Martin Mayerl ist Landtagsabgeordneter und Bauer. Die vollständige Abzäunung von Almweiden hält er für unrealistisch. Foto: Bauernbund

Martin Mayerl ist Landtagsabgeordneter und Bauer. Die vollständige Abzäunung von Almweiden hält er für unrealistisch. Foto: Bauernbund

Mayerl zu Kuhprozess: „Es steht viel auf dem Spiel!“

Eine Frau starb 2014 nach einer Kuhattacke in Nordtirol. Die Hinterbliebenen klagten.

Heute beginnt am Landesgericht Innsbruck der zivilrechtliche Prozess um eine Kuhattacke auf eine deutsche Urlauberin im Jahr 2014. Eine Mutterkuh griff die Wanderin an, die einen Hund an der Leine führte, und fügte der Frau tödliche Verletzungen zu. Die Hinterbliebenen fordern nun 360.000 Euro Schadenersatz.

Der Osttiroler VP-Abgeordnete und Bauernbündler Martin Mayerl beobachtet den Prozessauftakt mit Sorge: „Der Vorfall im Pinnistal ist ohne Zweifel eine menschliche Tragödie. Dass nun aber der Landwirt, der mittels mehrerer Warnschilder explizit auf die mögliche Gefahr aufmerksam gemacht hatte, nun mit aller Gewalt zum Schuldigen gemacht werden soll, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wenn diese Klage Erfolg hat, dann wird es die seit Jahrhunderten in Tirol praktizierte Form der freien Almbewirtschaftung in Zukunft nicht mehr geben. Das bisher übliche Nebeneinander von Wanderern und Tieren hätte dann ein Ende. Nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für den Tourismus wären die Auswirkungen dramatisch“, ist Mayerl, selbst Bauer in Dölsach, überzeugt.

„Landwirtschaftskammer und Tourismusverbände haben in den letzten Jahren massiv in Richtung Aufklärung und Bewusstseinsbildung gearbeitet“, verweist Mayerl auf die mittlerweile überall anzutreffenden Hinweisschilder und aufgelegten Infofolder: „Ohne ein gewisses Maß an Eigenverantwortung wird es aber nicht gehen. Eine vollständige Abzäunung von Weideflächen ist in Almgebieten nicht möglich.“

Bei dem Vorfall im Stubaital war die 45 Jahre alte Deutsche von 20 Kühen und Kälbern regelrecht zu Tode getrampelt worden. Mehrsprachige Schilder an den Eingängen zur Weide warnten damals: „Achtung Weidevieh! Halten Sie unbedingt Distanz, Mütterkühe schützen ihre Kälber – Betreten und Mitführen von Hunden nur auf eigene Gefahr“. Deshalb stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Bauer ein. Der Tierhalter habe seine Sorgfaltspflicht nicht verletzt.

Der Witwer und der Sohn der Verstorbenen klagen nun aber zivilrechtlich auf Schadenersatz. Der Vorfall ereignete sich auf einer Weide, durch die ein frequentierter Fahrweg führt. Der Anwalt des Klägers argumentiert, dass ein Weidezaun erforderlich gewesen wäre. Die Frau hatte ihren Hund mit einem Karabiner am Körper befestigt. Vermutlich hatte die Herde den Hund als Gefahr gesehen.

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senf vor 4 Monaten

chiller@: "...tourismusregionen, die ja sehr oft in kombinationen mit landwirtschaft stehen" leider werde ich aus diesem Satz nicht schlau, was willst du damit sagen! es ist dir sicher bekannt, dass sich die landwirtschaft, besonders auch die almwirtschaft in den verganenen jahrzehnten strukturell verändert hat und nicht - wie du behauptest " "seit generationen wird das in der landwirtschaft und auf almen so gehandhabt." ist. die gründe sind bekannt. die touristiker und auch bauernvertreter werben mit romantik und almidylle, die sennerin im dirndl, daneben der senner pfeifenrauchend in lederhose und die kinder kuschelnd mit dem tierischen nachwuchs, den guten almkäse anpreisend. bis zum tragischen tod der touristin, sind mir keine gefahrenhinweise oder verhaltensregeln aufgefallen - ausser allgemeine tipps und gefahren am berg, wie in wanderbroschüren, kartenwerken oder in hüttenfoldern üblich. es ist passiert und die LLWK hat mit begegnungsregeln mit weidetieren reagiert. im nachhinein, versteht sich. chiller, du machst es dir mit dem zu erwartenden "hausverstand" und der pauschalverurteilung der gäste wieder einmal zu einfach. ich bin gespannt, wie das urteil in dieser instanz ausgehen wird - hoffentlich objektiv!"

    chiller336 vor 4 Monaten

    also nochmal extra für dich: tourismus und landwirtschaft hängen in österreich sehr eng zusammen - der tourist schätzt die ländliche gegend und auch alles was dazugehört. seit generationen wird das vieh im sommer auf die almen getrieben und seit generationen werden auch almflächen bewandert - bis zum heutigen tag. dafür dass die menschheit mehr und mehr in ihren grundsinnen abstumpft kann kein bauer was und auch keine kuh. und jetzt sag i dir nochwas: in meiner zeit als pistenretter in eben dieser region des unfalles wurde ich zur genüge mit den themen "eigenverantwortung und hausverstand" konfrontiert, glaub mir - und die sind faktisch nur mehr in den seltensten fällen vorhanden. des einzige wo ich dir rechtgeb: ja wir begeben uns genau in die richtung piefke saga - bzw sind wir schon mittendrin. und zu guter letzt: eine bergbahngesellschaft dafür mitverantwortlich zu machen, dass die beförderten gäste nicht auf die gefahren des abstiegs aufmerksam zu machen - siehe TT - is quasi der orgasmus in dieser geschichte. in zeiten von rechtschutzversicherungen wirds einem zu leicht gemacht, gegen jeden und alles zu prozessieren - und auch da kann ich dir genug geschichten aus dem wintersport erzählen. das wirklich traurige daran ist, dass ein ganzer berufsstand und eine tourismusregion in verruf gebracht wird und ich finde, dass es für manche gäste in zukunft besser sein sollte, solche regionen zu meiden, wenn diese mit den dortigen - jahrhundertealten - gepflogenheiten nicht zurechtkommen. aber is nur meine meinung - wie schon öfters geschrieben. und ob dir das gefällt oder nicht, ist deine sache, aber nicht mein problem

