„Ich mach jetzt einfach das, worin ich gut bin“

Die 19-jährige Silvana Kuenz aus Dölsach studiert Modedesign in München.

„Wie viele kleine Mädchen habe auch ich in meiner Kindheit geträumt, irgendwann mal selbst Kleider zu entwerfen und zu nähen“, erzählt sie mir. Später stellt sie fest, dass das natürlich alles nicht so einfach ist, wie es in Kinderschuhen noch scheint.

Ausgangspunkt für ihre außergewöhnliche Wahl war eigentlich das Besuchen des Kunstzweiges am BORG Lienz. „Die Lehrkräfte dort haben enorm zu meinem Kunstverständnis beigetragen“, erzählt sie. Danach wollte sie der Kunst erhalten bleiben. Auf der Best-Messe in Innsbruck erfuhr Silvana von der Akademie Mode und Design (AMD) in München. „Die Idee gefiel mir, doch ich war nicht sofort dazu entschlossen, da eine Privatuniversität mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden ist.“ Ihre Familie stand aber hinter ihr.

Vielen Zweiflern zum Trotz ließ sie sich nicht beirren. „Einige Leute haben die Jobchancen und auch die Ausbildung generell angezweifelt, aber ich dachte mir, ich mache jetzt einfach das, worin ich gut bin.“

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Silvana Kuenz, gezeichnet von Linda Steiner.

Das Studium ist herausfordernd und aufwändig. Die Aufnahme beschreibt Silvana rückblickend als vergleichsweise einfach. Es wurden künstlerische und soziale Fertigkeiten über mehrere Tage und zum Teil in Gruppen getestet. Es gab einiges an Kritik – rein kam am Ende aber der Großteil der BewerberInnen. Die Akademie, vergleichbar mit einer österreichischen Fachhochschule, unterrichtet zwischen 25 und 30 Personen.

Nach drei Jahren schließt man mit dem Bachelor of Arts (BA) ab. „Man kann in der Folge auch mit dem Masterstudiengang weitermachen, in dieser Branche ist Berufserfahrung aber viel wichtiger.“ Anschließend kann Silvana als Designerin, Modeillustratorin, Schnitttechnikerin oder in ähnlichen Berufsfeldern arbeiten.

In der bayerischen Landeshauptstadt hatte sie zunächst einen etwas zähen Start. „Am Anfang hatte ich ziemlich Heimweh. Ich bin oft heimgefahren. Ich brauche auch allgemein ein wenig Zeit, bis ich wirklich warm werde mit neuen Menschen“, erinnert sich die Studentin. Die Tatsache, dass sie mit einer ehemaligen Schulkollegin in einer Wohngemeinschaft lebt, hat ihr aber geholfen. Mittlerweile ist das Verhältnis zu ihren Studienkolleginnen auf Temperatur und Silvana kann ihr Studentinnenleben genießen, in der Weltstadt mit Herz. Silvana und München – Liebe mit Hindernissen, auf Umwegen also.

Persönlich beschreibt sie sich als gereift durch die zurückliegenden Erfahrungen. „Ich bin mutiger, vor allem aber selbstsicherer in Bezug auf die Fähigkeiten, die ich habe. Meine Eltern sagen auch, dass ich viel selbstbewusster geworden bin.“

Würde sie später nach Osttirol zurückkommen wollen? Silvana geht in sich. „Für mich war und ist es unrealistisch zu erwarten, dass ich irgendwann nach Osttirol zurück kann. Das war auch nie mein Anspruch.“ Berufliche Entfaltungsmöglichkeiten lägen fernab der Heimat, irgendwo in den großen Städten, den Modemetropolen, erzählt sie mir weiter. Sie möchte gerne herumkommen und möglichst viele, möglichst unterschiedliche Erfahrungen machen.

Osttirol ist ihre ganz persönliche Heimat, die die Dölsacherin sehr schätzt. „Ich dachte immer, ich will hinaus in die Welt, in eine große Stadt, dabei habe ich aber unterschätzt, dass ich doch ein Landei bin.“ Es ist die schöne Natur die lockt, ebenso wie die Familie, die Freunde und die Idylle.

Seit Semesterbeginn ist sie nun wieder in München, am Schneidern, Skizzieren und Designen. Wer weiß, vielleicht tragen wir dann irgendwann Mode vom Label Kuenz, wenn sie so voller Begeisterung und Hingabe weitermacht. Sie hofft es, ich auch.


In der Serie “Heimweh?” porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren.

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1 Posting bisher
hoerzuOT vor 1 Jahr

Alles Gute, Mut und Durchhaltevermögen für diesen spannenden Weg, den Sie gehen möchten!