In Osttirol schnappt man noch nach Krapfen

Ein alter „Heischebrauch“ wird nur noch im Bezirk Lienz ausgeübt.

Während es Krampusse durchaus auch in anderen Regionen Österreichs und in Südtirol gibt, ist das Krapfenschnappen aus dem Südtiroler Pustertal in den letzten Jahrzehnten verschwunden und mittlerweile ein Brauch, der tatsächlich nur noch in wenigen Osttiroler Dörfern gepflegt wird. So schreibt es jedenfalls das Innsbrucker Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie und nennt Patriasdorf, Dölsach, Nußdorf-Debant, Thurn, Iselsberg, St. Veit i. Def. und Kals. Aber auch in Gaimberg, Oberlienz/Oberdrum, Bannberg/Assling, in St. Jakob, Hopfgarten und Leisach sind die Krapfenschnapper noch unterwegs.

In der Glocknergemeinde war Expa-Fotograf Hans Groder am 1. November mit der Kamera dabei. Dort ziehen Kinder von Haus zu Haus mit ihren “Schnappern”, Holzstangen mit einem Tierkopf. Eine Schnur bewegt den Unterkiefer von Hahn, Widder & Co., was kräftig klappert. Die Kinder erhalten von den Bäuerinnen vor allem Krapfen, die nicht nur schmecken, sondern auch als altes Kult- und Weihegebäck gelten und früher sogar auf die Gräber gelegt wurden.

Die jungen Kalser Krapfenschnapper bedanken sich für die erhaltenen Gaben mit den Worten: „Vergelt’s Gott für die Armen Seelen“. Sie sind, im Gegensatz zu den meisten „Artgenossen“ in anderen Gemeinden übrigens nicht verkleidet und verstellen auch nicht – wie zum Beispiel in Patriasdorf – ihre Stimmen. Die Historiker nennen das Krapfenschnappen einen Heischebrauch, von Heischen = Gaben erbitten. Und da erkennt man dann auch die Parallelen zum importierten Halloween, bei dem ja letztlich auch das „Trick or treat!“ im Mittelpunkt steht – Süßes oder Streiche!

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

5 Postings bisher
Gerhard Pirkner vor 1 Jahr

So, ich hab die fehlenden Orte nachgetragen :-). Sollte es auch in anderen Gemeinden noch Krapfenschnapper geben, bitte melden. Und danke für die Hinweise!

Christof vor 1 Jahr

Unvollstäntie Recherche, Hans! 😉 Zu den oben genannten Ortschaften kommen meines Wissens noch Nussdorf, Gaimberg, Oberlienz/Oberdrum,...

boarium vor 1 Jahr

Finds schad, dass die Krapfenschnapper nicht mehr kommen. Jaschdorf wird offensichtlich immer kleiner, auch die Ratscher gehen nicht mehr die selbe Runde... Der Brauch stirbt nicht (nur) durch zu wenig Besinnung auf das Althergebrachte, sondern auch durch selbstgesuchte Abgrenzung einiger weniger.