Breitband: Nächste Ausbaustufe in Lienz um 1,3 Millionen Euro

Trotz Förderung kostet der Ausbau der gemeindeeigenen Breitbandnetze viel Geld.

Zwischen acht und zehn Millionen Euro kostet der Ausbau des RegioNets im Lienzer Becken, das der Planungsverband des Talbodens unter Federführung der Stadt derzeit massiv vorantreibt. Machbar ist die Investition, weil sie bis zu 75 Prozent von Bund und Land gefördert wird. Im Lienzer Gemeinderat wurden am 11. April weitere 1,3 Millionen Euro an Kosten freigegeben. Eine Million Euro netto fließt in Tiefbauarbeiten, für die die OSTA den Zuschlag des Billigstbieters erhielt, 300.000 Euro kostet das Einblasen der Glasfaserkabel samt Spleißtechnik, rund 37.000 Euro die Bauaufsicht, dazu kommen die Consulter der Landecker Firma LWL Lichtwellenleiter Competence Center, die das Projekt seit Beginn begleiten und für die nächste Baustufe rund 53.000 Euro Honorar veranschlagen.

Nicht in diesen Summen enthalten sind hausinterne Kosten des Projekts, das ja vom Lienzer Wasserwerk als Bauherr abgewickelt wird. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik spricht in Zusammenhang mit der Breitbandoffensive des Gemeindeverbandes auch von „enormen Kosten für das Projektmanagement“. Sogar spezialisierte Wiener Juristen werden bei diesem Projekt zu Rate gezogen.

Guter Rat ist auch deshalb teuer, weil die Talbodengemeinden gegen den mächtigen Mitbewerber A1 in den Ring steigen. Der Breitbandausbau in peripheren Gebieten wird aus unterschiedlichsten Töpfen – darunter die Breitbandmilliarde des Bundes — massiv gefördert. Allerdings gilt hier das Prinzip, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Als 2015 der Planungsverband mit seinen Plänen ernst machte, waren innerhalb von Wochen alle Claims in der Stadt abgesteckt, weil auch die A1 sofort Förderungen für den Ausbau ihrer Netzknoten (Access Remote Units, kurz ARU) beantragte. 

Die Glasfaser-Verlegung im RegioNet geht auch 2017 auf Hochdruck weiter. Foto: Stadt Lienz/Lenzer

Der Telekom-Konzern verfolgt eine andere Strategie als die lokalen Betreiber, die mit „Fibre to the Home“ werben, also mit Glasfasernetzen bis ins Haus. A1 baute praktisch parallel zum RegioNet die eigenen Glasfaser-ARUs aus und fährt von dort weiter mit bestehenden Kupferkabeln in Haushalte und Betriebe. Vorteil: Es muss nichts neu verlegt werden und für die meisten Anwendungen wie etwa Internet-TV reichen die aktuellen Bandbreiten völlig aus. Nachteil: Superbandbreiten jenseits der 100 MBit-Down- und Uploadgrenze sind mit Kupferkabeln kaum zu erzielen. A1, aber auch Mobilfunker wie T-Mobile und Drei setzen allerdings verstärkt auf LTE-Netze als mobile Breitbandkanäle, die im ländlichen Raum ohne teure Verkabelung auskommen und ebenfalls beachtliche Bandbreiten ermöglichen.

Die Verlegung von Rohren, das Einblasen und -spleißen der Glasfaserkabel wird im Lienzer Becken und anderen Teilen des Bezirkes noch weitere Jahre Millionen verschlingen. Man hofft auf einen Return of Investment durch die Vermietung dieser Infrastruktur an die Internetprovider, die dafür 30 Prozent ihres Umsatzes abliefern. 360 Objekte sollen allein in Lienz im Jahr 2017 direkt an das RegioNet angebunden werden, vor allem im Gewerbegebiet Peggetz, im Norden und im Westen der Stadt, erklärte der zuständige Beamte Oskar Januschke im Gemeinderat.

