Klaus Steiner aus Matrei ist auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher Mann. Doch der Schein trügt. In Wirklichkeit hat er die Obhut über ganze Heerscharen von Völkern und sorgt für das Wohl zahlreicher Königinnen. Klaus Steiner ist nämlich Imker – und als Bezirksobmann der Raiffeisengenossenschaft, Abteilung Bienenzucht, ein ganz besonders leidenschaftlicher, der für seine Honigsorten allein im letzten Jahr gleich vier Mal das Tiroler Qualitätszertifikat verliehen bekam. Eine Auszeichnung, die für absolute Spitzenqualität steht.

Da wie in vielen anderen Regionen Österreichs auch in Osttirol die Bienenzucht eine wahre Renaissance erfährt, wurde vor kurzem im Kristeinertal eine Bienenzuchtstation errichtet, in der die Imker nachzüchtungswürdige Völker vermehren.
Dolomitenstadt: Herr Steiner, als kleine Einstiegsfrage: Wie oft werden Sie im Jahr von Bienen gestochen?
Klaus Steiner: (lacht) Na ja, auch Imker werden gestochen. Man versucht sich zwar zu schützen, aber so an die zehn Stiche pro Jahr bekomme ich schon ab.
Dolomitenstadt: Erkennen die Bienen ihren eigenen Imker?
Klaus Steiner: Optisch nicht, aber durch die Art wie er arbeitet, ist ihnen der eigene Imker schon vertraut.
Dolomitenstadt: Was entfachte Ihre Leidenschaft für die Honigbienen?
Klaus Steiner: Ich war vor Jahrzehnten mit einem Kollegen Bergwandern und dieser schwärmte fortwährend von der Imkerei. Er hat mich richtiggehend inspiriert. Dann hab ich es auch versucht und inzwischen bin ich seit 28 Jahren Imker.
Dolomitenstadt: Braucht man für die Imkerei eine Ausbildung?
Klaus Steiner: Nein. Im Grunde kann jeder in seinem Garten Bienen halten. Wobei man rechtlich betrachtet zwischen dem Flugloch des Bienenhauses und der Grundstücksgrenze einen Abstand von 10 Metern einhalten muss. Ich habe das Handwerk von Grund auf gelernt. Zuerst machte ich die Grundausbildung, dann absolvierte ich die Ausbildung zum Imkereifacharbeiter und dann legte ich noch die Prüfung zum Imkermeister ab. Durch diese dürfte ich sogar Lehrlinge ausbilden.
Dolomitenstadt: Wieviele Bienenvölker und Imkereibetriebe gibt es im Bezirk Lienz?
Klaus Steiner: Aktuell haben wir 3.880 Bienenvölker in Osttirol. Und 182 Imker.
Dolomitenstadt: Und wie viele Bienen schwirren da in einem der 3.880 Stöcke herum?
Klaus Steiner: In einem Bienenstock leben so um die 30.000 Bienen, darunter eine einzige Königin und zwei bis drei Prozent Drohnen, also männliche Bienen ohne Stachel.
Dolomitenstadt: Und wie lautet dann die Aufgabenverteilung im Bienenstock?
Klaus Steiner: Die Königin ist vorrangig damit beschäftigt Eier zu legen. Zuerst muss sie zum "Hochzeitsflug" vier bis fünf Mal ausfliegen um sich von den Drohnen begatten zu lassen. Das ist auch die einzige Aufgabe der Drohnen. Ansonsten lassen die es sich gut gehen und werden von den Arbeiterinnen sogar noch gefüttert.

