AK-Präsident fordert differenzierte Sicht auf Tourismus

Nur 18 Prozent Vollzeitbeschäftigte. Öffentliche Hand subventioniert Saisonbetriebe.

Der Präsident der Tiroler Arbeiterkammer, Erwin Zangerl, fordert eine differenziertere Sicht auf die Tiroler Tourismuswirtschaft und kritisiert „Jubelmeldungen“ des Landes. Die Tourismusbranche habe Probleme, Arbeitskräfte zu finden, „nicht, weil es zu wenige gibt, sondern weil die Arbeitsbedingungen unattraktiv sind“, erklärt Zangerl und bringt einen Zahlenvergleich: Im Schnitt erzielten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Tiroler Beherbergung und Gastronomie im Jahr 2015 ein Nettoeinkommen von 10.549 Euro, was einem Monatseinkommen von nur 753 Euro entspräche.

Ebenso problematisch wie die Niedriglöhne sind für den Arbeiterkämmerer die Folgekosten der Saisonarbeit für die Allgemeinheit. Nur etwas mehr als ein Viertel aller Beschäftigten in Beherbergung und Gastronomie sind laut Arbeiterkammer das ganze Jahr hindurch in einem Arbeitsverhältnis, gar nur 18 Prozent arbeiten ganzjährig in Vollzeit. „Das bedeutet, dass der Großteil der Beschäftigten in seinem Arbeitsjahr ‚Totzeiten‘ hat, die in gemeldeter Arbeitslosigkeit verbracht werden. In den Zwischensaisonen übernimmt oft die Allgemeinheit die Gehaltskosten in Form von AMS-Geldern. Damit werden Unternehmen von der öffentlichen Hand nichts anderes als subventioniert“, erklärt Zangerl.

In Tirol arbeitet nur rund ein Viertel der Tourismusbediensteten ganzjährig. Foto: iStock/maximkabb

Es gehe dabei um Millionen. Im Oktober 2016 waren nach Auskunft des Sozialministeriums in Tirol 11.195 Arbeitslose aus den Branchen Hotellerie und Gastronomie als arbeitslos vorgemerkt, 8.484 davon mit Einstellungszusage, also Überbrücker der Zwischensaison. Im November waren es 12.539 Personen, 9.942 davon mit Einstellungszusage. Zangerl: „Man kann sich ausrechnen, welche Ersparnis allein in der Arbeitslosenversicherung möglich gewesen wäre, hätte der jeweilige Arbeitgeber die Arbeitskraft weiter beschäftigt und die Kosten nicht an die Versichertengemeinschaft ausgelagert“.

Die AK legt mit Berufung auf Daten des Sozialministeriums folgende Zahlen vor: Die durchschnittlich ersparte Höhe an Arbeitsversicherungsleistung für Arbeitslose in Gastronomie und Hotellerie in Tirol betrage pro Person und Tag 27,90 Euro. Somit ergebe sich allein für die Monate Oktober und November 2016 für Betroffene mit Einstellungszusage eine Summe von knapp 15,7 Millionen Euro, die an die Versichertengemeinschaft ausgelagert werde. Zangerl: „Mir ist bewusst, dass sich solche Fakten nicht öffentlichkeitswirksam verkaufen lassen, aber das sind die Tatsachen, über die wir diskutieren müssen. Wir können die Schattenseiten nicht einfach ausblenden und uns rein auf die Wertschöpfungseffekte berufen.“

Dolomitenstadt hat sich nach den Osttiroler Zahlen erkundigt. Im Oktober waren laut AMS allein im Bezirk Lienz 815 ArbeitnehmerInnen mit Wiedereinstellungszusage in Hotellerie und Gastronomie arbeitslos gemeldet. Im November stieg diese Zahl sogar auf 984 Personen.

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Ganz a Scheida der Herr Zangerl