser. Doch dann entdeckte sie die Schönheit der Unterwasserwelt. Fotos: Johanna Klinar

Früher hatte Johanna Klinar Angst vor Wasser. Doch dann entdeckte sie die Schönheit der Unterwasserwelt. Fotos: Johanna Klinar

Tauchen im tiefblauen Meer – schlafen unter dem Sternenzelt

Johanna Klinar hat eine besondere Lebensgeschichte und eine spezielle Leidenschaft.

Am 14. Juni um 19.30 Uhr wird Johanna Klinar in der Stadtbücherei Lienz einen Lichtbildervortrag halten. Wir trafen die passionierte Unterwasserfotografin zum Gespräch über ein Leben voller schöner Bilder und Momente.

Johanna, danke, dass du Zeit für mich hast. Ich bin inzwischen ein großer Fan deiner Arbeit.
(lacht) Ja, super, vielen Dank, dass ich herkommen durfte.

Erzähl uns doch einfach kurz, wie man Unterwasserfotografin wird.
Weißt du, als Kind hatte ich sogar eine Wasserphobie, ich habe mich so gefürchtet, dass ich nicht mal schwimmen konnte. Bis ich etwa 20 Jahre alt war, bin ich immer nur mit einem Gefühl der Panik ins Wasser. Dann war ich Volksschullehrerin in Goldegg im Pongau, erst da habe ich gelernt, ohne Angst zu schwimmen. Und mit etwa vierzig habe ich mich dann auch getraut zu tauchen (lacht wieder, sie ist überhaupt sehr fröhlich).

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Johanna Klinar kommt am 14. Juni nach Lienz in die Stadtbücherei.

Wie kam es dazu?
Das war in Griechenland, ich wollte einfach unbedingt sehen, was da so unter der Wasseroberfläche noch alles los ist.

Und dann hast du es gleich fotografiert.
Nein, ich habe immer schon Naturfotografie gerne gemocht. Angefangen habe ich allerdings mit einer Einwegkamera, kennst du die noch? (…ich kann mich dunkel erinnern, eine Wundertüte als Fotoapparat getarnt). Da konnte man sich die Kamera inklusive Film kaufen und auch so zum Entwickeln wieder ins Geschäft bringen. Sehr abenteuerlich, weil man nie wusste, ob überhaupt eines der Fotos was geworden ist. Einige Jahre später habe ich mir dann eine Unterwasserkamera gekauft, auch immer noch analog und zum 50er hab‘ ich dann endlich ein richtiges Objektiv bekommen. Damit haben sich völlig neue Welten aufgetan.

Und seither ist es für dich die Unterwasserfotografie?
Schau, ich bin gerne im Wasser. Seit ich mich nicht mehr fürchte überhaupt (und sie lacht wieder ihr ansteckendes, fröhliches Lachen). Ich tauche noch vor dem Frühstück und wann immer ich Lust habe. Apnoe übrigens, auf Iraklia gibt es keine Tauchbasis.

Erzähl uns von Iraklia!
Es ist eine ganz kleine Insel, ca. 18 km² groß, eineinhalb Stunden mit der Fähre von Naxos entfernt. Es leben etwa 100 Menschen dort, im Sommer sind es in der Hochsaison zwei- bis dreihundert. Ich fahre seit 26 Jahren dorthin, es ist einfach meine kleine Welt.

Hast du eine Wohnung auf der Insel oder wohnst du bei Freunden?
Weißt du, ich wohne im Hotel der 100.000 Sterne.

Ah schön, draußen, campen.
Naja… (sie zögert) nicht wirklich. Ich habe ein kleines Plateau gefunden, dort schlafe ich die ca. vier Wochen wenn ich auf Iraklia bin. Unter freiem Himmel, ohne Zelt, nur auf meiner Matte. Sie ist jetzt etwas dicker als früher, ich bin ein wenig älter geworden und den Luxus einer weichen Matte brauche ich jetzt schon.

Ich bin sehr erstaunt, Johanna ist vor einigen Jahren in Pension gegangen, regulär, und schläft vier Wochen im Jahr auf einer Matte unter freiem Himmel ohne jeglichen Luxus. Ihren Tee macht sie sich zum Frühstück auf heißen Steinen und mittags isst sie Tomatensalat und vielleicht mal einen Seeigel, wenn sie Lust hat.

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Johanna unterstützt auch die Schule in Iraklia.

Wir unterhalten uns noch eine lange Zeit und sie erzählt, wie sehr ihr die Menschen auf der kleinen Insel ans Herz gewachsen sind, in all den Jahren, und dass sie – wie zufällig – ein Projekt zur Unterstützung der Inselbewohner gestartet hat. Sie verkauft ihre wunderbaren Bilder als Postkarten, Kalender, usw. und der Reinerlös geht nach Iraklia. Für eine Dachreparatur der örtlichen Schule oder Papier für die Schulkinder, ein Faxgerät für den Arzt usw., usw. Im Laufe des Gesprächs erzählt sie auch vom unfassbaren Willen der Menschen auf Iraklia, auch diese Krise – die Wirtschaftskrise – zu überstehen. Trotz dem immer enger zu schnallenden Gürtel und ohne jemals zu jammern. Griechen jammern nicht, sie sind ein wenig stoisch – wie Johanna Klinar sagt.

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Am 14. Juni wird sie in Lienz zu Gast sein und im Sommer eine Ausstellung im Tirolerhof in Dölsach eröffnen. Sämtliche Erlöse aus Vorträgen, Ausstellungen und Verkäufen kommen ungefiltert in Iraklia an und werden nach Rücksprache mit Johanna Klinar dort für Projekte eingesetzt, mit der Auflage, dass auch immer ein Eigenanteil der Einheimischen zu leisten ist. „Das habe ich nicht gefordert, das hat sich einfach so ergeben“, meint Johanna Klinar und lacht.

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