Gregor Staub hat eine Methode entwickelt, die in kürzester Zeit die Gedächtnisleistung verbessern soll. Foto: Jasmina Rahmanovic

Gregor Staub hat eine Methode entwickelt, die in kürzester Zeit die Gedächtnisleistung verbessern soll. Foto: Jasmina Rahmanovic

Wie man in drei Monaten fließend Chinesisch lernt

Ein Interview über das Vergessen mit dem Gedächtnisexperten Gregor Staub. 

Wir sind vergesslich, das ist normal. Aber wie wäre es, wenn unser Gedächtnis so gut trainiert wäre, dass wir eben nicht mehr so schnell vergessen? Was, wenn wir diese Fähigkeit schon in der Grundschule erlernt hätten? Diese und noch viele andere spannende Fragen beantwortet Gregor Staub im Interview mit dolomitenstadt.at.

Gregor Staub ist das, was man wohl gemeinhin einen „Gedächtnisprofi“ nennt. Er hat eine Methode entwickelt, sich die kompliziertesten Dinge unheimlich schnell zu merken. Diese Woche war er in Osttirol zu Gast und hat in mehreren aufeinanderfolgenden Seminaren in Matrei Kinder und Erwachsene gleichermaßen erstaunt und begeistert. Wie funktioniert jetzt aber diese Gregor-Staub-Methode? Was ist das eigentlich und kann das jeder?

Herr Staub, die Technik, die Sie anwenden, man nennt sie Mnemotechnik, ist eine sehr alte „Kunst“ und war schon im antiken Griechenland bekannt. Eigentlich sogar noch früher.
Sie müssen sich vorstellen, in den frühen Hochkulturen musste man sich irgendwie behelfen. Man fand also heraus, wenn man zwei Dinge kombiniert wie einen logischen Ort – meine Füße sind unten – und eine Emotion, dann kann man sich alles merken. Die Schwierigkeit besteht darin, das zu erlernen.

Sie sagten in ihrem Vortrag heute Morgen, mit vier Stunden Training kann ich das.
Ja, einen Teilbereich kann man in vier Stunden erlernen. Etwa den Trick mit dem Zahlengedächtnis, oder mit dem Wortgedächtnis. Alles bekommt man leider aber nicht in vier Stunden hin.

Und dann wende ich das Erlernte nicht mehr an, ist es dann wieder weg?
Nein, das ist wie Fahrradfahren. Wenn Sie es einmal können, verlernen Sie es nicht wieder. Natürlich können Sie es nicht so schnell abrufen, wie jemand, der es täglich trainiert. Aber die Fertigkeit bleibt erhalten.

Wie wird man Gedächtnistrainer? Sie haben doch eigentlich Wirtschaft studiert.
Wissen Sie, ich bin mit 16 vom Gymnasium geflogen, weil ich mir nicht gut Dinge merken konnte. Wirklich. Sie können davon ausgehen, die meisten guten Gedächtnistrainer haben ein schlechtes Gedächtnis. Sie suchten nach einer Lösung und fanden eine. Wenn Sie schon ein gutes Gedächtnis haben, brauchen Sie auch keine Lösung finden. Das stimmt wohl…

Ich dachte auch immer, ich habe einfach ein schlechtes Gedächtnis, bis ich eines Tages anderthalb Stunden lang am Flughafen mein Auto suchen musste. Ich habe dieses Auto einfach nicht gefunden und bin dann mit dem Zug heimgefahren. Das war mein Tag X, an dem ich mir gedacht habe, jetzt reicht es! Was könnte ich tun? Eines vorweg, ich habe mir kein Buch gekauft. Ein Buch übers Gedächtnistraining zu kaufen ist in etwa so klug, als wenn Sie sich das Mittagessen vorlesen lassen. Ich habe also Trainingskassetten gekauft. Das hat mein Leben verändert. Ich fing an mein Wissen an Studenten zu erproben, es funktionierte! Ich konnte mir auf einmal alles merken.

Und so kam eines zum anderen?
Ja genau, ich habe probiert, probiert und probiert. An den Studenten. Die waren begeistert. Als ich dann fragte, ob sie interessiert wären, diese Methode auch zu lernen, konnte ich daraus ein Business machen. Relativ schnell war ich dann auch in den Medien und meine eigenen Kassetten gingen super gut weg. Ich spürte aber, ich brauchte und wollte mehr und fing an Schulungen und Seminare anzubieten.

Was unterscheidet jetzt aber ihre Methode von anderen?
Wissen Sie, zum Beispiel das Zahlengedächtnis. Um das zu trainieren brauchten sie früher drei Monate und jeden Tag 15 Minuten zum Üben, das macht doch kein Mensch. Ich bringe ihnen das Gleiche in vier Stunden bei. Ich hatte den Mut, neue Wege zu gehen und habe einfach Programme so auf den Punkt entwickelt, dass sie effektiv sind. Meine Tochter hat in drei Monaten fließend Chinesisch gelernt. Das sind völlig neue Dimensionen. Wenn ich sieben Stunden lang mit Lehrern arbeiten könnte, solche, die das wirklich wollen, dann würde das das Schulsystem revolutionieren. Meine Leidenschaft ist aber jetzt, das möglichst vielen Menschen zu vermitteln.

Und wie verdienen Sie eigentlich ihr Geld, Herr Staub?
Mit den Unterrichtsmaterialien, den Kursen und Vorträgen. Sie können mit meinen Materialien alles lernen. Es geht immer ums Erleben, Theorie – keine Chance. Praktisch erleben – alles wird gut. Wer sich dafür entscheidet, meinen Kurs zu machen, bekommt direkt einen Online-Zugang und meine Telefonnummer. Jeder Kunde kann mich anrufen, wenn Fragen auftauchen oder Unklarheiten bestehen. Meine Handynummer ist öffentlich, 1,5 Millionen Menschen haben diese Nummer, aber niemand ruft mich an. Das passiert so selten, aber wenn, dann lerne ich immer so viel dabei, und kann besser werden.

Man merkt schon, Gregor Staub brennt für seine Sache und er ist richtig gut, finde ich. Es macht ihm Spaß, sein Publikum zu verblüffen. Ein bisschen ist es wie in einer Zaubershow, wenn man ganz verwirrt feststellt, wozu man mit wenig Training fähig wäre. Ich werde vermutlich dieses Programm kaufen, es probieren. Einfach mal, um zu sehen, ob ich es kann. Wenn ich dann auch eine hundertstellige Zahl – wie ich möchte – vorwärts und rückwärts aufsagen kann, oder in drei Monaten eine neue Sprache lerne, dann schreibe ich darüber. Versprochen.

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