Matrei: Kirche als Raum für Kunst der Gegenwart

Othmar Trosts beeindruckender Bilderzyklus ist noch bis 21. August in St. Alban zu sehen.

Am 22. Juli eröffnete der Matreier Künstler Othmar Trost eine zweiteilige Ausstellung, die über die Tauerngemeinde hinaus für Aufsehen sorgt. Um seinen Zyklus aus 106 Bildern zu Bibelzitaten sowie fotorealistische Darstellungen aus dem kirchlichen Alltagsleben seiner Heimatgemeinde perfekt in Szene zu setzen, überzeugte Othmar Trost den scheidenden Matreier Pfarrer Ludwig Kleisner davon, die Pfarrkirche selbst und das angrenzende Pfarrheim als Räume für die Kunst zu nutzen. Dolomitenstadt sprach mit dem Künstler über seine Ausstellung, seinen Werdegang und sein künstlerisches Schaffen.

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Othmar Trost beim Interview mit Dolomitenstadt im Matreier Pfarrsaal. Fotos: Dolomitenstadt/Anja Kofler

Hallo Othmar, du bist momentan extra viel in den Medien, die Ausstellung ist auch ziemlich außergewöhnlich, erzähl kurz, wie du dazu gekommen bist, Bilder zu Bibelstellen zu malen?
Schau, es ist so, dass früher oder später wohl jeder Künstler auf die Bibel kommt. Ich wurde durch einen guten Bekannten immer wieder mit dem kirchlichen Kalender und seinen Besonderheiten in Kontakt gebracht, er erklärte mir was, wann und warum gefeiert wird und worauf sich welcher Sonntag im Jahr bezieht. Dann habe ich angefangen ein wenig selbst in der Bibel zu lesen, aus Interesse. Das ging dann soweit, dass ich mich irgendwann gefragt habe, ob das künstlerisch für mich zu realisieren wäre. Und dann habe ich es versucht. Weißt du, spannend ist, dass schon Tizian, Raffael, Michelangelo im Prinzip dasselbe gelesen haben wie ich, aber auch viele moderne Künstler, wie Hundertwasser, Fuchs oder Immendorff. Schon lässig irgendwie, das auch zu versuchen.

Und wie bist du gerade auf 106 Bilder gekommen?
Eigentlich könnte man tausend machen. Fast jede einzelne Zeile gibt das her. Aber irgendwo muss dann einfach auch mal Schluss sein. Es beginnt bei der Erschaffung und geht bis zum Tod und der Auferstehung. Ich habe eine Stelle gelesen und sie gemalt. Zwischen drei und fünf Bilder am Tag. Danach geht nichts mehr. Kreativstopp sozusagen.

Deine Bilder sind so unterschiedlich gerahmt, dass ich fast den Eindruck habe, man könnte sie zusammenlegen, wie ein Puzzle oder vielleicht wie ein Fastentuch?
Nein (lacht), das ist Zufall. Fastentuch wäre eine schöne Idee, aber ist es nicht. Man kann die Bilder einzeln betrachten oder eben als Serie, man kann auch einzelne kaufen. Mitten aus der Ausstellung heraus. Die Menschen können mitnehmen, was ihnen gefällt – oder wozu sie einen Bezug finden.

Du bist nicht immer schon hauptberuflich Künstler, du hast nämlich mal Uhrmacher gelernt und später warst du Barkeeper. Warum?
Ach, ich wollte immer schon Kunst machen, eigentlich wollte ich gerne Bildhauer werden, habe mich aber früher nicht getraut, das hauptberuflich anzugehen. Es ist halt doch ein ungewisses Pflaster. Da kam es sehr gelegen, dass mein Bruder mich in die Lehre genommen hat. Später war ich dann 22 Wintersaisonen als Barkeeper im Ötztal, im Sommer auch manchmal. Aber anfangs habe ich eher im Sommer das Leben genossen und gemalt. Später wurde der Sommer auch irgendwie fix, das geht aber einfach irgendwann nicht mehr. Du kannst nicht die ganze Nacht auf sein mit Halligalli an der Bar und tagsüber dann ein Bild malen. Ich hatte dann das Glück, hier in Matrei eine Anstellung zu bekommen, die mir die Möglichkeit gab, viel Freizeit zum Malen zu haben. Ich musste aber auch meines leisten, so ist es nicht. (lacht)

Jetzt ist es jedenfalls so, dass du von deiner Kunst leben kannst?
Ja, Gott sei Dank. Es ist kein fixes monatliches Einkommen, aber ein gutes Auskommen.

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Großformatige Werke zeigen religiöses Leben in der Matreier Pfarrkirche St. Alban.

Die Bilder in der Kirche, wie kam es dazu? Sie sind ja ganz anders, als diese hier im Pfarrsaal.
Ich hatte den Wunsch, die Pfarrkirche als Ausstellungsraum zu nutzen. Ludwig Kleisner war gleich sehr aufgeschlossen und einverstanden. Ich habe Alltagszenen aus dem Pfarrleben gemalt. Angefangen bei der Geburt, das Bild zeigt meine Mutter, die hier im Ort Hebamme war. Ich habe vor einiger Zeit ein Polaroid – das einzige Bild meiner Mutter bei der Arbeit – gefunden und es gemalt. Dann die Taufe, die Erstkommunion, Firmung, Hochzeit. Aber auch die „heidnischen“ Feste, die uns in Matrei wichtig sind, wie Nikolaus – da bin ich übrigens selbst als Nikolaus zu sehen (lacht). Ich habe eine Prozession gemalt, alte Männer, beim Sonntagshoangascht an der Friedhofsmauer – bis hin zu einem Bild des Kirchenschiffes in Blau. Wenn man genau hinschaut, steht vorne ein Sarg, das Ende. Die Akzente in Gold sind bewusst gewählt, der Sarg, das Jesuskind auf dem Altarbild, das Kreuz ganz oben kurz vor dem Auge Gottes. Das letzte Bild zeigt unser Paradies, das Löbbentörl, ohne Schnickschnack, so wie es ist. Wunderschön und paradiesisch.

Othmar, trennst du dich ungern von deinen Bildern?
Nein, von keinem. Ich freue mich, wenn jemand sich wiederfindet und es gerne bei sich aufhängt. Das war schon immer so. Auch bei Bildern, die ich mit sehr schönen oder sehr innigen oder auch traurigen Erinnerungen verbinde.

Du wirst im Anschluss an Matrei gleich in Berlin bei der „Berliner Liste“, einer Messe für zeitgenössische Kunst, ausstellen. Eigentlich ja DER Hotspot für aufstrebende, moderne Künstler. Nimmst du etwas von dieser Ausstellung dorthin mit?
Nein, da stelle ich wieder komplett andere Bilder aus. Das wird wieder ganz schön spannend.

Danke Othmar und alles Gute für Berlin!


In der Ausstellung ist auch das Werk zu sehen, welches den Namen für Trosts Version der Bibel und des kirchlichen Lebens gab, nämlich „Von und zu Gott“, oder auch der „blaue Christus“ von Franz Walchegger. Die Kunstwerke können noch bis 21. August in der Pfarrkirche St. Alban in Matrei sowie noch bis 15. August (Bibelzyklus) im Pfarrsaal von Matrei bewundert werden.

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