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4 Postings bisher
EEG

Ein paar Gedanken zum Breitbandausbau im Lienzer Talboden

Der ganz große Vorteil der Glasfaser liegt in der symmetrischen Bereitstellung von Bandbreiten auf der letzten Meile, Senden & Empfangen von Daten mit derselben Geschwindigkeit (Bandbreite) . Diese Möglichkeit bietet die VDSL/ Gfast ( Kupfer Telefonzweidrahtleitung A1 ) Technik leider nicht. Schaut man als Privat User bei den 3 Glasfaser Providern ( UPC, IKB, TIROLNET ) nach symmetrischen Angeboten,kommt ganz schnell der große Frust auf, eine z.B. sym. 50 Mbit Leitung ist unbezahlbar ! Eine Preis Kampfansage für mich als Privathaushalt ist ein monatlicher Betrag von 50 € (sym. 50 Mbit), ich muss ja auch einiges Geld in die Hand nehmen, bis ich die Glasfaser in meinem Keller bzw. Wohnbereich habe. Ohne wirklich attraktive Angebote wird der Glasfaserausbau nicht „aus den Puschen“ kommen. Es ist nett, wenn der Bgm. von Nussdorf/Debant sich bei einer Veranstaltung mit der symmetrischen 100 Mbit Anbindung seiner Gemeindestube brüstet, da kann sich dann jeder Mitarbeiter in der Pause ein 4 k Video ziehen, die Kosten werden mit der Zurverfügungstellung des Kollokationsraumes gegenverrechnet. Warum kann unsere Gesellschaft mit monopolartigen Strukturen nicht vernünftig umgehen? Muss man unbedingt eine Internet Parallelstruktur aufbauen, für mich ist das volkswirtschaftlich großer Unfug! Bei Wasser, Kanal, Strom, Abfall habe ich ja auch keine Alternative, da wird man voll um einiges mehr „abgezockt“. Sicher ist die Glasfasertechnologie bis ins Heim die zukunftsträchtigere, nur muss ich mir die auch leisten können, dann hätt sich die A1 die 50 ARU’s auch sparen können, und diese Fördermittel dem FTTH Ausbau zusätzlich zur Verfügung stellen.

    F_Z

    Soweit mir bekannt ist es nur auf den Ausbau des Planungsverbandes zurückzuführen das A1 Glasfaser verlegt hat. Wenn die Gemeinden nicht selber aktiv geworden wären, hätte A1 da wohl lange nichts gemacht - weil sie das Monopol hatten. Und dann hätte ich vermutlich immer noch keine 5Mbit Download - von zukünftig 50 gar nicht zu reden. Und bei Strom und Wasser hattest du bisher auch die Wahl (Stromanbieter gibt es viele, und Grundwasserbrunnen sind auch bei uns nocht sooo exotisch).

      EEG

      Lieber/e F_Z Die Elektrizitätsinfrastruktur gehört im Lienzer Talboden zu 100% der TINETZ (100% Tochter der TIWAG), da gibts es keine Auswahl ! Ein privaterGrundwasserbrunnen wird im Promillebereich vorkommen, nicht relevant für die Masse. Ich bin absolut kein A1 Verfechter, der fast "überstürzte" VDSL Ausbau von A1 ist zu 100% den Ausbauplänen des Planungsverbandes geschuldet.Wieso können "vernünftige" Entscheidungsträger" das nicht im Vorfeld abklären, welche IT Infrastruktur in den einzelnen Gebieten zum Einsatz kommt ?? Da stößt die "Marktwirtschaft" an ihre Grenzen, wird sich besonders bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zeigen.

      karli8

      @EEG Zusätzlich bleibt ja ein gewisser Anteil der finanzieller Anteil der Einnahmen aus dieser Parallelinfrastruktur in unseren Gemeinden, welcher ansonst nach Mexiko abwandert. So nebenbei hast du es ja, wie du im 2. Posting beschreibst, begriffen, dass sich A1 um entlegene Gebiete, wo es nicht viel zu holen gibt einfach nicht wirklich kümmert. Was zählt sind Ballungsgebiete.