Hannah auf der Bühne (hier in Innsbruck) – ein Erlebnis, musikalisch und optisch! Foto: fz-hannahmusik.at

Hannah auf der Bühne (hier in Innsbruck) – ein Erlebnis, musikalisch und optisch! Foto: fz-hannahmusik.at

Hannah: Musik ist Kunst und wir sind Kunstfiguren

Ein Interview mit der derzeit wohl erfolgreichsten Sängerin Österreichs.

Hannah trat am 21. Oktober in Matrei auf. Dolomitenstadt traf die Alpenrockerin vor ihrem Konzert und sprach mit ihr über ihre steile Karriere, Familie, Feminismus und Bühnenoutfits.

An diese Frau heranzukommen geht nur übers Management, zehn Minuten darf ich sie interviewen. Ich weiß gar nicht wie das gehen soll, normalerweise plaudere ich immer ewig mit den Leuten die ich treffe, aber na gut. Am Eingang zum Matreier Tauerncenter begrüßt mich der junge Hannah-Beauftragte von Lindner Music. Mein Sohn ist mit dabei und wir kommen genau zum Soundcheck. Also warten wir, Smalltalk.

Der junge Mann fragt mich, welche Musik ich mag. Als ich antworte ‚Electro‘ meint er ganz irritiert – das hätte er sich eher von einer jungen Frau ohne Kinder erwartet. Hallo? Das sitzt. Mein böser Blick trifft ihn heftig und er versucht sich rauszureden… naja, halt von jemandem seiner Generation… HALLO??? Ich brauche jetzt wohl doch die teurere Faltencreme aus der Apotheke…. Das kann ja heiter werden hier.

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Mein Sohn war augenblicklich von Hannah begeistert. Ich auch!

Während der Vorbereitung auf diesen Artikel ist mein Sohn ein bisschen Hannah-Fan geworden, deshalb durfte er auch mit. Als sie dann auch endlich kommt, ist er augenblicklich verliebt. Und ich bin auch begeistert, auch augenblicklich.

Wie geht es dir?
Gut, danke. Kalt ist es in Osttirol. (sie lacht…)

Du bist auf Österreich-Tournee. Erzähl doch einfach ein bisschen.
Wir spielen neun Konzerte, haben letzte Woche in Kufstein gestartet. Wir fangen klein an. Wenige Musiker aus dem Schlagerbereich können überhaupt noch eine Konzerttour machen, aber das war mir halt so wichtig. Ich wollte gerne viele Facetten meiner Musik zeigen. Auf einem Zeltfest geht das nicht, da kann man keine Balladen spielen, da muss man Party machen.

Ich weiß, du bist schon sehr lange sehr erfolgreich mit deinen Alben. Du bist in den Albumcharts immer vorne mit dabei, über einen Zeitraum, der ungewöhnlich ist.
Ja, stimmt. Ich bin eigentlich die erfolgreichste weibliche Künstlerin in Österreich, habe mehr CDs verkauft als Christina Stürmer. Aber vielleicht kennen mich gar nicht so viele Menschen in Österreich (sie lacht schon wieder… eigentlich durchgehend).

Wer schreibt deine Lieder?
Mein Mann und ich schreiben alle Lieder selbst. Deshalb bin ich auch so glücklich, dass wir so erfolgreich sind. Da steckt so viel von uns drin und es ist Wahnsinn, wenn die Menschen da draußen deine Texte mitsingen. Unbeschreiblich schön einfach.

Ich denke da jetzt speziell an eine Zeile aus deinem Lied „Scheißegal“, wo du beschreibst, wie du dem Koffer deines untreuen Partners einen Flug gebucht hast…. Ist das autobiographisch?
Da müsste ich ein ziemlich bewegtes Leben haben, wenn alles immer meine Geschichte wäre, nein. Aber das Lied hat sehr für Furore gesorgt. Es war mir wichtig, eine Frau zu beschreiben, die eben nicht in die typische Opferrolle fällt, wenn sie verletzt wird. Die nicht da sitzt und sich selbst bemitleidet. Leider wird das Lied nicht im Radio gespielt. Die lokalen Sender spielen es nicht, weil es gegen ihren Bildungsauftrag verstößt und Ö3 spielt es nicht, weil ich aus der Schlagerecke komme.

