„Lehrerin sein heißt nicht nur lehren, sondern auch lernen“

Maria Pretis aus Matrei studiert Deutsch auf Lehramt und Inklusive Pädagogik.

Maria Pretis ist 20 Jahre alt, kommt aus Matrei und absolviert gerade ein Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Inklusive Pädagogik in Graz. Ursprünglich galt ihr Interesse der Physiotherapie. „Da habe ich die Aufnahme aber leider nirgends geschafft.“ Im Zuge der Absagen wusste sie eigentlich dann nicht genau was sie nun machen möchte. Spontan wurde es dann Lehramt, ganz nach dem Motto: „So schlecht wird es mir schon nicht stehen.“ Maria sollte damit Recht behalten. Im Nachhinein hatte die Absage für Physiotherapie dann doch etwas „Gutes“ – der spontane Plan B entpuppte sich als Volltreffer.

Für Lehramt in Innsbruck war die Anmeldefrist schon verstrichen, Linz und Graz standen noch zur Auswahl. Letzten Endes wurde es Graz – die Stadt hatte für sie schon damals Bekanntheitsgrad: „Ich war schon oft dort und die Stadt hat mir auf Anhieb gut gefallen.“

Inklusive Pädagogik stellt eine Erweiterung der Integration dar. Die Zielgruppe hierfür sind Kinder mit geistigen und sozialen Beeinträchtigungen, schwer erziehbare Kinder oder auch Ausländerkinder mit schlechten Sprachkenntnissen. Generell Heranwachsende, die für das herkömmliche Unterrichtstempo zu langsam sind. „Die Kinder befinden sich mit anderen ‚normalen‘ Kindern in einer Klasse, werden da jedoch von einem Sonderpädagogen – in dem Fall dann mir – speziell geschult bzw. unterrichtet. Mein Tätigkeitsfeld beschränkt sich hier vorwiegend auf die Hauptfächer.“

Aktuell macht sie ein Praktikum in einer ersten NMS Klasse. „Die Kinder, die ich da unterrichte, haben in etwa die Lernbasis von frühen Volksschulkindern“, erzählt sie mir. Zur Einordnung: Eine in diesem Alter einfache Rechnung wie etwa „neun plus zwei“ stellt für betroffene Kinder bereits eine richtige Herausforderung dar. Ziel der inklusiven Pädagogen ist es, die Kinder bestmöglich zu unterstützen im Hinblick auf einen Schulabschluss. Mehr als einen NMS-Abschluss werden davon jedoch nur wenige schaffen. Wohin ihr Bildungsweg genau führen wird, wird sich noch zeigen. Eines weiß sie aber schon nach wenigen Praktikumstagen: Lehrerin sein heißt nicht immer nur lehren, sondern auch lernen. „Teilweise kann man von den Kindern noch was mitnehmen, da sie sehr interessante Denkmuster an den Tag legen, auf die man selbst gar nie kommen würde.“

Maria Pretis, gezeichnet von Linda Steiner.

Für das Studium gab es, wie mittlerweile bei den meisten Studien auch, einen Aufnahmetest. „Meiner Meinung nach war der Test aber relativ einfach. Soweit ich weiß, haben ihn so ziemlich alle Bewerber geschafft.“ Vier Jahre dauert der erste Studienabschnitt, der mit einem Bachelor of Education abgeschlossen wird. Im Anschluss muss innerhalb von fünf Jahren der Master angehängt werden, entweder berufsbegleitend oder als Vollzeitstudium – Dauer zwei Jahre. „Das Masterstudium ist aber schon eher ‚wochenendlastig‘, also prinzipiell auf eine berufsbegleitende Organisation ausgelegt.“

Die Vorlesungen teilen sich, wie bei jedem Lehramtsstudium in Graz, auf die Karl-Franzens-Universität und die Pädagogische Hochschule auf. Das Fach Inklusive Pädagogik gibt es erst seit Herbst 2015, genau der Jahrgang, in dem Maria ihr Studium aufnahm. „Da hatte ich auf jeden Fall großes Glück!“ Das Interesse am neuen Fach steigt jedenfalls stetig. Die junge Matreierin wird häufig von Studienkollegen oder auch Bekannten mit Fragen zum Studium überhäuft.

Die steirische Landeshauptstadt beschreibt sie als „schön, idyllisch, grün und wohnlich“. Eigentlich alles Sachen die auch auf Osttirol zutreffen mit dem kleinen Unterschied, dass „Wasser- und Luftqualität nicht an den Heimatstandard heranreichen“. Ungewöhnlich war für Maria anfangs auch die urbane Hitze im Sommer. Die angehende Lehrerin wohnte von Beginn an in einer Zweier-WG. „In den ersten Tagen war ich schon ziemlich allein, der Anschluss war dann aber schnell da.“ Gleich am ersten Unitag hat sie schon Bekannte aus der Heimat getroffen. Graz macht seinem Ruf als ‚zweites Osttirol‘ also alle Ehre.

Hat sie sich denn auch persönlich weiterentwickelt? „Sicher bin ich selbstständiger geworden, wahrscheinlich kann das aber jeder Student sagen, das passiert ja fast zwangsläufig.“ Ich muss lachen, das hat den Nagel auf den Kopf getroffen. „Weiters bin ich, denke ich, reifer im Umgang mit Leuten geworden, meine Interessen sind aber gleichgeblieben. Nachdem das Studium etwas ist, das mir total ‚taugt‘, blühe ich natürlich auch mehr auf.“

Die angehende Lehrerin schätzt, dass „vor allem Inklusionspädagogen mit Sicherheit sehr gefragt sein werden.“ Deutsch möchte sie gerne an einer Oberstufe unterrichten, doch da sind die Jobchancen laut eigenen Aussagen momentan eher bescheiden.

Wie sieht’s mit einer Rückkehr in die Heimat Osttirol aus? „Ich muss sagen, dass es mir persönlich relativ egal ist, da richte ich mich ganz nach der Beschäftigungssituation, was bleibt mir auch anderes übrig. Trotzdem wäre es natürlich ein Traum wieder zurückzukommen, irgendwann.“

Osttirol ist für Maria Natur, saubere Luft und malerische Umgebung. Wenn sie irgendwann selbst mal Kinder hat, würde sie sich für sie auf jeden Fall wünschen, dass sie in einem solch schönen ländlichen Umfeld aufwachsen. Bis dahin ist ja noch Zeit. Das Wichtigste ist die Begeisterung für den Beruf und die sieht man in ihren leuchtenden Augen, wenn sie über ihr Tun in der Steiermark spricht. Maria wirkt froh und glücklich. Sie freut sich auf Freunde und Lernen in der Ferne und hofft in ferner Zukunft auf Kinder und einen Job hier in ihrer Heimat – hier in Osttirol.

Alles Gute für die Zukunft!


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