Ein großes Pferd und viele kleine Akrobatinnen

Wir waren in der Lienzer Postleite, um etwas auszuprobieren: das Voltigieren!

„Ranch Papa Django“ prangt in großen Westernstyle-Lettern über einem simplen Holztor auf dem Voltigierplatz in der Lienzer Postleite. Das Tor gewährt Valeria und mir Eintritt in die faszinierende Welt der Voltigierkunst. Wir erspähen beim Betreten mehrere talentierte Mädels (eine von ihnen gerade einmal vier Jahre alt), die sich unglaublich leichtfüßig dehnen und stretchen und Verrenkungen zeigen, von denen ich nicht einmal zu träumen wage.

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„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Dem Spruch hab ich nie viel Bedeutung zugemessen. Doch sobald die Mädchen mit ihrem Turnierwallach George einmarschieren, wird mir langsam bewusst, dass wohl wirklich etwas Wahrheit in dieser Aussage stecken könnte.

„Es ist ein Sport, bei dem es nicht nur um Leistung, sondern auch um Einfühlungsvermögen für das Pferd sowie Akrobatik, Teamgeist und Selbstständigkeit geht“, erklärt mir Trainerin Heidi Moser-Lassnig. Sie trainiert seit 1982 in ihrer Voltigiergruppe „Piroschka“ motivierte Mädels und natürlich auch interessierte junge Burschen. Beim Voltigieren erfolgt die Einstufung nicht nach Altersgruppen, sondern man erreicht die nächst höhere Kategorie durch Aufstieg in einem Punktesystem. Zuerst werden die Kunststücke auf dem Pferd im Schritt, später im Trab und in der höchsten Klasse im Galopp ausgeführt.

Das Voltigieren kann auch sehr gut als Einstieg in den Reitsport genutzt werden, da Wissen und Können im Umgang mit dem Pferd bereits erlernt werden. Im Gegensatz zum Reitsport, bei dem meist nur ein Reiter auf dem Pferd sitzt, wird beim Voltigieren und dem sogenannten „Pas de Deux“ zu zweit und beim Gruppenbewerb zu dritt auf dem Rücken des Pferdes geturnt.

Wir dürfen den Jüngsten dabei zusehen, wie sie auf dem gutmütigen George ihre Kunststücke vollführen. Valeria wird beim Anblick der Sportlerinnen nostalgisch, da sie selbst früher voltigiert hat. Ich hingegen staune – ein wenig betrübt von meiner eigenen Unbeweglichkeit – über die Figuren, die die Sportlerinnen auf dem Rücken des Pferdes vorführen.

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Wenn man sich vorstellt, das Rote wäre ein Pferd, dann sieht das doch schon recht elegant aus, oder?

Motiviert von so viel Grazie starten wir beide dann den Selbstversuch. Circa fünf Köpfe größer und mehr als zehn Jahre älter, traue ich mich doch nicht aufs Pferd und wähle einen Holzübungsbock als recht harmlosen Ersatz. Nach anfänglichen Aufstiegsproblemen und unter Anweisungen der kleinen Piroschkas, gelingt eine ziemlich wackelige Kür, die ich mit dem „Prinzessinnensitz“ vollendete! Warum lachen eigentlich alle?

Valeria (siehe oben) reißt uns raus und zeigt, dass auch Dolomitenstadtlerinnen einbeinig auf einem trabenden Pferd stehen können! Ehre gerettet! Ein erlebnisreicher und spaßbringender Vormittag neigt sich unter der brütenden Mittagshitze dem Ende zu.

Eine Erfahrung reicher kann ich jedem ab fünf Jahren nur empfehlen, sich ab 1. August unter der Nummer: 0676 5285516 anzumelden, um selbst einmal Voltigierluft schnuppern zu können.

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Ganz rechts, das ist George und all die anderen, das sind seine Fans, die akrobatischen Mädels vom Voltigierverein Piroschka in Lienz. Fotos: Dolomitenstadt/Clara Schneeberger & Valeria Brunner
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