„Ich war schon immer eine Tierfreundin.“

Die 22-jährige Hannah Kerber aus Oberlienz studiert Tiermedizin in München.

Hannah Kerber ist 22 Jahre alt und studiert gerade Tiermedizin im zweiten Semester an der LMU München. „Ich war schon immer eine Tierfreundin. Als Kind hab ich – zum Leidwesen meiner Mutter – immer Katzln aufgeklaubt und mit nach Hause gebracht“, erzählt sie mir lächelnd bei einer Tasse Kakao in Lienz. Außerdem verfügt die Oberlienzerin über ein ausgeprägtes Interesse an Medizin. Trotzdem hat Hannah die Veterinärmedizin nicht sofort für sich entdeckt und hat, bevor sie nach München kam, in Bozen ein Jahr lang Design studiert, ihre zweite große Leidenschaft. „Die Entscheidung fiel mir nicht leicht – es war immer so ein Hin und Her zwischen Design und Tiermedizin. Nach einem Praktikum bei einem Tierarzt und einem Irlandaufenthalt wurde mir aber endgültig klar, was ich machen will.“

An ihrem Studium schätzt Hannah vor allem, das der Bereich in München sehr breit gefächert ist. „Es gibt so viele Möglichkeiten: Ich könnte zum Beispiel Zootierärztin werden, in die Forschung gehen oder meinen Doktor machen und Fachtierärztin werden.“ Man kann sich auf verschiedene Tiergruppen spezialisieren, außerdem gibt es die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Momentan zieht es die Oberlienzerin am ehesten in die Fachrichtung Kleintiere.

Hannah Kerber, gezeichnet von Linda Steiner.

Und wie ist Hannah ausgerechnet in München gelandet? „Außer der LMU habe ich auch noch die Universität in Wien in Betracht gezogen – da hat es aber nicht geklappt“, erzählt sie. Auch dass ihr hier ihre LLA-Ausbildung angerechnet wird, kommt Hannah gut zupass. Von der Stadt selbst hat sie noch gar nicht so viel gesehen, verrät sie mir. „Dafür gibt es im Studium einfach zu viel zu tun.“ Tatsächlich hat die Studentin eine Vierzig-Stunden-Woche. An der Isarmetropole schätzt Hannah das breite Sportangebot und die öffentlichen Verkehrsmittel, durch die sie sehr flexibel ist. Sehr gerne ist sie mit dem Rad oder zum Spazieren an der Isar unterwegs. „Und: München ist eine sehr tierliebe Stadt.“ – Das ist der angehenden Veterinärmedizinerin natürlich besonders wichtig. Begeistert schildert sie, dass manche ihrer Studienkollegen auch Hunde in die Vorlesungen mitbringen.

Sie selbst hat in München kein Haustier, auch dafür bleibt Hannah neben dem Studium nicht genug Zeit. Allerdings gehören zur Uni sowohl ein Hof als auch verschiedene Kliniken. Pferde, Rinder und Kleintiere werden dort von den Studierenden betreut. Hannah arbeitet neben ihrem Studium als Famulantin in der Kleintierklinik. Dort betreut sie Intensivpatienten und darf auch Medikamente und Spritzen verabreichen. In den fünf bis sechs Diensten, die sie dort monatlich absolviert, lernt sie besonders viel dazu.

In München hat sich Hannah schon ganz gut eingelebt und neue Freunde kennengelernt. „Ich hab meine Österreicher-Truppe aus dem Studium“, erzählt sie. Der Abschied von Zuhause fiel ihr nicht sonderlich schwer. Immerhin hat sie bereits mehrere Jahre auswärts verbracht: Nach der LLA in Lienz absolvierte sie in der Steiermark drei Jahre lang den Aufbaulehrgang Land- und Forstwirtschaft mit Matura, dann kam das Jahr in Bozen.

Dennoch gibt es einiges, was sie an Osttirol vermisst: „Die Natur, die Berge und allgemein das Ländliche – in München ist halt alles Stadt. Auch die Leute sind eher Stadtmenschen.“ Besonders wenn Hannah länger weg war, zieht es sie wieder nach Osttirol zurück. „Daheim sein ist für mich einfach mal ausspannen und relaxen – vor allem, weil ich durch die deutsche Ferienregelung oft heimkomme, wenn sonst keiner da ist.“ Ihre Zeit in der Heimat verbringt die begeisterte Sportlerin dann mit Bergsteigen oder an der Isel – dann geht es mit dem Fahrrad am Ufer entlang oder auch mit dem Kajak durch die Strömung.

Und wie stellt sich Hannah ihre Zukunft vor? Zunächst einmal hat sie noch fünf Jahre Studium vor sich und was dann kommt, kann sie noch nicht so genau sagen. Sie kann sich gut vorstellen, eine eigene Praxis zu eröffnen oder vielleicht auch in eine Klinik einzusteigen. „Da bin ich auch gar nicht ortsgebunden. Aber in eine Stadt oder Großstadt möchte ich lieber nicht.“ In Tirol herrscht Tierärztemangel, erzählt sie mir, deshalb biete sich unser Bundesland an. Aber auch ins Ausland zu gehen, ist für Hannah eine Option. Osttirol? „Wahrscheinlich nicht“, meint Hannah, die hier beruflich nicht die größte Chance wittert. Eine Rückkehr in die Heimat kommt für sie eher nur in Frage, wenn eine Stelle als Tierärztin frei wird.


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