Tut es dir leid, dass du so ein bisschen in diese Schlagerschiene gedrängt wirst? Was du aktuell machst, ist doch eigentlich nicht wirklich Schlager.
Das ist manchmal eine Zwickmühle. Eben die Lokalradios, die mich früher viel gespielt haben, denen ist es jetzt zu rockig. Zu viele E-Gitarren, die Sprache zu klar auf den Punkt gebracht. Und dann die anderen, die mich nicht spielen wollen, weil ich eben zu Schlager bin. Aber mein Publikum ist quer gemischt, ich lass mich da nicht in eine Ecke drängen.

Wie ist das gekommen?
Naja, ich komme aus der Pop-Rock-Ecke und wollte eigentlich nie Schlager machen. Dann kam das Lied „Mogst mi eh“, das auf Radio Tirol rauf und runter gespielt wurde. Dadurch bin ich in die Schiene gedrängt worden, ein bisschen. Ursprünglich habe ich in Deutschland eine Ausbildung zur Pop/Rocksängerin gemacht und dann hier meine eigene Gesangsschule eröffnet. Als meine Kinder dann kamen, hab ich mich ans Klavier gesetzt und angefangen, in meiner eigenen Sprache zu singen. Irgendwann habe ich ein Demo gemacht und es zu meinem jetzigen Mann geschickt.

Innerhalb von einer Woche hatte ich einen Plattenvertrag und innerhalb von zwei Monaten war ich beim Grand Prix der Volksmusik. Also eigentlich in einem Genre, mit dem ich nie vorher zu tun hatte. Alles wurde ganz groß, ich musste zum Umstyling, einfach das volle Programm. Ich habe mich gar nicht wieder erkannt. Und so wollte ich auch auf Dauer nicht sein. Aber jetzt bin ich glücklich – angekommen. Einfach frei und nicht mehr abhängig davon, was andere von mir denken.

Das kommt doch auch ein bisschen mit dem älter werden, oder? Mit Mitte zwanzig tut man sich da noch schwerer. (Ich denke unwillkürlich an den Empfang vorhin am Eingang und gebe dem guten Mann – etwas altersmilde – noch fünfzehn Jahre, um an seinem Charme zu feilen.)
Ja, sicher. Aber ich vermisse das in unserer Branche schon. Alles ist so glatt gebügelt, die Künstlerinnen sind so perfekt, ohne Kanten. Musik ist doch eine Kunst, und wir sind Kunstfiguren. Wir müssen nicht alle gleich sein. Als Künstler ist man zwar auch ein Produkt, und das Produkt will man verkaufen, aber nicht um jeden Preis.

Bist du die Feministin in der Szene? Eine die sagt: Mädels, raus aus eurem Dirndl und rein in was Flotteres?
Nein, als Feministin würde ich mich nicht bezeichnen. Als starke Frau vielleicht, mit Lebenserfahrung. Wer mich nicht so gerne mag, sind allerdings Frauen, die noch in der sehr klassischen Frauenrolle leben. Aber das finde ich auch interessant. Ich hasse auch übrigens die Männer nicht, wie ich aus der Ecke manchmal zu hören bekomme.

Wie vereinbarst du deinen Job mit deiner Familie, mit deinen zwei Kindern?
Klar höre ich oft, ich soll mehr bei meinen Kindern sein. So Kommentare kommen vor allem, wenn ich viel in den Medien war. Aber weißt du, ich bin von Montag bis Freitag daheim, also eigentlich fast mehr als andere berufstätige Frauen. Trotzdem wird mir gerne vorgeworfen, ich wäre eine schlechte Mutter. Das ist halt so.

Wann kommt dein nächstes Album?
Ich weiß nicht recht. Wir schreiben ständig. Vielleicht Frühjahr 2018 … Aber das hängt ja nicht nur von mir ab, sondern von ganz vielen Faktoren.

Noch ganz kurz, wer macht das Styling?
Das macht alles der Markus Spazier von der Manufaktur Herzblut. Ein junger Tiroler Designer, aus Schwaz. Wir haben uns gesucht und gefunden. Er versucht nämlich auch, das Klassische mit dem Modernen zu verbinden.

Ich muss leider gehen, meine zehn Minuten sind längst um. Aber ich geh jetzt und kauf mir ein „Hannah“-Album! Diese Frau hat Freundinnen-Potenzial, sie ist authentisch und extrem nett. Sie hat schon mal erlebt, wie es ganz unten aussieht und genießt jetzt in vollen Zügen, dass sie oben ist. Ohne zu vergessen, dass es wieder abwärts gehen kann. Viel Erfolg, Hannah!

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Und dann ging in der Matreier Tauernhalle die Post ab!
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