Er wollte schon als Kind Schauspieler werden. Jetzt ist er es. Florian Sumerauer, Wahlberliner mit Wurzeln in Tristach. Fotos: Oliver Betke

Er wollte schon als Kind Schauspieler werden. Jetzt ist er es. Florian Sumerauer, Wahlberliner mit Wurzeln in Tristach. Fotos: Oliver Betke

Florian Maria Sumerauer: „Ich habe gar keinen Plan B.“

Ein Wahlberliner aus Tristach sucht als junger Schauspieler seinen Weg.

Wer den Film „Tränen der Sextner Dolomiten“ gesehen hat, kennt ihn. Anderen Fernsehzuschauern ist er vielleicht aus der Krimiserie SOKO Donau bekannt. Vielleicht hat auch jemand Anfang Dezember den Krimi „Sommernachtsmord“ auf ORF 1 gesehen und kennt ihn deshalb. Ja wen denn eigentlich? Na Florian Maria Sumerauer aus Tristach.

Dolomitenstadt durfte den Wahlberliner bei sich zu Hause in Tristach treffen und intensiv nachfragen, wie das denn so ist mit dem Schauspielerleben.

Hallo Florian, danke, dass ich kommen durfte. Wie geht es dir?
Ja gut, danke. Ich habe es daheim immer fein.

Wie lange wohnst du schon in Berlin?
Seit 2007. Da habe ich meine Ausbildung gemacht. Dann war ich nochmal ein Jahr in Osttirol fürs Bundesheer, danach gleich wieder zurück nach Berlin.

Das ist ja eigentlich schon echt lange. Du sprichst aber noch total osttirolerisch.
Hier ja. Aber in Berlin wechsle ich das. Wenn ich heim komme ist es meistens die ersten zwei, drei Tage so, dass sich Hochdeutsch und osttirolerisch mischen, aber dann klappt es wieder ganz gut mit meinem Dialekt. Meine Brüder lachen mich immer recht aus, wenn ich ins Hochdeutsch falle.

Warum hast du dich fürs Schauspielen entschieden?
Das war bei mir als Kind in der Schule schon so, dass ich gerne jemand anderer sein wollte. Nicht immer der Florian. Ich habe dann angefangen mit Klamotten zu experimentieren. Als Kind habe ich mich gerne als eine Figur aus Herr der Ringe verkleidet und bin mit Pfeil und Bogen raus in den Wald. Später habe ich dann die ernsteren Filme gerne gemocht, die Helden, die Bösewichte und die Geheimnisvollen.

Florian Sumerauer spielte im Tirol-Krimi „Sommernachtsmord“, in der Serie Soko Donau und im Kinofilm „Die Tränen der Sextener Dolomiten“. Wenn er wählen kann, übernimmt er gern die „bösen Rollen“.

Und was spielst du jetzt gerne?
Jetzt bin ich offen für alles. Natürlich eher die Bösen gefallen mir ganz gut, weil du dich da mehr austoben kannst.

Ich wollte dich googlen für die Vorbereitung, aber du findest medial eigentlich – bis auf einen Artikel im „Koflkurier“ 2014 – gar nicht statt. Warum?
Ich stehe noch ganz am Anfang. So dass man jetzt sagt, den kennt man, den möchte man interviewen, soweit bin ich noch nicht. Soviel habe ich ja noch nicht gemacht, ein bisschen was im deutschen Fernsehen und Soko Donau. Da werden noch nicht so viele auf mich aufmerksam geworden sein.

(Schade, er ist wirklich nett….)

Wo möchtest du gerne hin in deiner Karriere? Hollywood-Blockbuster?
Nein, eigentlich nicht. Ich mache gerne Fernsehen. In letzter Zeit habe ich ein bisschen meine Liebe zum Theater entdeckt. Am 4. Jänner hatte ich ein Vorsprechen am Stadttheater in Karslruhe für ein komplett neues Ensemble.

Oh cool. Was hast du vorbereitet?
Einmal spreche ich den Hamlet (sehr klassisch….) und einen Monolog von Goethes Egmont.

Vor dem Spiegel, oder wie stellt man sich das vor?
Nein, nichts nach außen. Bei mir ist das so, dass ich viel im Kopf behalten will und wenn ich dann z.B. hier zu Hause bin, gehe ich in den Wald und gehe dort meinen Text durch.

Mimik, Gestik? Wie trainierst du das?
Eigentlich gar nicht, ich hoffe immer, dass das von alleine kommt, wenn ich es brauche. Ich versuche allerdings gewisse Emotionen abrufbar zu machen. Das ist echt hart (er lacht).

Wieviel spielst du im Jahr?
Also Theater im Moment noch gar nicht. Ich bin gerade erst dabei, mich in der Theaterwelt umzuschauen und zu sehen, was für mich möglich ist. Und Film ist immer anders. In einem guten Jahr spiele ich in zwei oder drei Produktionen. Aber es kann auch mal ein Jahr nur eine oder gar keine sein.

