„Ich merke jetzt mehr als früher, was wichtig ist.“

Petra Mariacher aus Virgen macht eine Ausbildung zur Diplomkrankenpflegerin in Innsbruck.

Es ist ein wenig her, seit ich das letzte Mal hier war, dementsprechend dauert es auch, bis ich die richtige Tür finde. Die Gegend ist immer noch gleich schön. Schön ist auch das Wiedersehen mit einer alten Freundin. Ein lächelndes Gesicht öffnet mir die Tür und eine angenehme Stimme bittet mich herein. Frischer Kaffee und das Ambiente einer Studentenküche – nette Rahmenbedingungen für ein Gespräch über ihre Ausbildung.

„Mir ging es am Anfang wie wahrscheinlich vielen anderen Schülern: Ich hatte keine Ahnung was ich machen will. Ursprünglich hatte ich im Sinn, Medizin zu studieren, aufgrund des großen Lernaufwandes für den Aufnahmetest verzichtete ich dann aber darauf.“ Letztendlich wurde es aber etwas in dieselbe Richtung. „Ich entschied mich schließlich für den „leichteren“ Ausbildungsweg, sprich für die Krankenpflegeschule. Im Nachhinein bin ich doch sehr froh darüber. Bei meinen bisherigen Praktika hatte ich immer viel mit Ärzten zu tun und da habe ich gemerkt, dass das wahrscheinlich nicht das Richtige für mich gewesen wäre.“

So trieb es die frische Maturantin dann nach Innsbruck. Die Diplomausbildung wird auch in Lienz angeboten, das kam für Petra aber nie in Frage. „Ich wollte immer mal weg von Osttirol. Außerdem lebt meine Schwester bereits seit sieben Jahren dort, das war auch mitentscheidend bei meiner Wahl.“ Dementsprechend fiel es ihren Eltern auch etwas leichter, Abschied zu nehmen.

Petra Mariacher, gezeichnet von Linda Steiner.

Pro Jahr starten dreimal drei Klassen – im Frühling, Sommer und Herbst. Zwischen Interesse und tatsächlichem Ausbildungsbeginn steht dann noch ein Aufnahmeverfahren. „Wie viele ursprünglich daran teilnahmen, weiß ich nicht mehr, insgesamt werden aber circa 100 Personen aufgenommen und dann auf drei Klassen aufgeteilt.“ Mittlerweile hat sich die Zahl an Mitschülern von 36 am Anfang auf ungefähr 20 reduziert.

Keine Matura ist, die Ausbildung betreffend, (noch) kein Problem. Ab Herbst des nächsten Jahres wird jedoch nur mehr das – bisher parallel angebotene – Bachelorstudium offeriert. Dann ist die Matura Grundvoraussetzung für den Beruf der Krankenpflegerin.

Die Schule an sich beschreibt sie als durchaus schwer und anstrengend. Wenn man leicht lernt, halte sich der Aufwand aber in Grenzen, da ein Großteil des Stoffes Gegenstand des Auswendiglernens ist. Thematisch wird beispielsweise Wissen in den Bereichen Hygiene und menschlicher Körper vermittelt. Praktisch stehen Tätigkeiten wie Unterstützung der Patienten bei der Körperpflege, Blut abnehmen oder auch das Legen von Leitungen im Vordergrund.

Die Ferien beziffern sich auf lediglich acht Wochen pro Jahr, durchaus wenig im Vergleich zu anderen Schuleinrichtungen. Insgesamt betrachtet verbringt Petra aber mehr Stunden in Praktika als im Klassenzimmer. „Dadurch relativiert sich das Ganze ein wenig. Wir bekommen auch ein kleines Taschengeld von 120 Euro brutto im Monat. Das nimmt dann über die Dauer der Ausbildung zu.“

Wenn alles glatt läuft, darf sie sich ab Herbst 2018 „Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin“ nennen. Durch die Ausbildung weiß sie dann nicht nur eine Menge über ihren zukünftigen Beruf, sondern sie hat sich auch persönlich weiterentwickelt. „Ich merke jetzt vielmehr als früher, was wichtig ist im Leben. Wenn ich hier die teilweise schwer kranken Menschen sehe und dann selbst mal kleine Probleme habe oder mich über etwas aufrege, dann relativiert sich das alles – ich denke grundsätzlich mehr nach.“ Auf die Frage, ob das ihr Traumberuf ist, wird Petra nachdenklich: „Das kann ich nicht wirklich beantworten, ich habe ja noch nie etwas Anderes gemacht, aber mir gefällt das was ich mache und darauf kann man bauen.“

In der fernen Zukunft möchte die 20-jährige Virgerin „auf jeden Fall gern wieder nach Osttirol zurückkommen.“ Die Voraussetzung dafür ist allerdings eine Beschäftigungsmöglichkeit in der Umgebung. Für den Moment musste es aber die Stadt sein. Auch nach ihrer Ausbildung möchte die angehende Krankenschwester noch ein paar Jahre in der Landeshauptstadt arbeiten. Die Aussicht auf ihre Familie, ihre alten Freunde und die wunderschöne Natur weckt aber das Verlangen, irgendwann in die alte Heimat zurückzukehren.

Dolomitenstadt.at wünscht alles Gute für das Kommende.


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