Der "Herr der Krippen". Heinrich Sorko leitet den Lienzer Krippenverein. Foto: Dolomitenstadt/Sabine Hopfgartner

Der "Herr der Krippen". Heinrich Sorko leitet den Lienzer Krippenverein. Foto: Dolomitenstadt/Sabine Hopfgartner

Krippele schaugn – jetzt wieder in der Liebburg

Kleine Ruheinseln im großen Trubel rund um das Weihnachtsfest.

Die Adventszeit ist schon lange nicht mehr die stillste Zeit im Jahr, es kann aber schon die Zeit der leisen Töne, des Funkelns und Strahlens, des Wartens und der Herzensbildung sein. Jeder Mensch kann sich stille Momente in dieser vorweihnachtlichen Zeit selbst schaffen. Kleine Ruheinseln im großen Trubel rund um das Weihnachtsfest.

Und dazu gehört seit jeher die Betrachtung einer Weihnachtskrippe. Landauf und landab in den Gemeinden, Kirchen oder diversen Ausstellungsräumen sind sie um diese Zeit präsent. Bilder berühren unser Herz, lösen Emotionen aus und prägen unser Dasein. Die sichtbar werdende Darstellung rund um die Geschehnisse damals vor über 2000 Jahren in Bethlehem. Die Figuren der Hl. Familie mit Maria, Josef und dem Jesukind, welches erst am Hl. Abend in die Krippe gelegt wird, der Ochs und der Esel, die Hirten, die Schafe und in späterer Folge die Hl. Könige sind wohl jedem von uns ein Begriff. 

Dieser kleinen Welt sind jedoch keine Grenzen gesetzt, sind es doch manchmal ganze Landschaften mit vielen Formen, Darstellungen und Ebenen, welche unter fachkundigen Händen mit viel Liebe zum Detail entstehen können. Der Besuch einer Krippenausstellung in den Vereinsräumen des Krippenvereines Lienz zog mich einmal mehr in den Bann dieser Kunst. Von minimalistisch kleinen Krippen, über Schneekrippen, Laternenkrippen, Wurzelkrippen, verschiedenste bäuerliche Krippen,  orientalische Krippen oder auch in Schränken versteckte Krippen waren zu sehen.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, schon seit Jahrzehnten diese Tradition am Leben zu erhalten. Ganzjährig finden Krippenbaukurse statt, der Vereinsvorstand rund um den Obmann Heinrich Sorko ist bemüht, mit viel Motivation den Teilnehmern Wissen und Erfahrung weiterzugeben, um so diese Tradition unserer Region fortzusetzen. Und wenn auch viele Einflüsse von außen, bis hin zu Strömungen aus dem amerikanischen Bereich, vermehrt zu uns überschwappen, bleiben heimische Sitten und Gebräuche dennoch immer aktuell und geben in ihrer Beständigkeit über Generationen ein tiefes und schönes Gefühl.

Dolomitenstadt traf den Obmann Heinrich Sorko zum Gespräch.

Herr Sorko, ich treffe sie mitten im Aufbau für die am Dienstag beginnende Krippenausstellung in der Liebburg. Wieviele Krippen und welche Art von Krippen sind hier zu sehen?
Naja, da der Platz für uns ein wenig begrenzt ist und wir alles in einem Raum unterbringen möchten, denke ich, dass es in etwa 35 Krippen sein werden, die ausgestellt sind. Die Palette reicht von ganz kleinen Laternenkrippen, über traditionelle Bauernkrippen, orientalische Krippen bis zu den sogenannten Kastenkrippen.

Welche Gruppe von Menschen möchten sie mit dieser Ausstellung ansprechen?
Bei uns ist jeder willkommen, dem das Betrachten dieser kleinen Bauwerke am Herzen liegt.

Wie lange arbeiten die Kursteilnehmer durchschnittlich an einer Krippe?
Das lässt sich schwer sagen. Im Durchschnitt treffen wir uns für den Bau einer Krippe an 12 bis 14 Abenden, dies gibt die Summe von etwa 40 Arbeitsstunden. Wobei die Arbeitsstunden hier ein wenig unterschiedlich zu betrachten sind: Es gibt Menschen, die eifrig arbeiten und Menschen die eifrig reden, vom Arbeiten! Doch mit Unterstützung, Anleitung und Einsatz hat es noch jeder Kursteilnehmer geschafft, am Ende eine Krippe sein Eigen zu nennen.

Worin liegen die Herausforderungen und kann sich jeder daran versuchen?
Alles fängt einmal mit einer Idee im Kopf an und im Krippenbaukurs mit einer Grundplatte. Dann beginnen die Unterschiede in die verschiedensten Richtungen. Doch ist der Geist willig, dann funktioniert das schon. Und für mich gibt es keine „schiachen“ Krippen.

Welche Krippe steht bei Ihnen privat zu Hause?
(Lacht) Bei mir zu Hause stehen viele Krippen unterschiedlichster Größe, Art und Bauweise.

Wie lange gibt es eigentlich schon den Krippenverein in Lienz?
Der Krippenverein in seinem Ursprung feiert im nächsten Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Die Überlieferungen gehen jedoch noch weiter zurück, in den Kriegswirren sind viele Aufzeichnungen verloren gegangen. Und die Krippenbaukurse finden nun schon seit 10 Jahren in dieser Form in Lienz statt. In dieser Zeit sind bereits 20 Krippenbaumeister hervorgegangen, welche ihr Wissen meist in den Gemeinden des Bezirkes und in Oberkärnten weitergeben. Wir sind sozusagen eine Untergruppe des Tiroler Krippenvereines und stellen in Tirol die höchste Mitgliederzahl Österreichs. Von 8000 Mitgliedern im Land sind 6000 davon in Tirol dabei.

Welche Ziele stehen als nächstes an?
Jetzt freuen wir uns sehr auf die Ausstellung in der Liebburg, die noch bis 12. Dezember zu sehen ist und im Jahr 2017 werden wir uns bestimmt das eine oder andere Schmankerl zum 60-jährigen Jubiläum überlegen. Auf unserer Homepage Krippenverein Lienz im Internet werden interessierte Menschen immer bestens informiert.

Ich bedanke mich herzlichst für das Gespräch und werde mich nun selbst einmal mehr ans „Krippele schaugn“ machen.

Fotos: Krippenverein Lienz

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