Diskutieren mit Malcom Sylvers in der Stadtbücherei

Der amerikanische Professor und seine Frau Brigitte sind Wahllienzer.

Prof. Malcolm Sylvers und seine Frau Brigitte Domurath-Sylvers sind vielleicht dem ein oder anderen Kulturinteressierten bei einer Lesung, einem Konzert oder einer Vernissage in Lienz schon aufgefallen. Seit Frühjahr 2016 leben sie fix in der Sonnenstadt.

Brigitte Domurath-Sylvers, aufgewachsen in Hannover, studierte Germanistik und Russistik in Göttingen und Berlin. An der Technischen Universität Berlin wurde sie zum Dr. phil. promoviert. Seit 1980 war sie als Lehrerin tätig, seit 1989 im Berliner Schuldienst im Bezirk Neukölln.
Domurath-Sylvers arbeitete am biographischen Lexikon „Demokratische Wege“ (1997 ) mit und ist Mitherausgeberin von „Die getötete Kindheit, Erinnerungen ehemaliger Kinderhäftlinge in faschistischen Konzentrationslagern“ (Berlin, 2003, zusammen mit Inge Gerlinghoff). Ihr Mann, Malcolm Sylvers, wurde in New York geboren, studierte am Brooklyn College, der University of Wisconsin, in Paris und Florenz. Ab 1971 lehrte er in Italien, seit 1982 bis zu seiner Emeritierung 2006 an der Università Ca‘ Foscari in Venedig. Er unterrichtete die Geschichte der USA.

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Malcolm Sylvers und Brigitte Domurath-Sylvers fühlen sich in Lienz wohl. Der Rhythmus der Kleinstadt und die zentrale Lage in Europa gefallen dem Ehepaar. Foto: Dolomitenstadt/Kofler

Malcolm Sylvers erzählt im Dolomitenstadt-Interview, wie es dazu kam, dass nun Lienz ihr Lebensmittelpunkt wurde und warum die Stadt doch sehr zentral liegt.

Prof. Sylvers, wie kamen Sie auf Lienz?
Ich war zum ersten Mal hier in den 1980er Jahren, als ich an der Universität von Venedig lehrte. Lienz war ein wunderbares Ausflugsziel, hatte eine gute Zugverbindung. Ich konnte in den Bergen sein und es war schnell zu erreichen. Ich war damals öfters hier.

Also waren Sie durchgehend immer hier?
Nein, ich war dann Ende der neunziger und in den 2000er Jahren länger nicht da. Und dann stellte sich aber heraus, dass hier alles so gut passt, dass wir entschieden haben, hier den größten Teil des Jahres zu verbringen, nicht nur unseren Urlaub. Ich habe von Anfang an den Rhythmus dieser Stadt sehr genossen.

Lienz hat einen eigenen Rhythmus??
Ja, und er ist sehr gemütlich. Es gibt hier fast alles, was ich persönlich und auch meine Frau zum Leben brauchen. Es gibt Buchhandlungen, Kultur, Cafes. Vieles dauert natürlich zwar etwas länger als in einer Großstadt, und es ist vielleicht nicht der perfekte Ort zB. für einen siebzehnjährigen Enkel. Aber alles ist auf eine angenehme Art sehr persönlich, es gibt auch viele Fachgeschäfte für eine kleine Stadt. Wir haben sofort sehr sympathische, hilfsbereite und diskussionsfreudige Leute kennengelernt.

Vermissen Sie die Großstadt?
Nein, gar nicht. Ich habe es sehr genossen, vor einigen Jahren längere Zeit in Berlin zu leben. Ein bisschen hat mich damals alles dort an meine Kindheit in New York erinnert. Aber jetzt fühle ich mich in Lienz sehr wohl. Es liegt sehr zentral zwischen Berlin, dem langjährigen Arbeitsplatz meiner Frau, und Venedig, wo ich lange lebte, aber auch Mailand, wo mein Sohn mit seiner Familie lebt. Wir können von hier aus verhältnismäßig schnell überall dorthin. Unser Buch wird jetzt ins Italienische übersetzt und da ist Lienz auch wieder perfekt als zentraler Ausgangspunkt.

Das Buch, welches Prof. Sylvers anspricht, heißt „Mythen und Kritik in der Ideengeschichte der USA: 25 Porträts“ (Metropolis-Verl., 2014).

Am 3. November gibt es einen Vortrag von Prof. Sylvers in der Stadtbücherei, Beginn 19:30 Uhr. Er wird über die anstehende US-Wahl sprechen, mögliche Wählerströme beleuchten und versuchen, einen Ausblick auf eine Präsidentschaft unter Clinton oder Trump zu wagen. Anschließend an den Vortrag erhoffen sich der Professor und die Veranstalter eine interessante Diskussion. Eintritt frei!

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