OLALA ist vorbei. Was ich dazu noch sagen möchte …

Es gibt Menschen, die den Zauber nicht spüren. Sie sind alle erwachsen.

Das Straßentheaterfestival ist seit vielen Jahren ein Fixpunkt in unserem familiären Jahreskalender. Die letzte Juliwoche wird nicht gereist, nicht gezeltet und niemand wird besucht. Wir sind nicht auf der Alm oder sonstwo – wir sind in Lienz und schon frühzeitig mit dem Festivalprogramm bewaffnet planen wir wie wild, um möglichst viel zu sehen.

Inzwischen sind unsere Kinder schon größer und einiges gewöhnt, aber wir besuchen OLALA schon lange und in den letzten Jahren hat sich bei uns ein Fundus an „Anekdoten“ gesammelt, den ich jetzt gerne teilen möchte. Angefangen hat diese Geschichte, die ich heute erzähle, beim 25. Festival, an einem Nachmittag am Hauptplatz. Ein Künstler war angekündigt, der schon zweimal den Preis als bester Darsteller gewonnen hat, spannend. Wir setzten uns rechtzeitig –und das heißt bei OLALA mindestens 45 Minuten vor Beginn der Show – in die erste Reihe. Die – in diesem Jahr sehr vielzählig anwesenden Helfer – weisen uns gleich darauf hin, dass es etwas länger dauern könne, der Darsteller brauche noch eine Requisite, die noch nicht da ist. Kein Problem  – haben wir schon öfter erlebt. Nebenbei schnappe ich auf, wie eine der Helferinnen etwas flappig anmerkt, wie das wohl mit den ganzen Kindern werden wird. Und da klinke ich mich ein, in mir staut noch der ganze Groll vom letzten Jahr, als ich eigentlich beschlossen hatte, OLALA nie wieder zu besuchen… Ich werfe also ein, das Problem sind wohl nicht die Kinder, sondern die Erwachsenen. Ich hatte keine Ahnung was ich lostrete…

Die Erwachsenen sind wirklich ein stetig wachsendes Festivalproblem. Sie sind frech, gemein, rücksichtslos und alles in allem – schrecklich. Erwachsene schieben ihre Kinder „last Minute“ in die erste Reihe oder bauen nochmal eine neue Sitzreihe ganz vorne auf, egal wie lange andere schon warten und plötzlich in der zweiten Reihe sitzen. Erwachsene setzen sich rücksichtslos vor Kinder, Hauptsache sie sehen genug. Erwachsene pöbeln, weil sie stehen müssen und nicht sitzen dürfen, egal warum das fürs Programm oder den Künstler wichtig ist.

Erwachsene telefonieren hemmungslos und laut während Vorstellungen oder schieben Fahrräder durch Bereiche, in denen ein Künstler arbeitet. Erwachsene rennen Kinder um, weil sie Angst haben, sie sehen zu wenig – und entschuldigen sich nicht mal dafür und Erwachsene setzen ihre Kinder in Darbietungen – einfach so, in der prallen Sonne, 45 Minuten lang – und gehen Kaffee trinken, weil ihnen selbst das Interesse für Kleinkunst gänzlich fehlt. Sie verstehen nicht, dass Künstler ihre Arbeit machen, lange daran basteln, für das Publikum perfekt zu sein, trainieren, probieren, studieren, wieder trainieren, um alles so leicht aussehen zu lassen als wäre es Spaß. Das sind Erwachsene. Kinder schlafen schlimmstenfalls ein, weil ein Festivaltag unter all den ausgewachsenen Erwachsenen einfach echt anstrengend ist.

OLALA ist wunderbar, manchmal atemberaubend, immer zauberhaft und fesselnd, spannend und abwechslungsreich. Besonders für eine kleine Stadt wie Lienz. Wie schön wäre es, wenn wir alle denselben Zauber spüren könnten?

-> OLALA 2016.

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3 Postings bisher
Norbert vor 1 Jahr

schönes fest

gaukler vor 1 Jahr

Jawohl Anja, so isses!!!

chiller336 vor 1 Jahr

da muss ich dir absolut recht geben, es wurde eine unart der großen erwachsenen, sich ganz an vorderste front zu stellen - egal ob kinder da sind oder nicht. ich bin kein stetiger olala besucher, aber wenn ich zufällig einen auftritt sehen kann oder künstlern unvermutet begegnen kann (wie heuer), so muss ich zugeben, dass ich mich freue wie ein kleines kind und was mir vor allem auffällt: die künstler machen keinen wesentlichen unterschied zwischen kindern und erwachsenen, man kommt auch im reifen alter zum zug - aber meistens mit einem augenzwinkern des jeweiligen künstlers. alles in allem für mich eine interessante, lustige sache, die aus meiner sicht auch durchaus eine ganze woche dauern könnte