„Diese Chance bekommt man nur alle drei Jahre“

Die 19-jährige Dölsacherin Sofie Suntinger studiert seit 2015 Orthoptik in Salzburg.

Sofies Wahl war ebenso glücklich, wie ihr Studium exotisch ist. „Orthoptisten sind Experten auf dem Gebiet der Erkennung und Behandlung von funktionellen Erkrankungen der Augen und ihrer Folgen. Ich bin also quasi sowas wie eine Logopädin, aber eben nicht für die Sprache, sondern für das Sehen.“ Mittlerweile ist Sofie schon geübt darin, anderen zu erzählen, worum es sich bei ihrem späteren Beruf handelt. Sie wird oft danach gefragt. „OrthoptistInnen betreuen Menschen aller Altersgruppen, vorwiegend aber Kinder, mit Sehstörungen, Schielen, Schwachsichtigkeit, Augenbewegungsstörungen, Augenzittern und Sehbehinderung.“

Das stellt mich vorerst zufrieden. Es ist zwar kein gängiges Studium, aber unbekannt auch nur bedingt. Tatsächlich ist in Lienz bei einem Augenarzt eine Orthoptistin beschäftigt.

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Sofie Suntinger, gezeichnet von Linda Steiner.

Aber wie kommt man auf so ein Studium? Durch einen Zufall, könnte man in Sofies Fall sagen. „Auf einer Berufsinformationsmesse habe ich am Ende des Tages mehr oder weniger zufällig noch schnell ein paar Flyer von einem Stand mitgenommen,“ erzählt sie mir. Zuhause erwachte das Interesse dann auf den zweiten Blick. Nach weiteren Recherchen und einem Tag der offenen Tür war die Dölsacherin dann entschlossen, dieses Studium an der FH Salzburg zu starten. Detail am Rande: Der Studiengang wird nur alle drei Jahre angeboten. Es gibt einen Aufnahmetest, mit dem lediglich zwölf Studienplätze vergeben werden. Sofie war eine der Auserwählten.

Das Einleben in der Mozartstadt gelang der angehenden Orthoptistin gut. „Ich wohne in einem Studentenheim, wo sich unter anderem noch zwei Leute aus meinem Studiengang eingemietet haben. Das hat natürlich geholfen.“ Aus ihrer ehemaligen Maturaklasse hat es niemanden nach Salzburg verschlagen. Sofie stört das nicht weiter. Mit ihrer offenen Art, die auch ich spüre, lernt sie schnell neue Leute kennen.

Auf die Frage nach einer eventuellen Rückkehr gen Osttirol wird sie nachdenklich. „Ich kann mir schon vorstellen, irgendwann mal zurückzukehren. Schließlich ist hier einfach meine Heimat. Aber momentan überwiegt eher das Fernweh als das Heimweh“, lässt sie mich lächelnd wissen.

In ihrem Blick kann man die Vorfreude auf das neue Studienjahr, die Sehnsucht nach der Ferne und dem Neuen erkennen. Irgendwann ist eine lange Zeit, oder auch nicht. In Sofies Stimme liegt jedenfalls der Klang von Entschlossenheit. Sie wirkt froh. Froh zu Hause zu sein und gleichzeitig auch froh darüber, dass es bald wieder losgeht, in der großen Stadt, fern von Osttirol.


In der Serie „Heimweh?“ porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von den „Vordenkern“

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