„Ich schätze es, die Sprachen wirklich zu leben.“

Julia Mayr studiert Englisch und Französisch und macht gerade ein Auslandsjahr in Kanada.

Julia Mayr ist 21 Jahre alt, kommt aus Nußdorf-Debant und lebt ihre Freude an verschiedenen Sprachen in ihrem Studium aus, das sie auch ins Ausland führt. Im folgenden Interview erzählt sie mehr darüber.

Was studierst du?
Ich studiere seit dem Wintersemester 2013/14 an der Karl-Franzens Universität Graz Englisch und Französisch auf Lehramt. Gerade mache ich ein Auslandsjahr in Ottawa, Kanada.

Warum hast du dir dieses Studium ausgesucht und was gefällt dir daran besonders?
Schon in meiner Schulzeit im BORG Lienz wusste ich, dass ich später Sprachen studieren will, da mir diese – vor allem Englisch und Französisch – damals schon am meisten Freude bereitet haben. Was ich an meinem Studium sehr schätze, sind die vielen Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen, andere Kulturen kennenzulernen und die Sprachen dadurch auch wirklich zu leben und im Alltag anzuwenden. Im Sommersemester 2014/15 durfte ich einen Erasmus-Aufenthalt in der Normandie verbringen, der mir so gut gefallen hat, dass ich beschloss, ein weiteres Mal ein Auslandsstudium zu machen – diesmal für ein ganzes Jahr.

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Julia Mayr, gezeichnet von Linda Steiner.

Warum hat es dich ausgerechnet nach Kanada verschlagen? War es schwierig, dort einen Studienplatz zu bekommen?
Als ich also wenige Monate nach meiner Rückkehr erneut eine Bewerbung für ein Austauschprogramm abgeben wollte, fiel mir die Wahl nicht wirklich leicht. Die Uni Graz hat Partneruniversitäten auf der ganzen Welt, an denen man von jeglichen Studiengebühren befreit wird, wenn man in ein Austauschprogramm aufgenommen wird. Nach langem Überlegen fiel meine Wahl dann auf Kanada und ich bewarb mich an der University of Toronto und der University of Ottawa, die beide zweisprachig sind und daher perfekt zu meinem Studium passen. Ein paar Wochen später erhielt ich dann meine Nominierungsbestätigung für einen von zwei Plätzen an der University of Ottawa.

Wie war der Abschied von zuhause? Ist er dir schwergefallen?
Ende August war es so weit und ich musste Abschied von Freunden und Familie nehmen. Da ich schon einmal ein Auslandssemester gemacht hatte, fiel mir der Abschied nicht ganz so schwer, auch wenn es schon ein komisches Gefühl war, zu wissen, dass man sich erst acht bis neun Monate später wiedersehen wird. Da es aber zum Glück WhatsApp und Skype gibt, fühle ich mich dennoch immer, als wäre ich nicht ganz so weit weg.

Wie wohnst du in Ottawa?
Mittlerweile bin ich schon fast drei Monate hier in Ottawa und habe mich gut eingelebt. In weniger als 24 Stunden habe ich hier bereits eine fixe Unterkunft gefunden – eine WG, die ich mir mit einem Kanadier und zwei Franzosen teile. Die Uni kümmert sich auch sehr gut um die Austauschstudenten und hat zu Beginn einige Veranstaltungen organisiert, bei denen man neue Freundschaften knüpfen konnte. Meine Freunde hier sind vor allem andere Austauschstudenten, die von überall her kommen. Das ist wirklich eine super Erfahrung, da ich daher ständig mit verschiedenen Fremdsprachen in Kontakt bin, wir uns immer etwas von unseren Heimatländern zu erzählen haben und auch oft typische Gerichte aus unseren Ländern füreinander kochen.

Wie unterscheidet sich dein Alltag in Kanada von dem in Österreich?
Mein Alltag hier ist eigentlich ziemlich ähnlich wie in Österreich. Ich habe einiges für meine Kurse an der Uni zu tun, weshalb ich bis jetzt noch nicht so viel Zeit zum Reisen hatte. Allerdings plane ich, dies in den Weihnachtsferien noch nachzuholen. In meiner Freizeit versuche ich neue Leute kennenzulernen und meine Fremdsprachenkenntnisse anzuwenden, was sich hier natürlich viel öfter ergibt als zuhause.

Ottawa, Graz oder Osttirol? Wo gefällt es dir am besten?
Verglichen mit Graz oder Osttirol ist Ottawa natürlich schon anders. Die Leute sind hier offener und es ist völlig normal, mit Fremden zu sprechen, wenn es sich ergibt. Das ist anfangs etwas ungewohnt, aber man lernt es zu schätzen. Auf Dauer bin ich aber dennoch ganz glücklich, in Graz zu studieren, da mir vor allem der kanadische Winter im Jänner und Februar schon ein wenig Angst macht.

Was möchtest du später einmal machen? Glaubst du, dass du irgendwann wieder in Osttirol leben wirst?
Nach meinem Studium plane ich, Englisch und Französisch in Österreich zu unterrichten. Ich könnte mir allerdings auch vorstellen eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten, als Fremdsprachenassistenz zum Beispiel. Sollte ich in einigen Jahren ein Jobangebot in Osttirol finden, würde ich mich aber auch freuen, später dorthin zurückzukehren.


In der Serie „Heimweh?“ porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren. Du studierst oder machst eine andere Ausbildung außerhalb Osttirols? Wir porträtieren dich! Schicke uns ein paar Zeilen über dich an redaktion@dolomitenstadt.at und eine(r) unserer jungen Redakteure bzw. Redakteurinnen wird sich melden.

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