Erstkommunionkinder in der Hostienbäckerei

Vor dem Fest wird in Matrei gebacken, der Kirchturm erklommen und die Orgel bestaunt.

Im Mai ist in den Gemeinden Osttirols ein besonderes Fest angesagt, die Erstkommunion. In Matrei ist es am 25. Mai so weit und die Kinder der zweiten Klasse Volksschule haben sich in intensiven Gruppenstunden auf dieses Großereignis vorbereitet. Ein Highlight: „Hostienbäckerin“ Sonja Warscher kommt in den Erstkommunionsunterricht und erklärt genau, wie aus ein bisschen Mehl und Wasser der „Leib Christi“ werden soll.

Geduldig erzählt Sonja den Kindern die Geschichte der Hostienbäckerei, wie viel Aufwand es früher bedeutete, genug Hostien zu backen, damit alle Kirchgänger zur Kommunion gehen konnten. „Damals war es noch Aufgabe von Klosterfrauen, für die ganze Pfarre die Hostien zu backen, von Hand und über offenem Feuer, es gab ja noch keinen Strom!“, erzählt Sonja Warscher. Wie schwer diese Arbeit wirklich war, verstehen die Kinder aber erst, als sie das alte Hostieneisen in die Hand nehmen dürfen, das vor einigen Jahren beim Umbau des Widums in Huben gefunden wurde. Heute wird maschinell in der Hostienbäckerei Karmel Mater Dolorosa in Pottenbrunn, immer noch von Ordensleuten, gebacken.

Die Kinder dürfen dann sogar selbst die Hostien für ihre eigene Erstkommunion (aus bestellten Hostienplatten aus Karmel) ausstechen, aber zuerst muss einmal ein Teig aus Mehl und Wasser angerührt werden. Auch das übernehmen die Kinder unter Anleitung von Sonja Warscher, die in der Zeit vor der Erstkommunion im gesamten Dekanat solche Stunden anbietet, und immer noch sehr gerne, wie sie betont.

Wenn dann wirklich im heißen Eisen der Teig gebacken wird, leuchten die Kinderaugen! Nicht alles gelingt sofort, aber der warme Teig, frisch gebacken, darf dann auch noch verkostet werden. Es sind bis dahin ja erst ziemlich aufwändige Oblaten.

Eine Vorbereitungsstunde später steht für die Kinder dann auch noch eine Kirchenführung auf dem Programm und es bietet sich eine der seltenen Gelegenheiten, die Kirchenglocken, die man sonst nur hört, auch einmal zu bestaunen. Der Weg hoch in den Turm ist beschwerlich, aber es lohnt sich. Ortschronist Bernhard Oberschneider weiß allerhand Spannendes zu erzählen, und so fällt den meisten Kindern gar nicht auf, wie hoch sie hinauf geklettert sind. Einmal von dort oben auf den Friedhof schauen – was für eine Aussicht. Und bei dieser einmaligen Gelegenheit wurde dann auch noch gleich der Gipfelsieg mit einem Lied gefeiert, sehr zur Freude der Menschen auf Kirchplatz und Friedhof, die das unverhoffte Konzert von unten bestaunen konnten.

Auch Ortspfarrer Ferdinand Pittl, ein versierter Organist, konnte die musikalischen Kinder an diesem Nachmittag begeistern. Er zeigte ihnen die Orgel – von innen. Und während er selbst spielte, konnten die Kinder einmal so richtig erleben, wie der Klang in dieses riesige Instrument kommt und was da so alles dazu gehört. Es durfte am Ende sogar noch einmal jedes Kind – mit Hilfe von Pfarrer Ferdinand– selbst probieren.

Gerade in der Zeit vor der Erstkommunion und vor der Firmung kann man, nicht nur in Matrei, wirklich erleben, was gelebte Kirchengemeinde bedeutet. Wenn so viele junge Menschen mit Begeisterung an Führungen und Unterrichtsstunden teilnehmen, so viele Erwachsene sich ehrenamtlich einbringen, dann entsteht schon der Eindruck, dass auch unser kirchliches Zusammenleben noch einen hohen Stellenwert hat.

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