Dolomitenstadt: Das klingt nach einem schönen Leben.
Klaus Steiner: Das schon, allerdings geht das nur so lange gut, bis die Arbeiterinnen merken, dass es in der Natur keinen frischen Nektar mehr gibt. Sobald das der Fall ist, werden die Drohnen zum Ausgang des Stocks gejagt und dort von mehreren Bienen im Kopfbereich zu Tode gestochen. Das nennt man dann die "Drohnenschlacht".
Dolomitenstadt: Wie lange lebt so eine Biene?
Klaus Steiner: Das ist unterschiedlich. Eine Königin wird zwischen drei und fünf Jahre alt, während eine normale Biene gerade einmal 42 Tage alt wird. Mit Ausnahme der Winterbienen. Also jenen Bienen, die im August oder September zur Welt kommen. Diese leben sechs Monate lang und sorgen dafür, dass der Zyklus bestehen bleibt.
Dolomitenstadt: Was gibt eigentlich den Ausschlag, ob eine Biene Königin oder Arbeiterin wird?
Klaus Steiner: Die Futterzufuhr. Wenn ein Volk keine Königin mehr hat, werden die Larven anders gefüttert. Sobald die erste nach 17 Tagen schlüpft, steht sie als Königin fest. Da ein Bienenvolk nur eine Königin duldet, werden alle anderen Kandidatinnen getötet.
Dolomitenstadt: Das klingt sehr kriegerisch. Sind unsere Bienen doch aggressiv?
Klaus Steiner: Nein, in keiner Weise. Im Gegensatz zur Dunklen Biene, die nördlich der Alpen lebt und als aggressiver gilt, wird unsere Carnica-Biene aufgrund ihrer sanften Art sehr geschätzt. Außer es steht ein Gewitter bevor, dann reagiert auch die Carnica-Biene gereizt.
Dolomitenstadt: Herr Steiner, wie gewinnt man eigentlich den Honig?
Klaus Steiner: Nachdem die Bienen von Juni bis Juli ihren Wintervorrat an Honig gesammelt haben, entnehme ich die Waben aus dem Stock, stelle sie in eine Schleuder und lasse diese sich drehen. Durch den Schwung schleudert es den Honig aus den Waben an die Wand des Behälters und fließt dann ab.
Dolomitenstadt: Und wie viele Waben gibt es in einem Stock?
Klaus Steiner: Dass kann man halten wie man will, aber in den Tälern sind es meistens 20 Waben pro Stock. Honig wird aber nur aus 10 Waben geschleudert, weil bei uns das Bienenjahr einfach zu kurz ist um mehr Honig zu bekommen.

Dolomitenstadt: Und wie viel Kilogramm Honig gewinnt man aus einer einzelnen Wabe?
Klaus Steiner: So zwischen einem und zwei Kilogramm.
Dolomitenstadt: Aber damit nehmen Sie ja quasi den Bienen ihren Wintervorrat weg.
Klaus Steiner: Das ist richtig. Und sobald sie das merken, summt es auch schon mächtig im Bienenstock. Daher ist es wichtig die Bienen gleich zu füttern. Dafür nehmen manche Sirup und andere Zuckerwasser. Sobald sie das bekommen, beruhigen sich die Bienen schnell wieder.
Dolomitenstadt: In den Medien hört man immer wieder vom Bienensterben. Ist das auch in Osttirol ein Problem?
Klaus Steiner: Ein Grund für das Bienensterben ist das großflächige Sprühen von Pestiziden auf den Maisfeldern. Da wir im Iseltal, Defereggental, Kals und im Oberland über keine großen landwirtschaftlichen Nutzflächen verfügen, ist es bei uns nicht so schlimm. Da ist der Bereich unterhalb von Lienz in Richtung Kärnten eher betroffen. Allerdings haben wir Imker mit der Varroa-Milbe schon auch zu kämpfen.
Dolomitenstadt: Was macht die Varroa-Milbe?
Klaus Steiner: Diese Milben leben im Bienenstock mit den Bienen mit und saugen sowohl das Blut der Bienen als auch der Bienenbrut. Dadurch kommen die Bienen verkrüppelt zur Welt und verenden. Wenn das überhand nimmt, verlassen die Bienen den Stock und suchen sich ein neues Heim. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Imker untereinander gut vernetzt sind, denn es bringt nichts, wenn ich in meinem Bienenstock die Varroa-Milbe bekämpfe und den Stock pflege und plötzlich kommt ein befallenes Volk und steckt meine Bienen an.
Dolomitenstadt: Und wie bekämpft man diese Milbe?
Klaus Steiner: Mit Ameisensäure. Durch diese verendet die Milbe.
Dolomitenstadt: Herr Steiner, ist es wahr, dass sich Bienen untereinander verständigen?
Klaus Steiner: Oh ja, und zwar durch ein sehr ausgeklügeltes System. Den Rund- und den Schwänzeltanz. Dafür gibt es eigene Spurbienen, die nur damit beschäftigt sind zu spekulieren, wo ideale Blütenbestände wachsen. Dann fliegen sie im Umkreis von acht Kilometern aus und wenn sie fündig werden, kehren sie zurück. Im Stock eingetroffen, vollführen sie auf einer Wabe vor den anderen Arbeiterinnen einen Rundtanz, der nach der Sonne ausgerichtet ist und schon wissen die anderen Bienen, wo der Blütenbestand ist.
Dolomitenstadt: Und alle fliegen dann dorthin?
Klaus Steiner: Ja. Und bleiben dann solange dort, bis alles abgeerntet wurde. Bienen sind nämlich sehr blütenbeständig, wodurch man bestimmte Honigsorten wie Kirschblütenhonig gewinnen kann. Zu diesem Zweck muss man den Bienenstock nur in einen Kirschbaumgarten stellen.
Dolomitenstadt: Herr Steiner, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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