    chiller336 vor 4 Monaten

    achja - kleiner nachsatz: alles andere als ein freispruch ist ein schlag ins gesicht jener leute, die von der landwirtschaft leben (müssen)

    griasenk vor 4 Monaten

    @senf: Ich finde nicht das sich chiller336 das zu leicht macht. Und Hausverstand und Eigenverantwortung liegen absolut in der Verantwortung eines Jeden, Tourist oder Ansässiger. Almen sind nun mal Weiden und werden für die Tiere erhalten und gepflegt. Komisch wenn der ganze Vorfall in Afrika auf einer Safari passiert wäre und das angreifende Tier ein Löwe, Elefant, Zebra oder was weiss ich was für ein Tier gewesen wäre, würden die meisten sagen "Ja selber schuld, warum gehst du da hin". Auch Kühe verhalten sich nicht immer wie man es von Ihnen erwartet. Leider. Bauer sind die Menschen die diese Regionen pflegen, bewirtschaften und betreuen. Das sie versuchen da zumindest ein wenig damit zu verdienen ist ganz normal. Hier geht es auch um keine Pauschalverurteilung von Gästen, denn auch Einheimische benehmen sich nicht richtig in diesen Regionen. Aber jetzt einen Bauern dafür bluten zu lassen, auch wenn das seine Kühe waren halte ich für falsch. Das ist nicht der richtige Ansatz. Griasenk

topoduofahrer vor 4 Monaten

viele Touristen glauben sie sind in einem Vergnügungspark, brauchen nur auf einen Notausknopf zu drücken und sind raus aus der Nummer. Dem ist nunmal nicht so. Wir befinden uns beim Alpinen-Wandern in freier Natur und sind dementsprechend den Naturgewalten und auch den dort lebenden Tieren ausgesetzt. Wenn ich mich nicht entsprechend über diese Gefahren informiere und mich vorbereite, kommt es unweigerlich zu zu gefährlichen Situation oder sogar zu tötlichen Unfällen. Die wie bereits von meinen Vorschreibern erwähnt, sehr bedauerlich sind! Doch jeder der sich freiwillig in die Natur begibt, handelt auch auf eigene Gefahr und kann auch niemand anderen als sich selbst, in die Verantwortung nehmen.

    senf vor 4 Monaten

    ... über diese Gefahren informiere" hast recht, aber wo soll sich denn der wanderer (auch einheimische) informieren, ich denke er muß zur jeweiligen situation aufgeklärt werden. ein herdenschutzhund hat eine frau gebissen, sie wusste nicht, dass die - anscheinend lieben tierchen - instinktiv die herde in schutz nehmen. weit und breit keine information, danach das heulen; ach, die dummen touristen, recht geschieht ihr, wäre sie daheim geblieben. griasenk@: kannst du mir einen wanderfolder oder tourenführer anführen, in dem auf diese besonderen gefahren hingewiesen wurde?

griasenk vor 4 Monaten

Sehr traurig und mit Sicherheit eine Tragödie für alle Beteiligten. Allerdings sollte man ein paar Dinge bedenken: Touristen einheimische wie auswärtige bewegen sich auf privaten Gründen, die von den Landwirten zur Verfügung gestellt werden. Viele dieser Menschen haben keine Ahnung wie man sich gegenüber Tieren wie Kühen, Pferden oder Schafen verhält. Jeder Mensch weiss, dass Tiermütter für ihre Jungen sterben würden. Sie bringen Hunde mit, die ursprünglich die Kühe als Herdentiere gejagt haben. Man kann der Kuh nicht beibringen, dass Hunde "nichts tun". Kein Bauer würde eine "böse Kuh" auf die Alm treiben. Vor Hunden, Spinnen, Mäusen und was weiss ich welchen Tieren haben viele Menschen Angst, wieso gilt das nicht für Tiere die ungefähr 800kg wiegen und ein Mensch kein Hindernis darstellt. Dieser Unfall war eine Verkettung ungünstiger Ereignisse, der leider mit dem Tod eines Mensche geendet hat. Dafür aber einen Mensche verantwortlich machen, der nicht einmal vor Ort war finde ich nicht gut und richtig. Griasenk

    chiller336 vor 4 Monaten

    meine absolute zustimmung ... seit generationen wird das in der landwirtschaft und auf almen so gehandhabt. Dafür, daß touristen nicht lesen können und auch mal eigenverantwortung übernehmen sollten, kann niemand etwas. und vor allem ist das ein fiasko für tourismusregionen, die ja sehr oft in kombinationen mit landwirtschaft stehen. Von erwachsenen menschen sollte man erwarten können, mit a bissl hausverstand durchs leben zu gehen - in diesem fall gings leider schlecht aus.

    genaugenommen vor 4 Monaten

    Gebe dir absolut recht. Aber in dem Fall war die Touristin auf einem öffentlichen Weg (Gemeindeweg) unterwegs. Es gibt auch Landesstrassen die durch Weidegebiet führen - wie sieht es hier aus?