Dezibelalarm: Zieht Lienz bei Freiluftkonzerten den Stecker?

Fachmann erarbeitet Richtlinien und Messmethoden für Events. Wer zu laut ist, wird bestraft.

Lärm kann zur Geisel werden, die Gesundheit gefährden und jede Menge Ärger verursachen, wobei seine Wahrnehmung subjektiv, standortabhängig und auch eine Frage der Einstellung ist. Was dem Besucher eines Rockkonzerts gerade laut genug ist, lässt manchem Anrainer nicht nur das Trommelfell, sondern auch den Hals anschwellen. Ruft man die Polizei, geht die Lautstärke nach Abmahnung meist nur kurz zurück.

Wie viel Dezibel verträgt eine Kleinstadt? Den einen ist Lienz zu ruhig, den anderen zu laut. Wer ist der Maßstab? Foto: Dolomitenstadt/Böhm

Andererseits brauchen gerade Kleinstädte wie Lienz manchmal auch kräftige kulturelle Lebenszeichen, den jungen und lauten Sound der musikalischen Gegenwartskultur, gesellige Fröhlichkeit und Betriebsamkeit – eben Urbanität. Jugend darf laut sein, Hardrock ist kein Kammerkonzert und auch die Blasmusik ist schnell einmal über 85 Dezibel, der oft genannten Lautstärkengrenze, ab der die Gesundheit schaden nehmen kann.



Bei der Gemeinderatssitzung am 28. März erkundigte sich LSL-Mandatar Uwe Ladstädter, er leitet auch den Kulturausschuss – nach geplanten Maßnahmen gegen „Lärmbelästigung“. Er möchte seine Plauderei im Kaffeehaus-Gastgarten auch bei einem Innenstadt-Konzert nicht unterbrechen müssen und löste damit eine kurze Grundsatzdebatte aus. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik verwies darauf, dass ein Fachmann zu Rate gezogen werde, der für Lienz ein Konzept für den Umgang mit Veranstaltungslärm ausarbeiten soll.

Konkret sei dies Christoph Lechner vom Amt der Tiroler Landesregierung, „ein österreichweit anerkannter Lärmexperte“, erklärt Klaus Seirer, als Stadtbaumeister zuständig für dieses Thema, gegenüber dolomitenstadt.at. Die Stadt erteilt die Genehmigung für Veranstaltungen und nach Seirers Einschätzung sollte die Stadtverwaltung bei ausuferndem Lärm auch einschreiten können. Im Klartext: Bleibt zum Beispiel ein Konzert nach Abmahnung zu laut, könnten Organe der Stadt demnächst den Stecker ziehen oder Strafen verhängen.

Kulturausschuss-Obmann Uwe Ladstädter (rechts) lässt sich ungern durch Rockmusik beim Kaffeehaus-Tratsch stören, Stadtbaumeister Klaus Seirer will objektive Kriterien erarbeiten, um bei sehr lauten Events einschreiten zu können. Foto: Martin Lugger

Wie heikel die Einschätzung ist, weiß Seirer: „Lärm ist relativ. Lechner ist ein Mann der Praxis. Er wird uns sagen, wie und wo wir messen müssen, um einen objektiven Wert zu ermitteln.“ Neben der technischen sei auch die rechtliche Seite zu klären. Wien habe einen Weg gefunden.

Geht es nach Seirer, dann erhalten Veranstalter mit dem Genehmigungsbescheid bald auch Auflagen in Sachen Lautstärke, die eingehalten werden müssen. „Wir wollen ein Nebeneinander. Einerseits wird man Bewohnern der Innenstadt machmal etwas zumuten, andererseits tragen die Veranstalter die Verantwortung.“ Die Regeln müssten zudem möglichst transparent und praktikabel sein, damit Veranstalter wissen, ob sie sich noch im grünen oder schon im roten Bereich des Lautstärkepegels bewegen.

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9 Postings bisher
gruenxi vor 8 Monaten

Ich habe den Eindruck, dass sich immer wieder Politiker von Beamten beeinflussen lassen, neue Gesetze, Verordnungen etc. zu "erfinden". Es scheint, dass damit die Politiker und Beamten ihre viel zu hohe Anzahl rechtfertigen. Auf Reformen wartet der gelernte Österreicher seit gut 2 Jahrzehnten und vermutlich auch ewig.

hexe vor 8 Monaten

Ich bin auch der Meinung, dass die Dienstagskonzerte gut ohne Verstärker auskommen. Bei gewissen Grossveranstaltungen müsste man nur die Lautstärke zurücknehmen. Ob der Hauptplatz für Rock und Popkonzerte überhaupt geeignet ist, stelle ich in Frage.

