„Ich würde so gerne in Osttirol Arbeit finden“

Die 22- jährige Chiara Fuchs aus Lienz ist in der Cantina Habilis in Volders beschäftigt.

Vor drei Monaten hat Chiara ihre geliebte Heimat verlassen, widerwillig, wie sie erzählt: „Auf Schloss Lengberg in Nikolsdorf hat es mir sehr gut gefallen. Dort werden junge Menschen mit Förderbedarf – so wie ich – auf den Start ins Berufsleben vorbereitet. Seit meinem 4. Lebensjahr habe ich Epilepsie. Leider habe ich in Osttirol keine passende Arbeit gefunden.“ Es überrascht, dass diese aufgeschlossene junge Frau einer Förderung bedarf, deshalb würden oft zu große Erwartungen an sie gestellt.

Chiara besuchte nach der Volks- und Hauptschule noch zwei Jahre die Haushaltungsschule in Lienz, wo sie mit sonderpädagogischer Zusatzbetreuung in einer Integrationsklasse unterrichtet wurde. Dann folgten vier Jahre auf Schloss Lengberg in Nikolsdorf: „Schloss Lengberg vermittelte mir den Platz in Volders. Von zu Hause weg zu gehen, fand ich absolut keine gute Idee und nur den Überredungskünsten meiner Betreuer auf Lengberg und meiner Familie ist es zu verdanken, dass ich nun schon seit drei Monaten in der Cantina Habilis in Nordtirol beschäftigt bin.“

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Chiara Fuchs, gezeichnet von Linda Steiner.

Die Cantina Habilis ist ein Berufsvorbereitungsprojekt im PORG Volders. Täglich wird in der Integrationsküche ein Mittagsmenü mit Salatbüffet gekocht und eine gesunde Jause vorbereitet und die SchülerInnen des privaten Oberstufenrealgymnasiums (PORG) damit versorgt. Nach der Arbeit fährt Chiara mit dem Bus nach Innsbruck ins Schwedenhaus. „Ich bin dort das einzige Mädchen unter lauter Burschen, aber das macht mir überhaupt nichts aus. Ich hab ja ein Einzelzimmer,“ lacht Chiara.

„Ich würde mich als lustig und kontaktfreudig beschreiben, gehöre aber nicht zu den abenteuerlustigsten Menschen. Meine gewohnte Umgebung und vor allem meinen Freundeskreis zu verlassen, war eine große Herausforderung für mich. Anfangs hatte ich auch schreckliches Heimweh. Inzwischen habe ich mich gut eingelebt und bin tatsächlich viel selbständiger geworden. Aber trotzdem freue ich mich die ganze Woche auf das Wochendende mit meinen Freunden in Lienz.“

Epileptische Anfälle hat Chiara nur noch selten. Dank ihrer Medikamente und eines Vagnus-Nerv-Stimulanz-Gerätes, das ihr letztes Jahr operativ in Innsbruck im Brustbereich implantiert wurde.

Nun steht Chiara aber wieder vor einer neuen Herausforderung: Ende November ziehen 60 Berufsschüler ins Schwedenhaus, weit mehr als ursprünglich erwartet. Chiara muss ihr Zimmer räumen und eine neue Unterkunft finden, was trotz der Unterstützung durch ihre Familie äußerst schwierig ist. „In Osttirol habe ich eine Unterkunft aber keine Arbeit, in Nordtirol habe ich Arbeit aber keine Unterkunft,“ so ihr Resümee.

Die Frage, ob sie sich vorstellen kann, für immer auswärts zu leben, verneint die sympathische junge Frau mit einem heftigen Kopfschütteln. „Ich würde so gerne in Osttirol Arbeit finden, um auch unter der Woche in meiner Heimat zu leben. Das ist der größte Wunsch für meine Zukunft.“


In der Serie “Heimweh?” porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren.

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