Viel zu selten genutzt: Das BORG-Areal an der alten Stadtmauer ist eine perfekte Bühne für bildende Kunst unter freiem Himmel. Fotos: Brunner Images

Viel zu selten genutzt: Das BORG-Areal an der alten Stadtmauer ist eine perfekte Bühne für bildende Kunst unter freiem Himmel. Fotos: Brunner Images

Hermann Pedits Plädoyer gegen das Vergessen

Die Ausstellung „Nacht der Seele“ im BORG-Areal könnte nicht aktueller sein.

Hermann Pedit hatte Zeit seines Lebens zwei Mittel im Kampf gegen kulturelle Ignoranz und menschliche Intoleranz: die Farbe und die Stimme. So beeindruckend seine Bilder waren und sind, so fesselnd war und ist es, Pedit zuzuhören. Das spürten auch die Besucher der Open-Air-Vernissage am 24. August im BORG-Areal an der Lienzer Stadtmauer. Plötzlich erklang aus dem Lautsprecher die Stimme des im November 2014 verstorbenen Künstlers, mit einem Plädoyer gegen den nationalistischen Wahnsinn, das aktueller nicht sein könnte.

Hier ein Ausschnitt aus einer Dokumentation von Radio Osttirol:

Und als dann mit Friedrich Orter ein prominenter Aufdecker des Grauens ans Rednerpult trat, um Pedits Bilderzyklus „Nacht der Seele“ zu würdigen, war klar, dass die Kunst dieses kantigen und kundigen Lienzer Malers kein Ablaufdatum hat. „Nacht der Seele“ ist eine aktuelle Ausstellung, auch wenn man die Bilder schon kennt. Sie entstanden auf Pedits Reisen in die vom Krieg zerstörte Balkanregion.

Vor 25 Jahren fuhren am Balkan die Panzer auf, wurden Massengräber geschaufelt, Nachbarn schossen auf Nachbarn, altes Kulturgut versank in Schutt und Asche, vor den Augen der Welt. So wie heute in Syrien, Afghanistan, dem Irak und anderen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens.

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Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik zog Parallelen zwischen dem Beginn des Balkankrieges und der politischen Gegenwart.

Bürgermeisterin Elisabeth Blanik zog die Parallelen zur Gegenwart und erinnerte sich: „Etwas Unglaubliches ist damals passiert, nah und schnell. Heute sind sie wieder da, die Nationalismen, die Wortwahl, die Unruhe und das Gegeneinander.“ Auch deshalb sei der Ort dieser Ausstellung gut gewählt, das Areal einer Schule, deren Schüler sich mit Hermann Pedits Werk und seiner Botschaft für die Gegenwart beschäftigen werden.

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Friedrich Orter kannte Hermann Pedit und war selbst am Schauplatz vieler Kriege und Krisenherde.

Was diese Botschaft sein könnte, brachte Friedrich Orter auf den Punkt, der Mann, den der Krieg gefangen nahm und Zeit seines Journalistenlebens nicht mehr losließ. Nur die Konfrontation mit der Wahrheit, nur die schonungslose Aufdeckung und Aufarbeitung des Schreckens verhindert das Vergessen. „Einmal muss Schluss sein“, dieser Satz ist für Orter falsch und gefährlich. Er zitierte den amerikanischen Schriftsteller William Faulkner, der auf den Punkt bringt, was auch in Pedits Werken spürbar wird: „Die Vergangenheit ist nicht tot. Sie ist noch nicht einmal Vergangenheit.“

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