Foto: photocase/zettberlin

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Verschärft sich die Schlacht um Medizin-Studienplätze?

In Innsbruck beginnen im Herbst 400 junge Menschen mit dem Medizinstudium.

Sie haben eine intensive Vorbereitung hinter sich, haben gute Nerven bewiesen und hatten wohl auch ein Quäntchen Glück. Sonst hätten sie nicht tausende Mitbewerber aus dem Feld schlagen können. Um die 400 Plätze für Human- und Zahnmedizin kämpften in einer schwierigen Aufnahmeprüfung heuer insgesamt 2.825 BewerberInnen (1.687 Frauen und 1.138 Männer).

Derzeit hat man in dieser Aufnahmeschlacht mit einem österreichischen Maturazeugnis eine starke, oft entscheidende Trumpfkarte in der Hand. 300 Plätze werden nämlich an heimische Studienanfänger vergeben, nur 80 Plätze sind für EU-BürgerInnen reserviert, die verbleibenden 20 Plätze für angehende Mediziner aus Staaten außerhalb der Europäischen Union.

Diese Quotenregelung könnte Ende des Jahres fallen. Was das bedeuten würde, zeigen die Bewerbungszahlen: 1.493 TeilnehmerInnen an der diesjährigen Aufnahmeprüfung stammen aus EU-Ländern, vorwiegend aus Deutschland, wo man für das Medizinstudium einen bestimmten Notenschnitt braucht (Numerus Clausus). Wer den nicht erreicht, versucht sein Glück vor allem in Österreich, weil hier die Sprachbarriere wegfällt.

Nun denkt die EU-Kommission über eine Abschaffung der Quotenregelung für das Human- und Zahnmedizinstudium nach, was die Studentenvertreter der ÖH Medizin Innsbruck auf den Plan ruft. Sie machen sich Sorgen um den Gesundheitsstandort Tirol. Die Herkunft der Studierenden beeinflusst nämlich maßgeblich deren Zukunft. Ohne Quote könnten künftig mehr als die Hälfte der Studienanfänger an der Med Uni Innsbruck aus anderen EU-Ländern, vorwiegend aus dem nahe gelegenen Deutschland kommen. Und dorthin werden die meisten Jungmediziner nach dem Studium auch zurückkehren. Für den Ärztenachwuchs in Österreich ist das keine rosige Perspektive.

Die ÖH Medizin Innsbruck fordert daher die Politik auf, alles daran zu setzen, dass die Quotenregelung in ihrer bisherigen Form erhalten bleibt und unterstützt einen entsprechenden Appell der Landespolitik an Jean-Claude Juncker, den Präsidenten der Europäischen Kommission. Die ÖH fordert aber auch von den heimischen Politikern „geeignete langfristige Maßnahmen, beginnend bei annehmbaren Arbeits- und Ausbildungsbedingungen für JungmedizinerInnen“, damit der in Innsbruck ausgebildete Medizinernachwuchs motiviert ist, in Tirol zu bleiben und vor Ort zu arbeiten.

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