Und diese Zeit dazwischen füllst du wie?
In Berlin gibt es einen Verein, der Schauspielunterricht anbietet, da bin ich viel. Es geht mir darum, in einem kreativen Prozess zu bleiben. Und sonst erfülle ich das Klischee und kellnere, um mich über Wasser zu halten. Ich lese aber auch viel und versuche einfach auf dem Laufenden zu bleiben und da meine Freundin auch noch studiert und wir uns in unseren Interessen ergänzen, wird es nie langweilig.

Florian fühlt sich als Großstädter und doch vermisst er manchmal die Einsamkeit, die Familie und die Berge – also Osttirol. Foto: privat

Und wieviel bist du in Osttirol im Jahr, so ungefähr?
Ich versuche immer im Sommer einmal herzukommen und im Winter.

Was vermisst du an Osttirol?
Alles. Einfach alles. (also damit habe ich ja nicht gerechnet…) Die Einsamkeit beim Spazierengehen, meine Familie, die Berge.

Aber du wolltest doch nach Berlin, oder? Deine Ausbildung kann man doch auch woanders machen.
Ja, stimmt. Aber die Ausbildung für Film/Fernsehen gab es damals eben nur in Berlin und ich habe da ganz naiv gedacht, geil, da brauche ich nur zwei Jahre in die Schule, statt vier in der staatlichen und kann danach voll durchstarten. Jetzt im Nachhinein denke ich schon manchmal, ich würde es jetzt eher staatlich versuchen, wenn ich nochmal an dem Punkt wäre. Eine fundierte Theaterausbildung.

Aber nach Berlin zu gehen, war dennoch eine gute Entscheidung. Mir liegt das Großstadtleben auch und es gibt dort viel kreativen Input.

Florian, ich habe 2016 ziemlich viele Künstler getroffen und kein einziger oder keine einzige hat gesagt, dass es einfach war, Fuß zu fassen.
Nein, auf keinen Fall. Es ist schwierig, man muss das wirklich gut überlegen und wirklich, wirklich wollen. Zum Glück steht aber meine ganze Familie hinter mir und unterstützt mich. Aber in Wahrheit ist es ein winziger Prozentsatz an Schauspielern, die davon leben können. Wenn allerdings genug Liebe zum Beruf da ist, dann nimmt man das in Kauf, denke ich.

Florian Sumerauer als Polizist im Einsatz beim „Sommernachtsmord“. Foto: orf.at

Gibt es ein Limit für dich, etwas wo du sagst, wenn ich dreißig bin, muss das funktioniert haben, sonst mache ich was anderes?
Das habe ich mich auch schon oft gefragt, aber ich wüsste nicht, was ich anderes machen sollte. Ich kann auch gar nichts anderes. Die Schauspielerei habe ich mir in den Kopf gesetzt und ich habe auch gar keinen Plan B, da habe ich echt hoch gepokert. Aber ich habe Vertrauen.

Was war für dich das Coolste beim Schauspielen bis jetzt?
Mein Highlight ist sicher SOKO Donau, das war zum Spielen das Schönste. Vom Schauspiel selber war es der Moment, den werde ich nie vergessen, als ich das erste Mal gemerkt habe, wie ich einen Zugang zu meinen Gefühlen bekommen habe, das war in einer Zweierübung in der Schauspielschule, als ich alles um mich herum vergessen habe, voll im Spiel war und es so richtig Click gemacht hat. Die Emotionen sprudeln nur so hervor, das war echt klasse. Wenn das klappt, ist das fast wie ein Rausch.

Bist du in deiner Familie der Exote, was Berufswahl, Lebensstil usw. betrifft? Jede Familie braucht einen Exoten…
Ja ich glaube schon, jedenfalls der, der den unsichersten Weg eingeschlagen hat. Aber meine Familie unterstützt mich eben sehr, wie gesagt. Vielleicht auch gerade weil ich der Einzige bin, der irgendwie was Exotisches macht. (er lacht wieder.)

Ich habe einen wirklich netten, jungen Mann getroffen, der auf beeindruckende Weise eine gewisse fröhliche Sturheit an den Tag legt. Man möchte ihm gerne wünschen, dass es wirklich klappt mit der Schauspielkarriere, Plan B gibt es ja eh nicht. Bis Redaktionsschluss gab es leider noch keine Neuigkeiten aus Karlsruhe, wir bleiben jedenfalls dran und verfolgen genau, wohin es Florian Maria Sumerauer noch verschlägt.

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2 Postings bisher
Lienzner7 vor 1 Jahr

Geht schon Flo, des pocksch !

hoerzuOT vor 1 Jahr

sympathischer Typ!! Alles Gute, nicht aufgeben und das Ziel immer fest vor Augen! ToiToiToi