chiller336 vor 8 Monaten

jaja lienz - die stadt der sumperer - wie mans macht, is falsch

Sonja vor 8 Monaten

Mir haben die Dienstagskonzerte ohne Verstärker auch besser gefallen. Bei den anderen Veranstaltungen ist nicht der Lärmpegel während des Events das Problem, so oft ist das ja auch gar nicht. Aber daß nach den Konzerten in der Innenstadt noch bis in der Früh getrunken und gegrölt wird, sollte von der Polizei kontrolliert und dann auch abgestellt werden. Lokale haben Sperrstunde. Das alkoholbedingte laute Feiern darf nicht ins Freie verlagert werden.

bergfex vor 8 Monaten

......erkundigte sich LSL-Mandatar Uwe Ladstädter, er leitet auch den Kulturausschuss – nach geplanten Maßnahmen gegen „Lärmbelästigung“.

Was ist mit dem Uwe los? Er ist im Kulturausschuß und meckrt über die "Kultur". Will der "Tausendgscheid" vielleicht nur mehr stille "Event", wo man seine Ergüsse mit Gleichgesinnten teilen kann. Wo man über Bilder (meistens eh nur Gekrizel) redet, wo man nicht einmal weiß ob sie überhaupt richtig aufgehängt wurden. Da wird gemeckert über Veranstaltungen, auf der anderen Seite regt man sich auf, das es nun endlich eine ganzjährige Fussgängerzone gibt. mir ist es auch oft zu laut, mann müsste sich DARÜBER Gedanken machen, ob gewisse Konzerte nicht ein wenig leiser zu machen wären. Wenn es dem Uwe zu laut ist, warum geht er dann hin. Ich finde gewisse Band's auch übermäßig "lärmend", dann bleibe ich zbsp: daheim.

Berta B vor 8 Monaten

Hervorragend! Das wäre ja auch als neuer Werbeslogan geeignet! Der z.b so lauten könnte: Machen sie Urlaub in der "Flüsterdolomitenstadt Lienz" wir garantieren ihnen höhstens 40 db! Denn "Ski'n the City" wird nicht mehr lange halten wenn man so die Entwicklung in Sachen Hochstein verfolgt! Ja,ja wenn wir keine anderen Probleme haben wie die paar "Konzertchen" ..........warum muss man in Lienz immer irgendetwas suchen um es dann abdrehen zu können.........ist ja lächerlich

uppsala vor 8 Monaten

Lienz mach weiter so, dann stirbst du aus wie Sillian :'(

Zuckerpuppe vor 8 Monaten

Ich glaube nicht, dass die Konzerte direkt das Problem sind, sondern das, was danach los ist. So ein Konzert dauert ca. 2 Std., aber Viele sind der Ansicht, dass stundenlanges Lärmen danach auch noch dazu gehört. Und wer mitten in der Stadt lebt, kann ein Lied davon singen. Es gibt nämlich auch Leute, die am nächsten Tag in der Früh arbeiten gehen müssen. Einige Veranstaltungen würden sicher auch ohne Verstärker auskommen, wie das Dienstagskonzert beispielsweise. Ich bin früher oft hingegangen, aber seit mit Verstärker "gearbeitet" wird, hab ichs gelassen. Dieser Abend sollte doch eigentlich das Zusammenkommen in der Stadt fördern. Inzwischen ist aber eine Unterhaltung während des Konzertes nur mehr schwer möglich, schade. Tolle Konzerte wird es sicher auch weiterhin am Hauptplatz geben, und wenn alle aufeinander etwas Rücksicht nehmen, kanns auch für alle ein Erlebnis werden.

Klara Fall vor 8 Monaten

Also wenn man jetzt noch Veranstaltungen in der Stadt verbieten will aufgrund von Lärm, dann ist das ein Armutszeugnis der Stadt Lienz. Jede Veranstaltung bringt frischen Wind und Leben in unsere Stadt. Natürlich gefällt nicht jedem immer die Musik oder hat der ein oder andere Probleme mit dem Lärm, dass wird auch immer so sein. Sind ja eh immer dieselben die sich aufregen. Der normale Stadtbewohner ist sich im klaren das es Veranstaltungen gibt und diese laut sind. Ist nichts los wird gemeckert und ist was los dann ist es zu laut! Dem nächsten stören dann die Kirchenglocken (sind sicher auch über 85 DB) und die Kehrmaschine der Stadt ist natürlich auch zu laut usw.. Mit solchen Entscheidung sterben nicht nur die Veranstaltungen sondern auch die Vereine, Betriebe und das Leben in der Stadt. Da wäre ich eher für eine Body-Mass-Index - Grenze in der Stadt. Wer zu fett ist zahlt! ;)