ÖSV-Snowboarder trainierten auf dem Hochstein

Athleten vom Lienzer Hausberg begeistert. Top-Boarder Benjamin Karl im Gespräch mit Dolomitenstadt.

In den vergangenen drei Tagen trainierte das Snowboard-Team des ÖSV rund um den, aus Innervillgraten stammenden, Cheftrainer Ingmar Walder auf dem Lienzer Hochstein. Mit dabei waren seine bisher stark auftretenden Athleten Benjamin Karl, Andreas Prommegger, Lukas Mathies, Alexander Payer, Sebastian Kieslinger, Julia Dujmovits, Ina Meschik, Claudia Riegler, Daniela Ulbing und Sabine Schöffmann. Ab 11. März stehen bereits die Snowboard-Weltmeisterschaften in Sierra Nevada in Spanien auf dem Programm. Am letzten Trainingstag haben wir uns mit dem dreifachen Gesamtweltcup-Sieger Benjamin Karl über Ziele, Erfolge und den Hochstein unterhalten.

Heute ist der letzte von drei Trainingstagen hier auf dem Hochstein. Was lässt sich über die Bedingungen sagen?
Wir haben heute fantastische Bedingungen, die letzten beiden Tage sind wir ein wenig im „Gatsch“ versunken. In dieser Saison konnten wir bisher selten so gut trainieren wie am heutigen Tag.

Wie denkst du allgemein über den Hang hier am Hochstein?
Für mich und den Lienzer Skiclub ist der Hochstein als Trainingsberg ohnehin die unangefochtene Nummer Eins. Auch für zahlreiche Einheimische ist es DER Berg zum Skifahren. Ich trainiere hier mit und ohne Team. Oft hole ich die ganze Truppe hierher, weil uns einfach tolle Bedingungen und ein super Service geboten werden — wir dürfen einen Teil des Hanges für uns absperren und können dann auch wirklich ausgiebig darauf trainieren, ohne die Piste räumen zu müssen.

Ganz lässig gleitet der Mehrfach-Weltmeister in Richtung Dolomitenstadt-Interview …

Wie sieht — nach der Absage der Events in Russland, die für diese Woche anberaumt waren — das Programm für die nächsten Tage aus?
Durch die Absage konnten wir hier in Lienz trainieren, normalerweise würden wir uns momentan auf der Anreise nach Russland befinden. Morgen statten wir dann der Schweiz einen Besuch ab und bestreiten dort zwei Europacup-Bewerbe in Lenzerheide. Dieses Ersatzprogramm hilft uns dabei, im Flow zu bleiben.

Dein Name scheint in der Gesamt-Weltcup-Wertung an zweiter Stelle auf. Das Ziel muss wohl der vierte Triumph im Gesamt-Klassement sein?
So ist es, ich will am Ende ganz oben stehen.

Dein Teamkollege Andreas Prommegger liegt derzeit direkt hinter dir an dritter Stelle und sitzt dir im Nacken. Wie steht es in dieser Hinsicht um den Konkurrenzkampf unter euch?
Er ist ein enorm ehrgeiziger Mensch und daher ist es auch für ihn das große Ziel. Die Bandagen werden auf jeden Fall härter (lacht).

Dein Sieg beim Weltcup-Auftakt in Carezza war sehr emotional, du hattest Tränen in den Augen. Der Grund war die lange Durststrecke, die du mit diesem Triumph beendet hattest. Wie blickst du heute auf diese Wende zurück?
Das war einer der schönsten und emotionalsten Siege, die ich in meiner Karriere je bejubeln durfte. Der erste Weltmeistertitel und der Gewinn der Olympia-Medaille waren gewaltig, das muss man an dieser Stelle natürlich auch erwähnen. Aber es freut mich heute noch riesig, dass ich in Carezza so zurückgekommen bin. Ich denke, zu jeder großen Karriere gehört ein Comeback dazu. Es ist einfach ein anderes Gefühl, am Ende des Tages ganz oben zu stehen anstatt Zweiter zu sein.

Am 12. Feber wurde in Pyeongchang die Strecke für die Olympischen Spiele, die dort im kommenden Jahr ausgetragen werden, getestet. Wie bist du mit dem Hang zurechtgekommen?
Die Strecke in Pyeongchang hat sich gut angefühlt. Es war wichtig, dass wir dort gefahren sind, da wir doch alle einiges mitnehmen konnten. Ich habe dabei auch einiges gelernt und weiß, was ich nächstes Jahr zu tun habe. Ich versuche derzeit schon die Dinge, die ich mir vorgenommen habe, umzusetzen, damit es dann bei Olympia klappt.

Vom 11. bis 17. März stehen im spanischen Sierra Nevada die Snowboard-Weltmeisterschaften an. Was nimmst du dir für dieses Großereignis vor und in welchen Disziplinen rechnest du dir die größten Chancen auf eine Medaille aus?
Derzeit läuft bei mir ja das „Project Five“, also den fünften Weltmeistertitel zu holen — das ist das erklärte Ziel. In welcher Disziplin es dann klappt, ist nicht so tragisch, da bin ich nicht wählerisch (lacht).

