Großglocknerkapelle Kals auf Spurensuche in Brasilien

Das Ensemble besuchte Fans in Südamerika und traf auf Auswanderer aus der Heimat.

Zu einer ungewöhnlichen Tournee kam es, nachdem sich Eike Bach, ein brasilianischer Fan der Großglocknerkapelle Kals, per Mail bei Kapellmeister Toni Huter meldete und die Gruppe zu einem Auftritt in seinem Heimatland einlud. Zunächst sah Huter die Nachricht als eine nette Anerkennung, aber ernsthafte Überlegungen für eine Brasilienreise gab es nicht. Das änderte sich jedoch, als Bach Huter persönlich einen Besuch abstattete und die beiden schlussendlich konkrete Reisepläne schmiedeten.

Eike Bach (4. v.r.) ließ nicht locker und schaffte es schließlich, die Großglocknerkapelle Kals in seine Heimat Brasilien zu locken. Seine Frau hält die Tiroler Fahne hoch.

Anfang 2017 brach die Kapelle dann nach Südamerika auf. Zwei Wochen lang legten die Kalser dort knapp 1500 Kilometer per Bus und auch per Flugzeug zurück. Es musste schließlich schnell gehen, denn man hatte sich einiges vorgenommen. Zunächst ging es von Sao Paolo über Curitiba nach Canoinhas. Dort gibt es nämlich eine Blasmusikkapelle, mit der die Kalser natürlich gemeinsam aufspielen wollten. Die Frage, ob die alpenländische Musik bei den Einheimischen ankommt, beantwortete sich rasch und schon bald wurde im tropischen Brasilien „Boarischer“ getanzt. „Es war schön zu erleben, wie wir mit unserer Musik die Zuhörer begeistern konnten“, freut sich Toni Huter im Gespräch mit dolomitenstadt.at.

Weiter ging die Reise über Iguacu nach Dreizehnlinden (Treze Tílias), eine in den 1930ern von österreichischen Auswanderern gegründete Gemeinde. Dort wird neben Portugiesisch auch noch Deutsch gesprochen, wobei es sich vor allem um Tiroler Dialekt handelt, denn die meisten Emigranten kamen aus Tirol. Auch die 14-köpfige Kalser Familie Hanser war damals nach Dreizehnlinden ausgewandert. Die Großglocknerkapelle ging deshalb dort auf Spurensuche und konnte Theresia Moser, eine Tochter der Familie, ausfindig machen. Mit alten Klassikern aus der Feder von Sepp Huter, dem Gründer der Kapelle, brachte man den Auswanderern ein Stückchen Heimat nach Brasilien mit.

Mit Christus im Rücken posaunten es die Kalser in die Welt hinaus: „Meine Heimat ist Tirol!“

Nach insgesamt sechs Auftritten reiste das Ensemble schließlich weiter nach Rio de Janeiro. Dort wollte man sich eigentlich nur die weltbekannte Christusstatue einmal aus der Nähe ansehen, doch dann entschlossen sich die Kalser Musikanten kurzerhand, ihre Instrumente auszupacken. So kam es dazu, dass vor dem 30 Meter hohen Wahrzeichen plötzlich, wohl zur Verwunderung der anwesenden Touristen, der Marsch „Meine Heimat ist Tirol“ ertönte.

In eben diese Heimat kehrte die Kapelle anschließend nach ihrer zweiwöchigen Tournee zurück. Allerdings müssen Volksmusikfreunde in Brasilien nicht lange auf die Kalser Gruppe warten, denn bereits im Herbst ist eine Rückkehr geplant. In Florianópolis, der Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina, sollen dann erneut die Lieder der Großglocknerkapelle erklingen.

„Wir kommen wieder!“ Der nächste Trip nach Brasilien ist schon in Vorbereitung. Von links: Peter Aßlaber, Alois Wibmer, Anton Holzer, Toni Huter, Marco Rainer, Florian Huter. Alle Fotos: Michael Linder
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