Auch Benjamin Karl macht sich Gedanken über die Zukunft des Hochsteins: „Dieser Berg muss auf jeden Fall gerettet werden.“ Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Im Jahre 1996 fanden auf dem Lienzer Hausberg die allerersten FIS-Snowboard-Weltmeisterschaften statt. Würdest du dir eine erneute Austragung einer Weltmeisterschaft oder eine Weltcup-Station auf dem Hochstein wünschen, zumal es für dich mittlerweile ja ein Heimrennen wäre?
Ein Weltcuprennen auf dem Hochstein wäre ein Traum! Ich wohne schon seit zehn Jahren in Lienz, da wäre ein Bewerb hier einzigartig. Das Gelände rund um die Talstation gleicht einem Stadion, man fährt quasi direkt bis in die Stadt hinunter — die Stimmung wäre bestimmt fantastisch. Es sind dieses Mal viele meiner Teamkollegen am ersten Trainingstag neben mir gestanden und haben beim Blick hinab auf den Zielhang und die Stadt geschwärmt: „A Rennen da runter, des wär geil!“

Letzte Frage — Wenn du entscheiden dürftest, wie würden deine Pläne für die Zukunft des Hochsteins aussehen?
Dieser Berg muss auf jeden Fall gerettet werden. Den Lift abzudrehen wäre eine Sünde gegenüber den LienzerInnen und ich finde, dass sich der Hochstein das einfach nicht verdient hätte. Der Osttirodler läuft gut und man könnte auch die Tourengeher in das Kosten-Programm bezüglich der Liftkarten aufnehmen, da hier an Spitzentagen bis zu 500 Tourengeher gezählt werden. Das wäre vielleicht zumindest ein Lösungsansatz.

Vielen Dank für das Gespräch, wir wünschen alles Gute für die Weltmeisterschaften in Sierra Nevada!

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5 Postings bisher
keinexperte vor 6 Monaten

Wenn ich richtig informiert bin, gibts die Hochsteininitiative von Herrn Kreuzer ja schon längere Zeit. Hochachtung vor seinen Leistungen am See, aber zum Thema Hochstein ist, außer Kritik nicht viel passiert. Wenn Herr Kreuzer sein Paradies am See um 500 Betten vergrößert und diese im Winter mit Skifahrern füllt, wäre die Basis gelegt. Ich glaube nicht, dass derzeit viele seiner Gäste den Hochstein Skifahrern.

Kilian1990 vor 6 Monaten

Alle, die sich entgegen aller wirtschaftlichen Überlegungungen und Empfehlungen so vehement für den Hochstein einsetzen, sind für mich reinrassige Populisten. Ich wünsche den Eigentümern viel Erfolg dabei, den Hochstein für "die Einheimischen, die so zahlreich dort Skifahren, und jene, die dort in Ruhe trainieren wollen" viel Erfolg.

Pepi Kreuzer Parkhotel Tristachersee vor 6 Monaten

Zum Interview mit Weltmeister und Freund Benjamin Karl, anlässlich des Snowboardtrainings auf unserem Hochstein in Lienz möchte ich Benjamin für seine positiven Aussagen in Richtung Erhaltung und Modernisierung des Hochsteins herzlich Dankeschön sagen. Wir Lienzer werden uns alle an der Durchsetzung des Vorhabens beteiligen. Gleichzeitig wünschen wir Benjamin für seine nächsten Rennen viel Glück und Erfolg. Bis zum Wiedersehen im Parkhotel am Tristachersee.

Für die Hochstein Entwicklungs GmbH Kreuzer Pepi mit Christl, Marie-Theres, Michael Rotschopf

    senf vor 6 Monaten

    lieber pepi, ich kann mir vorstellen, dass die absehbare trennung von der hochstein-wintererschließung schmerzt. das ähnelt einer ehe, die nach langem hin und her zum scheitern verurteilt ist, auch wenn es die meisten freunde des paares und auch die verwandschaft nicht verstehen. ein weitermachen endet dann meist tragisch, zumindest für einen teil. dass es zum "ehekrach" am schlossberg gekommen ist, hat man einigen, einer partei verpflichteten figuren zu verdanken. sie sind ihnen bekannt. sie vollbrachten das kunststück, eine amputierte kabinenseilbahn auf die erste hangkante am schlossberg zu bauen. daran wurde schon damals gezweifelt, ganz zu schweigen von den massenhaften, sündteueren und fraglichen geländekorrekturen am bergfuß. die braut wurde künstlich aufgemoppst, sie ist unbeeindruckt geblieben. jetzt die ehe kitten zu wollen, ist zu spät, denn es sind keine reize mehr erkennbar, auch ist weit und breit kein mentor zu sehen. im gegenteil, das "paar" lebt sich weiter auseinander. das ist wohl oder übel zu akzeptieren!

...symbolic... vor 6 Monaten

Vielleicht kann uns der Grizzly samt Benjamin Karl in Sachen Hochstein weiterhelfen, immerhin sind die Grissmanns schon seit 30 Jahren sehr erfolgreiche Dolomitenmänner, ein Konzept das funktioniert und Gäste nach Lienz bringt, jedes Jahr!!! Und sie hätten die richtigen Verbindungen in der Ski-Szene!